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Hilfe für Fabian: Ein Knurren für kindlichen Zorn

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes muss Annett Schönert mit ihrem kranken Sohn in eine kleinere Wohnung ziehen. Wie die Aktion "Lichtblick" ihr hilft.

Annett Schönert (51) und ihr Sohn Fabian Phillip (10) Sie hat urplötzlich ihren Mann verloren und muss nun mit ihrem behinderten Sohn allein klarkommen. Die Stiftung Lichtblick hat ihr Geld für eine neue Couch zugesprochen.
Annett Schönert (51) und ihr Sohn Fabian Phillip (10) Sie hat urplötzlich ihren Mann verloren und muss nun mit ihrem behinderten Sohn allein klarkommen. Die Stiftung Lichtblick hat ihr Geld für eine neue Couch zugesprochen. © Christian Juppe

Dresden. Es gibt geordnete Umzüge. Ordentliche gibt es nicht. Egal, wie gut Annett Schönert den Auszug aus ihrer Striesener Wohnung geplant und vorbereitet hat - Chaos lässt sich nicht komplett vermeiden. 

Doch genau das ist es, worunter ihr Sohn enorm leidet. "Fabian hasst Unordnung", sagt seine Mutter. Liegen die Dinge nicht am gewohnten Platz, bringt ihn das völlig aus der Fassung.

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Auf die Frage, wie er sich in einem solchen Durcheinander fühlt, lässt der Zehnjährige ein lautes Knurren hören. Zorn kommt in ihm auf. 

Die Kinder in der Schule schmeißen auch immer die Arbeitsmaterialien einfach in eine Kiste, beklagt er sich. Davon gehen sie kaputt, und alles sei schrecklich liederlich. 

In Fabians Kinderzimmer hat jedes Ding seinen festen Platz. Schwer genug, dass der Umzug im Mai seine kleine Welt so sehr auf den Kopf gestellt und seiner Mutter viel abverlangt hat. Als sich Fabian auch noch ein "Ordnungsregal" für sein neues Kinderzimmer wünscht, fühlt sich Annett Schönert endgültig überfordert.

Es ist ja nicht nicht das Einzige, was sie jetzt braucht und wofür das Geld fehlt. Zwar war ihre frühere Wohnung größer und eigentlich gibt es dort entsprechend viele Möbel. Doch die Küchenmöbel und -geräte gehören dem Vermieter, die kann sie nicht mitnehmen.

Neue müssen her. Die alte Couch passt nicht ins neue Wohnzimmer. Auch dafür brauchte die 51-Jährige Ersatz. Und nun Fabians kindlich ahnungsloses Drängen.

Krankheit als ewiger Lebensbegleiter

Um zu erzählen, was sie durchgemacht hat, bevor der Möbelwagen im Frühjahr endlich vor der Tür steht, muss Annett Schönert tief durchatmen. Elf Jahre lang war sie mit ihrem Mann zusammen.

Geheiratet haben die beiden nie, doch im gemeinsamen Leben gibt es für sie keinen Unterschied. Den spürt sie erst, als die kleine Familie aus ihrer Bahn geworfen ist. "Im April des vergangenen Jahres hat mein Mann die Diagnose bekommen: Speiseröhrenkrebs", erzählt sie. 

Reichlich ein halbes Jahr später stirbt er. Da ist er gerade 50 Jahre alt geworden. Ohne Eheurkunde sind alle Dinge, die nun zu regeln sind, doppelt kompliziert.

Für Annett Schönert und ihren Sohn bringt der Verlust nicht nur Trauer, sondern auch Sorgen um die Existenz. Ihr Mann hatte als Gebäudereiniger gearbeitet, sie selbst absolviert nach dem Aus für die Textilindustrie der DDR eine neue Ausbildung zur Gebäudereinigerin und schult später zur Altenpflegerin um. Seit seiner Geburt kümmert sie sich jedoch um Fabian.

"Er hat auch eine schwere Krankheit und braucht viele Therapien", sagt sie. Seit seiner Geburt leidet der Junge an Neurofibromatose. Das ist eine Erbkrankheit, die häufig mit geistiger Behinderung einhergeht. 

Auch Fabian ist geistig zurückgeblieben und besucht eine entsprechende Schule. Dort erleben ihn die Lehrer als aufgeweckt und wissbegierig. "Am liebsten mache ich Kistenarbeit", sagt er. In bestimmten Kästen findet er Aufgaben, die er selbstständig lösen darf. Zahlen und Buchstaben nachmalen zum Beispiel. 

Endlich wieder Ordnung im Kinderzimmer

Wenn Fabian mittags von der Schule kommt, stehen meistens weitere Termine an: Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und Reiten auf Willi. Das Therapiepferd tut Fabian gut, beruhigt ihn und schult seinen Gleichgewichtssinn. 

Auch Annett Schönert ist zwischenzeitlich völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Denn zu zweit haben sie und ihr Kind nun keinen Anspruch mehr auf den bisherigen Wohnraum. 

Der Mietzuschuss reicht nur, wenn sie in eine kleinere Wohnung umziehen. "Aber finden Sie als Harz VI-Empfängerin mal eine bezahlbare Wohnung!", sagt sie. Bei der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt hat sie schließlich Glück und hält große Stücke auf den Vermieter, bei dem sie sich nie als Bittstellerin gefühlt habe. 

Zu der Zeit hat Annett Schönert bereits die Notbremse gezogen und sich Unterstützung gesucht. Beim Lebenshilfe Dresden e.V. findet sie engagierte Sozialpädagoginnen und Familienbegleiterinnen, die ihr zur Seite stehen - sowohl auf allen Behördenwegen als auch im Alltag mit Fabian. 

Ihnen und den Lesern der SZ verdankt die kleine Familie auch, dass ihre neue Wohnung nun so eingerichtet ist, wie sie es braucht. "Unsere Betreuerin wusste, dass die Stiftung Lichtblick Hilfe anbietet, und so haben wir uns um einen finanziellen Zuschuss beworben", erzählt Annett Schönert. Sie selbst hatte schon davon in der Zeitung gelesen, dass viele Leser der SZ für Menschen in Notsituationen Geld spenden. 

Nun kommt das Engagement ihr und Fabian zugute. Mit 700 Euro können sie sich die noch fehlenden Möbelstücke kaufen. Endlich ist etwas Ruhe in ihr Leben eingekehrt - und eine wohltuende Ordnung in Fabians Zimmer. 

Die Stiftung Lichtblick ist eine Initiative der Sächsischen Zeitung. Sie hilft dort, wo sonst niemand einsteht und Unterstützung doch dringend nötig ist: Unschuldig in Not geratene Menschen in Ostsachen und Dresden, deren Schicksal keine Schlagzeilen macht, für die Betroffenen aber einen täglichen Kampf gegen Verzweiflung und Selbstaufgabe bedeutet.

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