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In der S-Bahn dem Freund ins Gesicht getreten

Ein 41-Jähriger steht vor Gericht. In einem Zug in Dresden ist er auf seinen Kumpel losgegangen - mit ordentlich Alkohol im Blut.

Nach der Zugfahrt im malerischen Elbtal ist ein 41-Jähriger in der S-Bahn nach Meißen auf seinen langjährigen Freund losgegangen. Jetzt ist er am Amtsgericht Dresden verurteilt worden.
Nach der Zugfahrt im malerischen Elbtal ist ein 41-Jähriger in der S-Bahn nach Meißen auf seinen langjährigen Freund losgegangen. Jetzt ist er am Amtsgericht Dresden verurteilt worden. © Archiv/Sven Ellger

Dresden. Morgens ein Prozess am Amtsgericht Dresden, nachmittags dann ein weiterer am Amtsgericht Meißen. Das Leben als Angeklagter, in diesem Fall des 41-jährigen Radeburgers Thomas Z., kann stressig sein. Stets dabei: Verteidigerin Ines Kilian, die sich nach Kräften dafür einsetzt, dass ihr Mandant nicht zu schlecht wegkommt.

Die Arbeit der Verteidigerin hat sich gelohnt. Von den drei angeklagten Gewalttaten stellte die Strafrichterin gleich zwei ein. Im Juni 2019 soll der 41-Jährige seine Verlobte in der gemeinsamen Wohnung geschlagen haben. Auch wenn die Frau, noch immer seine Verlobte, gar nicht erschienen war, hätte sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

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Filmriss?

Die zweite Einstellung lag etwas kniffliger. Z. habe sich gegen die Festnahme durch zwei Beamte der Bundespolizei gewehrt, weswegen ihm Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen worden war. Als die Beamten ihn in einer S-Bahn stellten, habe er sich angeblich die Jacke vom Leib gerissen und sei ihnen mit nacktem Oberkörper in Kampfstellung gegenübergetreten.

Natürlich brachten die Uniformierten den Angeklagten wenig später zu Boden, und waren dabei wohl auch nicht zimperlich. Doch auf dem Video aus dem Zug war nichts von dem aggressiven Gehabe des Angeklagten zu sehen. Der Nachweis von Widerstandshandlungen wäre schwierig geworden.

Doch wegen dieser S-Bahn-Fahrt wurde Z. dann doch verurteilt. Vor seiner Festnahme am Haltepunkt Pieschen hatte er seinen Kumpel, mit dem er in Tschechien Alkohol einholen war, geschlagen und getreten. Diese Tat am 6. Februar 2019 zwischen dem Hauptbahnhof Dresden und dem Haltepunkt Pieschen war von der Überwachungskamera vergleichsweise gut dokumentiert worden.

Der Angeklagte, eine arbeitslose Reinigungskraft, erklärte, er sei erheblich betrunken gewesen, habe einen Filmriss gehabt, er könne sich nicht erinnern. Der Kontakt zu seinem alten Freund David G. sei seit dem praktisch abgerissen.

Über Alkoholvorräte hergemacht

Der Geschädigte G. bestätigte die Auseinandersetzung, doch auch der 40-Jährige konnte nicht mehr sagen, warum der Angeklagte ihn mehrfach vom Sitz gezerrt, gegen die Fensterscheibe gedrückt und direkt ins Gesicht getreten hatte. Sie seien mit den Rädern in Tschechien gewesen, hätten dann in der Kneipe einen Zug in Schmilka verpasst und dann abends den nächsten genommen – doch der sei unterwegs für eine knappe Stunde stehen- vielleicht sogar liegengeblieben.

In der Zwangspause hätten sich die bereits angetrunkenen Männer über ihre frisch erworbenen Schnapsvorräte, Whisky und Wodka, hergemacht, so der Zeuge. Z. hatte nach seiner Festnahme 2,5 Promille Alkohol intus. Ein Wert, der bei einem geübten Trinker wohl noch nicht zu filmrissartigen Gedächtnislücken führen dürfte.

Die Richterin verurteilte den Angeklagten nun zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, in die eine frühere Bewährungsstrafe einbezogen wurde. Verteidigerin Kilian hatte noch etwas weniger gefordert und betont, dass ihr Mandant im letzten Jahr eine Alkoholentzugstherapie erfolgreich hinter sich gebracht habe.

Nach dem Urteil ging's dann schnell nach Meißen zur nächsten Hauptverhandlung. Der Prozess – Z. soll im November 2019 einem Sanitäter auf dem Weg zur Klinik die Hand gebrochen haben – wurde jedoch nach wenigen Minuten ausgesetzt. Ein Gutachten fehlte. Der Angeklagte wird dort wohl noch einmal antanzen müssen.

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