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Duschbus für Dresdens Obdachlose vor dem Aus

In Dresden leben Hunderte Menschen auf der Straße. Ein Bus zum Duschen und Wäschewaschen sollte ihren Alltag erleichtern. Doch nun wackelt das Projekt.

Eine offizielle Zahl zu Obdachlosen, also Menschen, die auf der Straße oder in Abrisshäusern leben, gibt es nicht, da sich Betroffene nicht bei den Behörden melden müssen.
Eine offizielle Zahl zu Obdachlosen, also Menschen, die auf der Straße oder in Abrisshäusern leben, gibt es nicht, da sich Betroffene nicht bei den Behörden melden müssen. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die Zahl der Menschen in Dresden, die keine Wohnung haben, ist ungebrochen hoch. Das Sozialamt erfasst nur die wohnungslosen Menschen statistisch, die in einem städtischen Übergangswohnheim oder einer Wohnung der Stadt leben. Zurzeit sind das 302 Personen. Ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2019, damals waren es 287. Die untergebrachten Menschen kommen unter anderem aus Deutschland, Afghanistan, Indien, dem Irak, der Ukraine und Ungarn.

Eine offizielle Zahl zu Obdachlosen, also Menschen, die auf der Straße oder in Abrisshäusern leben, gibt es nicht, da sich Betroffene nicht bei den Behörden melden müssen. Die freien Träger wie Diakonie und Treberhilfe schätzen ihre Zahl anhand der Menschen, die ihre Angebote nutzen, auf rund 1.000.

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Nun droht ein geplantes Hilfsprojekt für die Menschen zu kippen. In einer Beschlusskontrolle gab die Stadtverwaltung kurz vor Weihnachten bekannt, dass die rot-grün-rote Initiative für einen Duschbus mit Ablauf des Jahres nicht mehr finanziell gesichert ist.

Gemeinsam mit Grünen und Linken im Stadtrat hatte die SPD-Fraktion 2018 gefordert, einen Duschbus in das Angebot der mobilen Wohnungsnotfallhilfe aufzunehmen. Dieser Bus soll mobil im Stadtgebiet unterwegs sein und wohnungslosen Menschen eine Möglichkeit geben, sich zu duschen, Wäsche zu waschen und Sozialarbeiter als Ansprechpartner zu haben.

"Eine unverantwortliche Entwicklung"

Ein solches Angebot wird seit geraumer Zeit von den freien Trägern in dem Bereich gefordert. Anstatt für eine direkte Umsetzung des Stadtratsbeschlusses zu sorgen, hatte das Sozialamt zunächst eine Bedarfsstudie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der Studie lägen bisher noch nicht vor, sagt SPD-Stadtrat Vincent Drews.

"Es ist mehr als bedauerlich, dass die geplante Finanzierung nicht mehr möglich ist. Damit gerät das gesamte Projekt in Gefahr. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass nicht alle wohnungslosen Menschen den Weg in die städtischen Wohnheime wählen, sondern weiter auf der Straße leben, ist das eine unverantwortliche Entwicklung", sagt Vincent Drews, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Auch für diese Menschen müsse die Stadt ein Mindestmaß an Hygiene und sozialarbeiterischer Unterstützung gewährleisten. "In der Schuld sehe ich hier ganz klar die schleppende Umsetzung durch das Sozialamt. Ich erwarte Vorschläge des Amtes, wie das Projekt unter dem neuen Haushalt initiiert werden kann und der Beschluss umgesetzt wird", sagt Drews.

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