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Dresden hat ein Cannabis-Problem

Erstmals seit Jahren müssen sich in der Stadt mehr Menschen wegen einer Cannabissucht beraten lassen als aufgrund einer Crystal-Abhängigkeit.

2019 bezogen sich 45 Prozent aller Beratungen auf Cannabis.
2019 bezogen sich 45 Prozent aller Beratungen auf Cannabis. © dpa/Daniel Karmann

Dresden. Jahrelang war Crystal die illegale Problemdroge Nummer eins in Dresden. Laut dem aktuellen Suchtbericht verdrängte im Jahr 2019 Cannabis erstmals Crystal von Rang 1 der häufigsten illegalen Substanzen in Dresdner Suchtberatungs- und Behandlungsstellen.

Bei den Zahlen, die die Beratungsstellen melden, wird klar: der Bedarf beim Gespräch und der Behandlung von Cannabis-Konsum stieg in den letzten Jahren merklich an. 2019 bezogen sich 45 Prozent aller Beratungen auf Cannabis. 2013 waren es noch 24,5 Prozent. Bei Crystal ist es genau anders herum. Innerhalb der illegalen Substanzen ist der Anteil der Beratungsanliegen in Folge des Konsums von Crystal weiter zurückgegangen und liegt nun für 2019 bei 37,6 Prozent, 2015 waren es noch 55,6 Prozent.

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In den Dresdner Suchberatungs- und Behandlungsstellen gab es im Jahr 2019 insgesamt 3.533 Beratungsfälle. 86 Prozent ließen sich wegen eigener Suchtprobleme beraten, 14 Prozent weil ihre Angehörigen oder Freunde betroffen waren. Bei den legalen Drogen ist Alkohol das größte Problem in der Stadt. 50 Prozent der Beratungsfälle bezogen sich laut Suchtbericht auf Alkohol.

Wie viele Straftaten gab es im Zusammenhang mit Drogenkonsum?

Im Jahr 2019 gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2.171 Rauschgiftdelikte, etwas weniger als 2018 mit 2.455 Fällen. So steht es im Suchtbericht. Der Anteil der Rauschgiftdelikte an der Gesamtkriminalität im Stadtgebiet Dresden sank im Vergleich zum Vorjahr von fünf Prozent auf 4,7 Prozent. Doch auch hier fällt auf: Die Probleme mit Cannabis werden größer. Die Verstöße im Zusammenhang mit der Drogen sind seit 2015 auf über 1.000 Delikte gestiegen, erreichten 2017 mit 1.659 Fällen einen vorläufigen Höchstwert und lagen auch 2019 bei 1.388 Fällen. Cannabisverstöße machen damit im Jahr 2019 rund 64 Prozent aller Rauschgiftdelikte aus. Verstöße im Zusammenhang mit Amphetamin und Methamphetamin reduzierten sich 2019 auf 572 Fälle und sind damit verantwortlich für rund 26 Prozent der Rauschgiftdelikte. Die Anzahl von nichtdeutschen Tatverdächtigen sank von 580 auf 510 und auch ihr prozentualer Anteil an der Gesamtzahl sank von 28,7 Prozent in 2018 auf 27,5 Prozent in 2019 weiter ab. 2017 lag der Anteil noch bei 32 Prozent. In Dresden wurden im Jahr 2019 vier Drogentote registriert.

Warum geraten Menschen überhaupt in die Abhängigkeit?

Cannabis ist oft eine "Einsteigerdroge", die Neugierde lockt. Doch schnell können die Konsumenten in die Abhängigkeit geraten. "In die Abhängigkeit gerät man dann, wenn man trotz veränderter äußerer Bedingungen wie Beginn der Lehre, Gründung einer Familie oder ein neuer Job den Konsum nicht mehr alleine verändern kann", bemerken die Mitarbeiter der Drogenberatungsstellen des Roten Kreuzes. Oder aber wenn man vorher schon keine anderen Möglichkeiten mehr findet, sich etwa zu entspannen, Spaß zu haben und Ängste zu überwinden. "Problematisch beim Cannabiskonsum ist aus Sicht der Beratungsstelle vor allem das Risiko, Psychosen auszulösen. Das haben die Konsumenten trotz guter Information meist nicht „auf dem Schirm“", so DRK-Sprecherin Franziska Weiß. Durchschnittlich für Sachsen sind 80 Prozent der Hilfesuchenden mit einer Cannabisproblematik männlich, 20 Prozent weiblich, so das DRK. Das Durchschnittsalter liegt bei 24,2 Jahren. Zum Vergleich: bei Alkohol liegt das Durchschnittsalter bei 44,9 Jahren und bei Crystal bei 30,1 Jahren.

Wie sieht eine Therapie und Hilfsangebote für die Menschen aus?

Das Behandlungsangebot ist analog zu anderen Süchten. Es gibt Beratungsangebote, ambulante Entwöhnungsbehandlungen und auch stationäre Therapien in der Klinik. Zudem gibt es Online-Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen. Laut Fach-und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen gibt es mit "Cannabis - quo vadis?“ zum Beispiel auch einen zweistün­digen, inter­ak­tiven Präven­ti­ons­par­cours, der Schüler der Klassen 8 bis 10 und Jugend­gruppen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren anhand von sechs Themen­sta­tionen fachlich fundierte und realis­tische Infor­ma­tionen zum Thema Cannabis vermittelt. Beste­hende Mythen wie „Kiffen ist gesünder als Rauchen“ und andere Fehlin­for­ma­tionen sollen damit korri­giert werden.

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