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Einmal „schnell und gemütlich“

Ein 55-Jähriger soll Dresden-Leuben mit Crystal versorgt – und den Vater eines „Kunden“ verprügelt haben. Letzteres bestreitet der Angeklagte.

Am Freitag hat der Prozess gegen Cetin E., einen mutmaßlichen Drogendealer, am Amtsgericht Dresden begonnen.
Am Freitag hat der Prozess gegen Cetin E., einen mutmaßlichen Drogendealer, am Amtsgericht Dresden begonnen. © Marion Doering

Dresden. Drogenermittler wissen, womit sie es zu tun haben, wenn sie eine Nachricht mit dem Wortlaut „Ey, Großer, kannst du mir helfen? Schnell und gemütlich?“ vor sich haben. Da schreibt jemand mit Suchtdruck. „Schnell“ steht für Crystal, „gemütlich“ für Marihuana. Der Text stammt vom Handy einer 32-jährigen Frau. Empfänger war angeblich Cetin E., ein 55-Jähriger aus Leuben, ihr mutmaßlicher Dealer.

Am Freitag hat der Prozess gegen Cetin E., der seit Januar in Untersuchungshaft sitzt, am Amtsgericht Dresden begonnen. Ihm wird gefährliche Körperverletzung und Handel mit Drogen vorgeworfen. Die Geschäfte mit der 32-Jährigen fehlen in der Anklageschrift, obwohl die Frau bei der Polizei ordentlich ausgepackt hatte.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Türken vor, im November 2020 einen Mann in der Jessener Straße mit einem Baseballschläger bewusstlos geschlagen zu haben. Gegen 3 Uhr habe der wenige Minuten später Geschädigte an der Wohnungstür des Angeklagten geklingelt und geklopft und ihn durch die Tür angeschrien, er solle seinem Kind keine Drogen mehr verkaufen.

Nachdem der wütende Vater gegangen war, sei ihm E. mit einem Baseballschläger bewaffnet hinterhergerannt. Mitten auf der Jessener habe er seinem arglosen Opfer mehrfach von hinten auf den Kopf geschlagen. Im Januar fanden Ermittler auf einem Schlafzimmerschrank des Angeklagten 24 Gramm Crystal und weiteres typisches Dealer-Zubehör – darunter Feinwaage, zahlreiche Tütchen, Schreckschusswaffen, zahlreiche Handys und dergleichen mehr.

„Ich bin abhängig“

Cetin E. bestreitet, etwas mit dem Angriff auf den Vater zu tun zu haben. Er habe im November längst nicht mehr dort gewohnt, sei schon Ende Oktober in die Hertzstraße umgezogen. Zur Tatzeit habe er krank im Bett gelegen, noch in der Nacht habe er einen Anruf von einem Angehörigen des Opfers erhalten und man habe sich am nächsten Tag bei ihm getroffen – er, der Anrufer namens „Mehmet“ und sein Kumpel „Muh“ alias Mohamed B.

„Muh“ habe ihm die Wohnung in der Hertzstraße besorgt, in die er schon Ende Oktober gezogen sei. „Muh“ habe in der Jessener Straße gewohnt. Der habe ihm gesagt, er sei an der Tür von einem Mann beleidigt worden und habe „ihm eine gegeben“. Mehr sei angeblich nicht gewesen, „Muh“ habe sich nicht anders zu helfen gewusst. Er sei es auch gewesen, der ihm das Crystal gebracht habe. E. habe es verkaufen und ihm 1.600 Euro zahlen sollen, so der Angeklagte: „Ich bin abhängig.“

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Eine 19-jährige Zeugin hatte den Angriff beobachtet, einen metallenen Baseballschläger gesehen, den Täter aber nicht erkannt. Die 32-jährige Crystal-Käuferin, sichtlich gezeichnet von der Partydroge, schwieg als Zeugin überraschend, um sich nicht noch mehr zu belasten. Dafür befragte das Gericht den Kripobeamten, der die 32-Jährige vernommen hatte. Danach habe die Frau regelmäßig bei E. Crystal gekauft, sowohl in der Jessener als auch in der Hertzstraße. Der Prozess wird fortgesetzt, da der Geschädigte im Urlaub war und das Gericht nun auch „Muh“ vernehmen will.

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