merken
PLUS Dresden

"Kaufpark Nickern" direkt in Dresdens City?

Die Gesellschaft Historischer Neumarkt setzt sich für eine revitalisierte Innenstadt ein. Deshalb soll der Investor seine Pläne für den Kaufpark in der City umsetzen.

Die nördliche Prager Straße ist der Bereich mit den meisten Passanten, doch in Coronazeiten ist es auch hier zeitweise sehr leer.
Die nördliche Prager Straße ist der Bereich mit den meisten Passanten, doch in Coronazeiten ist es auch hier zeitweise sehr leer. © Sven Ellger

Dresden. Der geplante Neubau des Kaufparkes Nickern schlägt große Wellen in der Stadt. Investor Kurt Krieger möchte dort die Verkaufsfläche von jetzt rund 20.000 auf rund 30.000 Quadratmeter erhöhen, außerdem sollen mehr innenstadtrelevante Sortimente wie Bekleidung, Sport- und Elektronikartikel angeboten werden.

Davor hatten neben dem Citymanagement auch Händler wie Globetrotter oder Galeria Karstadt in Briefen an den Oberbürgermeister und die Stadträte gewarnt. Sie sehen den Innenstadthandel gefährdet. Doch es gibt auch Stimmen wie die vom Dresdner IHK-Geschäftsführer Handel Thomas Ott oder Stadträten von CDU, FDP und Freien Wählern, welche die Neubaupläne sehr positiv einschätzen.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Nun schaltet sich auch die Gesellschaft Historischer Neumarkt in die Diskussion ein, die sich ebenfalls in einem Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und die Stadträte wendet. Sie setze sich seit über 20 Jahren für eine Revitalisierung der Innenstadt ein und stehe an der Seite der Innenstadthändler. Diese stünden nicht erst durch das Angebot von Kurt Krieger unter Druck, sondern durch den stark gestiegenen Onlinehandel von Amazon & Co., wodurch der Stadt Dresden Steuereinnahmen im Millionenbereich verloren gingen.

Investor soll in Innenstadt bauen

Die GHND fordert die Stadt auf, im Sinne des Innenstadthandels faire Verkaufsbedingungen zu schaffen. Im Klartext solle mit den Innenstadt-Grundstückseigentümern gesprochen werden, um niedrigere Ladenmieten in der Innenstadt zu erreichen. Die Inhaber von Kaufpark Nickern und Elbepark sollen stärker an fortlaufend notwendigen Infrastrukturkosten beteiligt werden.

"Eine Ausweitung von Innenstadtsortimenten am Standort Nickern muss vermieden werden", heißt es im Schreiben weiter. Dazu soll es in Zusammenarbeit von Stadt, Verkehrsbetrieben und Innenstadthandel wie schon bei Theaterbesuchen möglich, mit einem Einkauf verbundene kostenfreie ÖPNV-Tickets an den Wochenenden geben.

Noch besser sei es, in Nickern nur noch einen Supermarkt zuzulassen oder Investor Krieger dazu zu bewegen, seine in Dresden willkommene Investition innerhalb des 26er-Ringes in der Innenstadt anzusiedeln, schreibt GHND-Vorstandsvorsitzender Torsten Kulke.

An diesem Mittwoch wird es im Bauausschuss eine erste Richtungsfindung zum Kaufpark geben. "Es liegt ein gutes Angebot eines Investors zur Aufwertung des Kaufparks Nickern vor. Ich finde es absolut vernünftig, dies anzunehmen, und das sollte der Stadtrat auch tun", schätzt CDU-Kreisvorsitzender Markus Reichel ein.

Er warnt davor, den Kaufpark gegen die Innenstadt auszuspielen, sieht aber auch Handlungsbedarf, die Händler und Gastronomen nach dem Lockdown zu stärken. Dazu sollen der Oberbürgermeister und der Baubürgermeister ein Konzept entwickeln.

CDU-Landtagsabgeordneter und Stadtrat Ingo Flemming, der auch Kreisvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Dresden ist, gibt zu bedenken, dass beim Projekt Kaufpark darauf geachtet werden muss, dass das Sortiment sich nicht wesentlich zu innenstadtrelevanten Produkten verschiebt.

Kleiner Elbepark befürchtet

Weiterführende Artikel

Dresden: Investor Krieger holt sich den Kaufpark

Dresden: Investor Krieger holt sich den Kaufpark

Der milliardenschwere Unternehmer hat die Entscheidung rausgeschoben, auch wegen einer Diskussion zur Lage des Innenstadthandels. Nun will er handeln.

Kaufpark Nickern: Stadträte riskieren Rückzug

Kaufpark Nickern: Stadträte riskieren Rückzug

Würde der Krieger-Bau der Dresdner City schaden? Linke und Grüne wollen ein Gutachten dazu. Doch jetzt kam heraus: Es gibt bereits ein ähnliches Dokument.

Dresden: Zähes Ringen um Kaufpark Nickern

Dresden: Zähes Ringen um Kaufpark Nickern

Der Bauausschuss will wissen, welche Folgen ein größeres Shoppingcenter für die City hat. Investor Krieger will schnell bauen. Doch noch hat er nicht abgesagt.

Ladensterben in Dresden: Die Spielaxie ist insolvent

Ladensterben in Dresden: Die Spielaxie ist insolvent

18 Jahre lang war das Spielwarengeschäft in Dresden nicht nur beliebtes Shoppingziel, sondern auch Treffpunkt für Kids. Jetzt muss der Inhaber aufgeben.

Darauf legen auch die Grünen größten Wert, um die Innenstadt nicht zu schädigen. "Wir müssen sehr genau schauen, welche Auswirkungen Corona auf den Einzelhandel in der gesamten Stadt hat", sagt Stadtrat und Landtagsabgeordneter Thomas Löser. Auch in seiner Fraktion habe niemand etwas dagegen, dass der Kaufpark Nickern aufgewertet wird. Doch Kurt Krieger plane dort mit einer Gesamtfläche von 40.000 Quadratmetern inklusive Gastronomie und Unterhaltungsangebot einen kleinen Elbepark. "Dann ist die Innenstadt von Kaufpark und Elbepark umklammert. Das will ich nicht", sagt Löser. Es müsse deshalb zwingend ein Gutachten geben, wie sich die Kaufpark-Erweiterung auf die Innenstadt und Stadtteilzentren auswirkt.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden