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Ein großartiger Bau für Dresdens Straßenbahn

Er ist ein wichtiges Teil Dresdner Straßenbahngeschichte. Vor 95 Jahren ging der damals größte und modernste Straßenbahnhof der Stadt in Betrieb.

Kein vergessener Ort: Dresdner Straßenbahnhof Waltherstraße
Kein vergessener Ort: Dresdner Straßenbahnhof Waltherstraße © SAE Sächsische Zeitung

Der Straßenbahnhof Waltherstraße in der Friedrichstadt wirkt fast wie versteckt. Und dennoch zählt er zu den großartigsten Dresdner Verkehrsbauten des vergangenen Jahrhunderts. Vor 95 Jahren rollten dort am 5. Oktober 1926 die ersten Bahnen ein.Die Straßenbahnzüge waren in den 1920er-Jahren immer länger geworden. Die Betriebshöfe, in denen die Züge abgestellt wurden, erwiesen sich zunehmend als zu klein. Deshalb wurde unter anderem im Neugruna eine weitere Halle gebaut, die Betriebshöfe in Bühlau und Reick wurden erweitert.

Doch die Städtische Straßenbahn wollte auch in der Nähe des Stadtzentrums einen Betriebshof für Sonderwagen, um bei großen Veranstaltungen in der Stadt oder bei plötzlichen Betriebsspitzen rasch reagieren zu können. Deshalb kaufte sie in der Waltherstraße ein Grundstück. Etwa an jener Stelle an der Ecke zur Friedrichstraße stand seit 1891 der Pferdestraßenbahnhof Friedrichstadt mit einer Unterstellmöglichkeit für 190 Pferde und 30 Wagen. Dieser wurde kurz nach der Eröffnung des neuen Straßenbahnhofes vom Straßenbahnnetz getrennt und später abgerissen. Am südlichen Ende der Waltherstraße befand sich ab 1875 mit dem Berliner Bahnhof der Ausgangspunkt der Fernbahnstrecke in die Reichshauptstadt.

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Bis heute auffällig: das Dach

Der neue Straßenbahnhof entstand von 1925 an in nur einjähriger Bauzeit. Er zählte damals zu den größten Industriehallen in der Stadt und galt als herausragender Verkehrsbau. Es gab sieben Wagenhallen aus Spannbeton mit je vier Abstellgleisen von 80 Metern Länge, die eine Fläche von insgesamt 110 mal 110 Meter überspannten. Dort war Platz für 250 Wagen. Auffällig ist bis heute das Dach. Zwischen den einzelnen Betonschalen sind zeltförmige Oberlichter eingezogen, die der Halle ihre markante gezackte Silhouette verleihen. Die Einfahrtshalle steht quer. Sie ist 43 Meter breit und 15 Meter hoch. Zum Bau gehören auch eine Werkstatt, Verwaltungs- und Schulungsräume sowie sechs Wohnhäuser für Mitarbeiter.

Die separate, 80 Meter lange Reparaturhalle verfügte als erste Wartungsanlage Deutschlands über elektrische Wagenhebestände und Schiebebühnen, was die Abläufe beschleunigte.Der Straßenbahnhof gilt bei Fachleuten auch heute noch als architektonisch bemerkenswert und als unbestrittener Höhepunkt großstädtischer Verkehrsbauten im Dresden der 1920er-Jahre. Das Erscheinungsbild des metropolenhaften Bahnhofes wirke zeittypisch sachlich mit leicht spätexpressionistischen Einsprengseln, wie dem treppenartig aufgebauten, durchbrochenen Glasfenster in der Einfahrt, welches die Bögen der Halle in der Außengestaltung nicht wieder aufnehme, heißt in einer Beschreibung.

Ein Nachfolger Erlweins

Der Entwurf für den Straßenbahnhof stammt von dem aus Schrozberg in Baden-Württemberg stammenden Paul Wolf. Er hatte 1922 die Nachfolge von Hans Erlwein und Hans Poelzig als Stadtbaurat angetreten. Wolf hatte in Stuttgart Architektur studiert und stand vom Kaiserreich bis zur DDR ungeachtet der jeweiligen politischen Systeme als Städtebauer hoch im Kurs. Seine Bebauungspläne, von ihm entworfene Schulen, Wohnhäuser und Versorgungseinrichtungen wie die Ilgenkampfbahn, das spätere Dynamo-Stadion, das Georg-Arnhold-Bad, das Kraftwerk Mitte mit seinem 2006 abgerissenen, architektonisch wertvollen Kesselhaus oder das Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasium in Reick bestimmten in den 1920er und 1930er Jahren zunehmend das Stadtbild.

Der Betriebshof Waltherstraße blieb 70 Jahre ein wichtiger Anlaufpunkt für die Dresdner Straßenbahnen. Bis 1996 wurden dort Linienfahrzeuge abgestellt und gewartet. Darunter auch die Hechtwagen und später die Tatra-Bahnen. In dem Verwaltungsgebäude auf der Waltherstraße befand sich über Jahrzehnte die Fahrschule für Straßenbahnfahrer.

Weitere Folgen von Dresden Damals:

Während der Luftangriffe am 13. Februar war vorwiegend die Betriebswerkstatt zerstört worden, die in Halle 1 untergebracht war. 30 Wagen wurden vernichtet. Bei den anderen Hallen gingen Scheiben zu Bruch. In die Räume des Betriebshofes zog später provisorisch die ausgebombte Verwaltung der Dresdner Straßenbahn AG ein, bis sie ins Hochhaus am Albertplatz umzog.

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Die Einfahrtshalle in der Waltherstraße wurde später oft für Massenveranstaltungen genutzt, Unter anderem wurde hier 1974 das Eintreffen des 1 000. Tatrawagens für die DDR gefeiert. Nachdem aber 1996 der neue Betriebshof in Gorbitz fertig war, wurden in der Friedrichstädter Halle zumeist nur noch Arbeits- und Dienstfahrzeuge untergestellt, die zum Beispiel zum Schienenschleifen eingesetzt wurden. Mehrere hintere Wagenhallen sind inzwischen abgerissen.

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