merken
PLUS Dresden

Wie Dresdens Handel durch den Lockdown gekommen ist

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ließ sich durch die Centrum-Galerie führen und sprach mit Händlern. Nicht nur wegen drohender Insolvenzen ging es eisig zu.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Dresdner SPD-Bundestagskandidatin Rasha Nasr nach Berlin holen. Auch das war Anliegen seines Besuches am Sonnabend in Dresden.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Dresdner SPD-Bundestagskandidatin Rasha Nasr nach Berlin holen. Auch das war Anliegen seines Besuches am Sonnabend in Dresden. © René Meinig

Dresden. Kleine Erfrischung gefällig? Hubertus Heil lässt den dicken Trinkhalm im Eistee kreisen und wendet sich der Verkäuferin des hippen Getränkes zu, für das die Kunden in der Centrum-Galerie in langer Schlange geduldig anstehen. Monatelang hatte der Verkaufsstand geschlossen so wie alle anderen Geschäfte der Einkaufsmall. Jetzt will der Bundesarbeitsminister wissen, wie die Mitarbeiter durch den Lockdown gekommen sind. Kurzarbeit. Kurzarbeit. Kurzarbeit.

Ebenso im nächsten Bekleidungsgeschäft. Auch dort erzählt die Filialleiterin, wie die anfängliche Freude über die freie Zeit rasch in Sorge überging und das Gefühl, nichts Sinnvolles tun zu können, an den Nerven nagte. Immerhin aber gab es einen Teil des Gehaltes zur Überbrückung.

Anzeige
Berufsakademie Sachsen wird 30
Berufsakademie Sachsen wird 30

Die Staatliche Studienakademie Bautzen ist eine von sieben Einrichtungen der Berufsakademie. In Bautzen wird noch 70 Jahre Ingenieurstudium gefeiert.

Rasha Nasr und Hubertus Heil im Gespräch mit Nicole Viola (r.), Filialleiterin bei Jack&Jones in der Centrum-Galerie. Die SPD-Bundestagskandidatin und der Arbeitsminister wollen wissen, wie die Mitarbeiter durch den Lockdown gekommen sind.
Rasha Nasr und Hubertus Heil im Gespräch mit Nicole Viola (r.), Filialleiterin bei Jack&Jones in der Centrum-Galerie. Die SPD-Bundestagskandidatin und der Arbeitsminister wollen wissen, wie die Mitarbeiter durch den Lockdown gekommen sind. © René Meinig

Auf Einladung der Bundestagskandidatin Rasha Nasr hin, die für die SPD im Dresdner Südwahlkreis 159 antritt, ist Hubertus Heil am Sonnabend nach Dresden gekommen. Am späten Nachmittag begleiteten ihn außerdem der Vorsitzende der SPD Dresden, Albrecht Pallas, sowie Stephan Schumann, Bundestagskandidat im Wahlkreis 160, durch das Einkaufszentrum in der Innenstadt. Ziel: Sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation der Unternehmen und ihrer Angestellten zu verschaffen. Grund: "Der Sächsische Handelsverband hat prognostiziert, dass sechs von zehn Geschäften auf der Prager Straße von Insolvenz bedroht sein werden", sagt Rasha Nasr.

Die Centrum-Galerie ist dafür nicht das beste Beispiel. Laut Center-Manager Jürgen Wolf stehen von den rund 65 Ladeneinheiten aktuell fünf oder sechs leer. "Aber in den B-Lagen sieht es deutlich schlechter aus", sagt er. Leerstand in den zweiten und dritten Reihen der Innenstädte schlägt sich früher oder später auch auf die besten Standorte nieder und schmälert deren Attraktivität und Wert.

Etwa 300.000 bis 400.000 Arbeitslose gebe es seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 bundesweit mehr, sagt Hubertus Heil. "Aber wir haben mit den Coronahilfen ungleich mehr Arbeitsplätze erhalten können." Im Arbeitsmarkt selbst sieht der Minister nicht das vordergründige Problem. Wie sich perspektivisch der durch die Pandemie angeschobene strukturelle Wandel im Handel auswirken wird, das sei das eigentliche Thema. Kunden haben sich mehr denn je daran gewöhnt, online einzukaufen. Was können Geschäfte künftig tun, um dieser Tendenz zu begegnen und was bedeutet das für die Innenstädte?

Schon jetzt stehen zahlreiche Läden entlang der Prager Straße, der Wilsdruffer Straße und auf der Seestraße leer. Auch in der Altmarkt-Galerie haben es etliche Geschäfte nicht geschafft über die Krise zu kommen. Während im Juni die Kunden nur zögerlich ins Stadtzentrum zurückkehrten, war die Hauptschlagader zwischen Altmarkt und Hauptbahn am Sonnabendnachmittag jedoch recht voll. Auch die Centrum-Galerie erlebte reges Begängnis. Da blieb nicht unbemerkt, dass Politprominenz aus Berlin dort mit Entourage unterwegs war, und Passanten zückten ihre Handys.

Weiterführende Artikel

Neuer Lieferdienst aus Dresdens Neustadt

Neuer Lieferdienst aus Dresdens Neustadt

Damit Dresdens Handel wieder in Schwung kommt, gibt es einen neuen Lieferservice mit Waren aus der Dresdner Neustadt für ganz Dresden. Wie das funktioniert.

Werden die Einkaufsausflüge jetzt nachgeholt?

Werden die Einkaufsausflüge jetzt nachgeholt?

Bekleidungs- und Schuhgeschäfte in Weißwassser und im Kreis profitieren von der Lockerung. Aber es bleibt ein sorgenvoller Blick.

Läden dicht: Handelsfläche in Dresden schrumpft

Läden dicht: Handelsfläche in Dresden schrumpft

Flächenmäßig gehen die Shopping-Angebote in Dresden zurück. Der Trend habe schon vor Corona eingesetzt. Welche Läden und Stadtteile betroffen sind.

Läden leer: Wie geht es am Dresdner Airport weiter?

Läden leer: Wie geht es am Dresdner Airport weiter?

Der Flugverkehr nimmt wieder Fahrt auf, für einige Ladeninhaber aber zu spät. Sie haben ihr Geschäft am Dresdner Flughafen geschlossen. Der Airport plant Alternativen.

Nach einer halben Stunde war der Rundgang vorbei und die Delegation plauderte noch einige Minuten vor dem Haupteingang der Mall. "Ich bin auch deshalb nach Dresden gekommen, weil ich Rasha im Bundestag haben will", sagt der Bundesarbeitsminister. Jüngere Menschen und mehr Frauen in politischen Gremien sei Anliegen der SPD. Wahlkampf eben. "Warum wird das Fernsehen teurer?", brüllt unvermittelt ein Vorbeigehender. "Damit das Fernsehen gut bleibt", ruft Hubertus Heil zurück. Die Runde verabschiedet sich. Das Leben geht weiter.

Mehr zum Thema Dresden