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Niederpoyritzer Quitten: Erst geklaut, jetzt nicht geerntet?

An der Plantage an der Elbe kommen viele Radfahrer und Spaziergänger vorbei. Die wundern sich, wie mit den Früchten umgegangen wird.

Viele Früchte sind in der Quittenplantage in Niederpoyritz bereits abgefallen.
Viele Früchte sind in der Quittenplantage in Niederpoyritz bereits abgefallen. © Sven Ellger

Dresden. Groß und gelb liegen sie auf dem Boden, unterhalb der Bäume. Viele Quitten sind es, die derzeit auf der Plantage direkt am Elbeweg in Niederpoyritz abgefallen sind. Vorbeifahrende Radfahrer sind erstaunt, weshalb niemand die Früchte erntet. Zumal sich der Verein Grüne Liga, der die Quittenplantage erst im Frühjahr 2020 vom Naturschutzbund Deutschland gepachtet hat, im Vorjahr bitter in einem Beitrag in der Sächsischen Zeitung darüber beschwert hat, dass so viele Leute die Früchte einfach klauen würden. "Es tut mir weh zu sehen, wie die Quitten abfallen und keiner sie verarbeitet", sagt eine Rentnerin, die regelmäßig an den Bäumen vorbeikommt.

Andreas Wegener kennt das Problem. Er leitet beim Verein Grüne Liga das Projekt Streuobstwiesen, zu denen neben der Niederpoyritzer Plantage auch Flächen im Lockwitzgrund und im Omsewitzer Grund gehören. Erst am Montag war er vor Ort, um den Reifegrad der Quitten zu kontrollieren. "Tatsächlich sind die Früchte schon gelb, aber sie sind noch viel zu hart zum Ernten. Sie benötigen noch einige Tage Sonne", sagt Wegener.

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Der Verein hat klare Vorgaben für die Qualität der Früchte. Aus diesen lässt die Grüne Liga Saft in der Kelterei Schöne in Hellerau pressen, der dann mit der Maische zur Meißner Spezialitätenbrennerei Prinz zur Lippe in Klipphausen geht. Aus den Zutaten entsteht dort unter anderem Edelbrand. "Dafür müssen die Früchte vollständig ausgereift sein, ansonsten erzeugen die Härchen auf den Quitten einen bitteren Geschmack", sagt Wegener.

Viele Früchte werden wieder eingesteckt

In der kommenden Woche wollen er und ehrenamtliche Helfer aus dem Verein die Quitten ernten. Um zu signalisieren, dass die Bäume bewirtschaftet werden, hat der Verein rot-weißes Absperrband ringsherum angebracht. "Denn wir beobachten schon wieder, dass viele Früchte eingesteckt werden."

Das hatte sich eingebürgert, weil die Quittenplantage direkt am Elbeweg viele Jahre vor sich hin wuchs, ohne dass sich jemand darum gekümmert hatte, bevor die Grüne Liga die Fläche übernahm. Viele Menschen hätten in der Vergangenheit die Früchte mitgenommen, auch, weil sie das Obst nicht verderben lassen wollten.

Generell findet er die Idee gut, Früchte zu retten, die keiner erntet, sagt Wegener. "Aber in unserem Fall ist es jetzt anders. Wir haben die Fläche wieder in einen Zustand versetzt, dass wir darin die Früchte gut pflücken können, aber wollten auch nicht großartig eingreifen, um die Artenvielfalt darin nicht zu zerstören."

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Noch drei, vier sonnige Tage würden den Reifeprozess vorantreiben. Dann soll der Bereich unter den Bäumen gemulcht werden, um die Quitten gut auflesen zu können. "Wir kümmern uns um die Früchte und bitten die Dresdner, unseren Ertrag auch selbst ernten zu können", sagt Wegener.

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