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Vonovia will Dresdnern bald Mieterstrom anbieten

Der Großvermieter hat bereits auf einem Drittel der Dächer seiner Häuser in der Stadt Fotovoltaik-Anlagen. Von 80 neuen sollen die Bewohner direkt profitieren.

Wie hier auf der Rottwerndorfer Straße hat die Vonovia auf weiteren rund 280 Dächern in Dresden Photovoltaik-Anlagen installiert. Rafael Wilke, der Leiter Energieerzeugung Vonovia, sagt, dass 80 weitere kommen.
Wie hier auf der Rottwerndorfer Straße hat die Vonovia auf weiteren rund 280 Dächern in Dresden Photovoltaik-Anlagen installiert. Rafael Wilke, der Leiter Energieerzeugung Vonovia, sagt, dass 80 weitere kommen. © René Meinig

Dresden. Von unten ist es oft nicht erkennbar, aber auf Dresdens Dächern wird mithilfe der Sonne ordentlich Strom erzeugt. Unter den großen Vermietern der Stadt geht die Vonovia dabei beispielgebend voran. Schon heute sind auf einem Drittel ihrer Dresdner Mehrfamilienhäuser Solarmodule installiert, das sind rund 280 Dächer, etwa auf Häusern in der Burgenlandstraße in Laubegast oder der Rottwerndorfer Straße in Leuben.

Doch während die bestehenden 189 Fotovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 8.730 Kilowattpeak (kWp)den Strom ins Netz einspeisen, sollen künftig auch die Mieter vom grünen Strom vom Dach profitieren. "Bisher war es regulatorisch nur sehr schwer möglich, den Strom direkt im Haus nutzen zu können. Doch nach einer Novellierung der Gesetzgebung ist es jetzt einfacher geworden. Das wollen wir umsetzen und möglichst viele Mieter davon überzeugen, den Strom direkt vom Haus zu beziehen", sagt Rafael Wilke, der Leiter Energieerzeugung bei Vonovia. 80 neue Anlagen sollen in Dresden gebaut werden, verteilt auf Gebäuden in der ganzen Stadt.

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Läuft alles nach Plan, könnte der Start dafür schon dieses Jahr sein. "Das wird die Gesamtleistung um weitere 4.000 kWp in Dresden erhöhen", sagt Wilke. Mieter müssten dabei keine Angst haben, dass sie nachts oder bei trübem Wetter keinen Strom haben. "Es wird auch Strom aus dem Netz zugekauft."

Preislich attraktiv

Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit wird das Angebot für viele Vonovia-Mieter auch preislich attraktiv sein, denn für den Solarstrom vom Dach sind weder Netz- noch Konzessionsabgaben zu entrichten, wenn er vor Ort verbraucht wird. "Der Preis für die Kilowattstunde muss mindestens zehn Prozent günstiger sein als der örtliche Grundversorgungstarif", sagt Wilke. Oft sei es sogar noch billiger.

Die Kosten für die Installation legt Vonovia dabei nicht auf die Mieter um, betont Wilke. Immerhin 8,5 Millionen Euro hat der Großvermieter für Kauf und Montage der Anlagen investiert. Noch werde von Vonovia geprüft, ob man Speicher in den Häusern einbaut, damit der Eigenverbrauch noch anstiegt. "Aber das hat nicht nur einen wirtschaftlichen Aspekt, weil Speicher noch teuer sind, sondern auch der Brandschutz spielt dabei eine wichtige Rolle", sagt Wilke. Dabei sei in Mehrfamilienhäusern weitaus mehr zu beachten als in Eigenheimen.

Ziel des Großvermieters ist es, bis 2050 klimaneutral zu werden. Das soll über eine dezentrale Energieversorgung der einzelnen Wohngebiete erreicht werden, indem Energie vor Ort möglichst autark erzeugt, gespeichert und verbraucht wird. Neben den Wohnungen auch an E-Ladestationen. 2019 wurde vom Unternehmen die Fotovoltaik-Initiative "1.000-Dächer-Programm" gestartet, um möglichst viele Gebäude mit diesen Anlagen auszurüsten. Aktuell werden von den rund 430 Solar-Anlagen der Vonovia jährlich rund 16 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt und in das öffentliche Netz eingespeist. Damit lassen sich etwa 5.700.000 Kilogramm Kohlenstoffdioxid pro Jahr vermeiden.

Viele Dresdner Vonovia-Gebäude haben durch ihre Flachdächer und ihre Lage besonders günstige Voraussetzungen für die Installation von Fotovoltaik-Anlagen, sagt Wilke. Mithilfe von 3-D-Simulationen und anschließenden Begehungen hatte das Unternehmen Dachflächen identifiziert, die ein Potenzial für nachhaltige Energiegewinnung bieten. "Deshalb haben wir hier einen Großteil unseres 1.000-Dächer-Programmes realisiert. Dresden ist der größte Standort dafür bundesweit." Die Installation der Anlagen erfolgte in Kooperation mit regionalen Installationspartnern. Der Großteil der verwendeten PV-Module kommen vom Dresdner Hersteller Solarwatt. Insgesamt rund 3,23 Millionen Kilogramm Kohlenstoffdioxid werden damit vermieden.

51 Anlagen auf Stadt-Dächern

Neben der Vonovia und privaten Eigentümern versucht auch die Stadtverwaltung, städtische Gebäude für die Produktion von Sonnenstrom zu nutzen. Insgesamt sind bis jetzt 51 Anlagen auf städtischen Dächern mit einer Gesamtleistung von 1.223 kWp installiert. Die Anlagegröße reicht von 1 kWp für Demonstrationsanlagen auf Schuldächern bis zu 99 kWp. Weitere acht Anlagen werden in diesem Jahr noch in Betrieb genommen, informiert das Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung.

In 19 Anlagen, die von der Stadt betreiben werden, wird der Strom direkt in den Objekten genutzt, nur der Überschuss wird ins Netz eingespeist. Die restlichen 32 Fotovoltaik-Anlagen wurden von Externen errichtet und betrieben. Die Stadt hat mit diesen einem Dachnutzungsvertrag abgeschlossen. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und die externen Anlagenbetreiber erhalten die gesetzliche Einspeisevergütung vom Stromnetzbetreiber.

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Im Januar 2020 begannen zum Beispiel zwei neue Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern der 147. Grundschule auf der Döbelner Straße sowie des Kindergartens Kinderwelten auf der Spenerstraße Strom ins Netz einzuspeisen. Betrieben werden sie von der Energiegenossenschaft Neue Energien Ostsachsen eG (egNEOS). Allein mit diesen beiden Anlagen werden 52 Tonnen Kohlenstoffdioxid vermieden.

Auch private Bauherren sollen nach Plänen des Bundes bei Neubauten künftig eine Fotovoltaik- oder Solarthermie-Anlage installieren, ebenso soll dies bei größeren Dachsanierungen zur Vorschrift werden.

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