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Gefangener verkauft fiktive Gnadenerlasse im Knast

Ein dreister Betrüger hat Inhaftierten in Dresden die Hoffnung verkauft, er könne sie früher aus dem Gefängnis holen.

Vorbei an Justitia? Ein 55 jahre alter Inhaftierter hat versucht, Mitgefangenen Gnadenerlasse zu verkaufen. Nun steht er in Dresden vor Gericht.
Vorbei an Justitia? Ein 55 jahre alter Inhaftierter hat versucht, Mitgefangenen Gnadenerlasse zu verkaufen. Nun steht er in Dresden vor Gericht. © Symbolfoto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Klaus T. ist ein langjähriger Betrüger, der es vielleicht auch fertigbringen würde, Eisbären Kühlschränke zu verkaufen. Weil er es aber mit Mein und Dein nicht so genau nimmt, ist der 55-jährige Bayer schon seit Mitte der 80er-Jahre ein Dauergast in bayrischen Gefängnissen. Seit 2018 kennt er auch den sächsischen Justizvollzug in der Justizvollzugsanstalt Dresden. Es begann zunächst mit einem Gastspiel von einem Jahr und neun Monaten, später folgte eine weitere Freiheitsstrafe von drei Jahren. Angesichts dieser Dynamik fragt man sich, woher der Mann überhaupt die Zeit nimmt, neue Straftaten zu begehen.

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Wie unbegründet diese Sorge ist, wurde jetzt allerdings bei Klaus T.s jüngstem Prozess klar. Er muss die JVA gar nicht mehr verlassen, um wieder wegen Betruges verurteilt zu werden. Der 55-Jährige hat im vergangenen Jahr mehreren Mitgefangenen sogenannte Amnestieversprechen verkauft. Für 200 bis 250 Euro pro Fall gaukelte er ihnen vor, er könne ihnen über seine Kontakte einen Gnadenerlass verschaffen. Die Aussicht, eher aus dem Knast zu kommen, dürfte dem einen oder anderen den nüchternen Blick auf die Realität vernebelt haben. Wieso der wortgewandte Klaus T. nicht selbst die „Du kommst aus dem Gefängnis frei“-Karte zieht, hatte sich offenbar keiner der Geschädigten gefragt.

Immerhin haben die um ihre vorzeitige Freiheit Betrogenen ihren Mitgefangenen angezeigt und sich nicht auf andere denkbare Weise für dessen Dreistigkeit revanchiert. Am Freitag stand T. wegen „gewerbsmäßigen Betruges in drei Fällen“ vor dem Amtsgericht Dresden und hat dort alle Vorwürfe eingeräumt. Zurzeit sei er arbeitslos, sagte der gelernte Fleischer. In der Gefängnis-Küche habe er wegen dieser Sache nicht mehr arbeiten können.

Das Ziel: etwa ein Monatsverdienst

Das Amtsgericht verurteilte den Bayer zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, natürlich ohne Bewährung. Der Staatsanwalt hatte sogar zwei Jahre Haft gefordert, der Verteidiger auf „einen bis wenige Monate“ plädiert. 200 Euro sei für die Geschädigten viel Geld, sagte der Richter, es entspreche in etwa ihrem Monatsverdienst in der JVA.Klaus T. ist offenbar ein Gauner, der in jeder Hinsicht Maßstäbe setzt. Er hat mindestens 21 Vorstrafen. Nach Dresden kam er nach Verbüßung einer knapp vierjährigen Haft im August 2017.Nur fünf Tage nach der Entlassung hatte er sich in Annoncen in der Dresdner Tagespresse als Partnervermittler ausgegeben. Eine Single-Frau, die bei ihm eine Jahresgebühr von 75 Euro zahlte, sollte es bitter bereuen. Klaus T. fälschte ihre Unterschrift auf Überweisungsträgern und erleichterte die Frau um 520 Euro. Dafür und für weitere Betrügereien wanderte er schon im April 2018 wieder ein. Er bekam die eingangs erwähnte Strafe von einem Jahr und neun Monaten. In dem damaligen Prozess hatte er dem Richter gesagt, er habe in Dresden ein neues Leben anfangen wollen.

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