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"Sie wollten zeigen, was für ein toller Kerl Sie sind"

Ohne ihr Wissen landeten intime Sexvideos einer Frau auf einer Pornoplattform. Ihr Freund hatte sein eigenes Spiel gespielt – und zahlt einen hohen Preis.

Peinliche Pornovideos waren Gegenstand in einem Prozess am Amtsgericht Dresden. Ein 37-Jährifer hatte die Filmchen ohne Wissen seiner Freundin im Internet veröffentlicht. Keine gute Idee.
Peinliche Pornovideos waren Gegenstand in einem Prozess am Amtsgericht Dresden. Ein 37-Jährifer hatte die Filmchen ohne Wissen seiner Freundin im Internet veröffentlicht. Keine gute Idee. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Thomas N. scheint gut darin zu sein, anderen etwas vorzumachen. Doch das hat ihm offenbar nicht gereicht, denn er hat den Bogen weit überspannt. Sehr weit.

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Der 37-jährige Koch aus Dresden stand wieder einmal vor dem Amtsgericht Dresden. Nicht wegen Raubes oder Diebstahls, N. muss man als durchaus kundig und hafterfahren in solchen Dingen bezeichnen, sondern wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Thomas N. veröffentlichte Sexvideos, die er mit seiner damaligen Lebensgefährtin gedreht hatte, kurz darauf unter anzüglichen Titeln auf einer öffentlich zugänglichen Porno-Plattform.

Mehr als 100.000 User sollen sich die vier Videos angesehen haben, die bis zu zwei Jahre zu finden gewesen seien. Das Problem: N.s Freundin hatte nichts davon geahnt. Die 32-Jährige hat davon erst kurz nach der Trennung erfahren.

Für den "Hausgebrauch"

Verteidiger Jürgen Saupe gab für seinen Mandanten ein volles Geständnis ab. Danach habe der 37-Jährige die Videos und auch zwei Nacktfotos auf seinem Profil einer einschlägigen Plattform veröffentlicht, um sich als potent darzustellen und um andere Sexpartnerinnen zu beeindrucken. Er habe sich "zur Schau stellen" wollen.

Es sei keine Tat aus Rache gewesen, wie es in anderen Fällen vorkäme. N. habe die für den "Hausgebrauch" angefertigten Filme jedoch ohne Wissen der Geschädigten veröffentlicht. Er habe die pornografischen Inhalte sofort gelöscht, als sie ihn dazu aufgefordert habe.

Ganz so schnell scheint das jedoch nun auch wieder nicht passiert zu sein, berichtete die 32-Jährige. Nach anfänglichem Leugnen habe er eine Unterlassungserklärung unterzeichnet und sich verpflichtet, ihr 15.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. "Irgendwie musste ich mich doch wehren", sagte die Zeugin.

Belogen und betrogen

Sie war zwei Jahre mit N. zusammen, er habe bei ihr gelebt. Ende 2019 habe sie sich von ihm getrennt, weil er ihr nicht die Wahrheit gesagt habe, vor allem über seine Vergangenheit und weil er anderen Frauen geschrieben habe. Es sei eine belastende Zeit gewesen, N. habe ihr nachgestellt. Zwei Monate später habe ein Freund die Nacktfotos entdeckt. Schon das sei hart gewesen, ein Schock. Sie habe ihn sofort aufgefordert, die Bilder zu löschen, doch N. habe das zunächst bestritten.

Anfang März sei sie zu einem Anwalt gegangen, auch aus Angst vor N. Dann entdeckten sie die Videos. Sie seien auf N.s Wunsch entstanden, so die Zeugin, er habe sie nach wenigen Tagen löschen sollen. Sie habe nur mitgemacht, um ihm einen Gefallen zu tun, einer Veröffentlichung hätte sie nie zugestimmt. Sie habe erheblich gelitten, es sei peinlich, sie habe Angst gehabt und sei auch nicht arbeitsfähig gewesen.

Für N. ist die Sache richtig teuer. 50 Euro zahlt er monatlich das Schmerzensgeld ab. Er bat die Geschädigte um Entschuldigung.

Das Gericht verurteilte den 37-Jährigen, dem die Sache sichtbar peinlich war, was an seinen roten Ohren zu erkennen war, zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten. "Die einzige Erklärung ist, dass Sie zeigen wollten, was Sie für ein toller Kerl sind", sagte die Richterin zu N.s Motiv für den Vertrauensmissbrauch. Doch steht ein Video erst einmal im Netz, habe man die Kontrolle aus der Hand gegeben.

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