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"Von heute auf morgen war alles anders"

Seit Krebs in ihrem Leben ein Thema geworden ist, planen Dresdner Unternehmerinnen, erkrankten Frauen zu helfen - auf vielfältige Weise.

Netzwerkgründerinnen Tatjana Löwen und Michaela Binder (v.l.) sammeln Geld und Frauenpower für krebskranke Frauen.
Netzwerkgründerinnen Tatjana Löwen und Michaela Binder (v.l.) sammeln Geld und Frauenpower für krebskranke Frauen. © Sven Ellger

Dresden. Diese Ohnmacht fühlt sich wie ein Fall ins Bodenlose an. Dabei will Michaela Binder doch die Starke sein. Um ihrer besten Freundin beizustehen, begleitet sie sie regelmäßig zur Chemotherapie ins Dresdner Uniklinikum, bleibt auch nach den Infusionen bei ihr zu Hause. So nahe ist ihr das Thema Krebs noch nie gegangen. Nie zuvor hatte sie so unmittelbar damit zu tun. "Von heute auf morgen war alles anders."

"Die Nebenwirkungen der Medikamente machen sich ein paar Stunden nach dem Termin bemerkbar", erzählt die Dresdner Unternehmerin. Wie genau sie sich äußern würden, das haben weder sie noch ihre erkrankte Freundin gewusst. "Wir waren nicht darauf vorbereitet, was auf uns zukommt und was man tun kann, um das Leiden zu lindern. Vielleicht wissen das die Ärzte selbst nicht."

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Wie der Lavastrom eines Vulkans beschreibe ihr die Freundin das Gefühl, wenn der chemische Kampfstoff gegen Krebszellen auch die Nervenbahnen erreicht. Vor Schmerzen sei sie fast ohnmächtig geworden. "Als ihre Begleiterin war ich ebenso ins kalte Wasser gestoßen. Man fühlt sich so hilflos!"

"Manche Ehen scheitern, Kinder leiden"

Inzwischen haben die beiden Frauen Mittel und Wege gefunden, die kritischen Stunden zu überstehen, unter anderem mit Massagen und Meditation vom Schmerz abzulenken bis er vergeht. Noch viele Wochen und Monate wird die Behandlung dauern. Ganz abgesehen von den Begleiterscheinungen der Medikamente bleibt die Erschütterung, die eine Krebsdiagnose auslöst, Teil des Lebens für alle Zeit. Selbst Heilung bringt die einstige Unbeschwertheit nicht zurück.

Doch wie dauerhaft umgehen mit der Angst ums eigene Leben oder das der Liebsten? Wie den Sorgen um die Existenz der Familie, den Job, vielleicht der Firma mit Angestellten begegnen? Und wie den eigenen Körper, gezeichnet von Operationen, annehmen? "Auch wenn die akute Behandlungsphase überstanden ist, geht der Alltag nur selten so weiter wie vor der Diagnose", weiß Michaela Binder. "Manche Ehen scheitern, Kinder leiden, der Beruf steht infrage." Im Laufe der vergangenen Wochen hat sie sich viel mit dem Thema beschäftigt: Was bedeutet Krebs?

Michaela Binder ist eine entschlossene Frau. Durch ihren Arbeitgeber Karstadt kam sie vor mehr als 25 Jahren zunächst nach Görlitz, dann nach Dresden. Doch der Konzern baute Stellen ab, auch Michaelas. "Da habe ich nicht lange gezögert und mich selbstständig gemacht." Seit vier Jahren führt sie nun zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin die Boutique de Lingerie Michelle in der Neustadt.

"Wir hoffen auf viele Mitstreiterinnen"

Seither ist Tatjana Löwen mit ihrer Boutique Silhouette im Kunsthof Michaelas Nachbarin. Dort stattet sie Bräute mit Hochzeitskleidern und Damen mit festlicher Mode aus. Zusammen mit Steffi Riechert, die in den Handwerkerpassagen an der Hauptstraße ihr Modegeschäft Lalú führt, planen die Unternehmerinnen nun ein Event, das den Auftakt zu einer nachhaltigen Unterstützung von betroffenen Frauen sein soll.

Denn was sie eint, sind Erfahrungen mit der Krankheit und das Wissen, wie wichtig es für die meisten Frauen ist, sich wohl in ihrer Kleidung zu fühlen. "Ich habe einer Kundin, die nach einer Brustkrebs-OP zu mir kam, ihr Brautkleid entworfen und geschneidert." Das habe viel Vertrauen und Sensibilität erfordert, erzählt Tatjana Löwen. Von ähnlichen Erlebnisse kann auch Michaela Binder als Dessous-Verkäuferin berichten. "Ich stelle es mir unangenehm vor, wenn Frauen ihren Büstenhalter im Sanitätshaus gleich neben dem Rollator auswählen müssen." Künftig will sie Unterwäsche für Frauen mit Brustprothese oder empfindlichen Narben anbieten. 

Zunächst aber feiern die Boutiquebetreiberinnen ein Fest mit Livemusik, stellen ihre Mode in einer Modenschau vor, stoßen mit ihren Gästen und Kunden auf das Leben an und bringen ihr Anliegen an die Öffentlichkeit. "Fünf Prozent von allen Einnahmen des Abends spenden wir dem Verein Lebensheldin! e.V., der Frauen mit Brustkrebs unterstützt", sagt Tatjana Löwen. Und das ist nur der Beginn. "Wir werden keine Eintagsfliegen sein", kündigt sie an. "Wir hoffen auf möglichst viele Mitstreiterinnen, die mit Ideen, Informationen und praktischem Beistand helfen. Damit keine Frau diesen schweren Weg allein gehen muss."

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