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Schmierereien kosten Dresden Zehntausende Euro pro Jahr

Vor allem an Brücken und Hauswänden toben sich sogenannte "Künstler" aus. Wie oft gelingt es, sie ausfindig zu machen und zur Kasse zu bitten?

Von Kay Haufe
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Noch nicht mal wieder eröffnet, schon wieder mit Graffiti beschmiert: die Bögen der Dresdner Augustusbrücke.
Noch nicht mal wieder eröffnet, schon wieder mit Graffiti beschmiert: die Bögen der Dresdner Augustusbrücke. © Christian Juppe

Dresden. Die Augustusbrücke ist noch nicht einmal wiedereröffnet nach der Sanierung, da sind die ersten Schmierereien schon wieder an die gerade gereinigten Sandsteine gesprüht oder gepinselt. Eigentlich ein No-Go im Sprayercodex, denn Sandsteine sollten tabu sein. Doch offenbar kennt den in Dresden keiner oder seine Inhalte sind überholt. Zu viele der sogenannten Tags - das sind die Signaturkürzel der Graffiti-Sprüher - sind auf Sandsteinmauern von Brücken und Stützwänden zu finden.

Nicht nur die Arbeiter, die inzwischen schon fünf Jahre an der Brücke gebaut haben, sind über solche Schmierereien verärgert. Auch viele Passanten auf dem Elberadweg oder auf der Augustusbrücke regen sich darüber auf. "Wenn wenigstens einmal ein sehenswertes Motiv aufgebracht würde! Stattdessen sind es nur hirnlose Kritzeleien", sagt Manfred Egert, der gerade einen Spaziergang an der Elbe unternimmt.

Was auch immer damit gemeint ist, Achtung vor der Arbeit der Handwerker sieht anders aus.
Was auch immer damit gemeint ist, Achtung vor der Arbeit der Handwerker sieht anders aus. © Christian Juppe

Dabei stellen die Schmierereien nicht nur ein optisches Problem dar, sie sind auch Straftaten und verursachen zudem enorme Kosten. Allein an städtischen Brücken und Mauern wurden dieses Jahr 58 Fälle von der Polizei oder den Fachabteilungen des Straßen- und Tiefbauamtes (STA) gemeldet. Die Gesamtschadenshöhe beträgt 57.423,75 Euro.

In fünf Fällen konnten die Verursacher ermittelt werden, die 1.030 Euro aus der eigenen Tasche zahlen müssen. Doch bei 53 Schmierereien und einer Schadenshöhe von 56.393,75 Euro wurde kein Täter gefunden.

Wöchentliche Kontrollen

Um Graffiti oder Schmierereien schnell zu entdecken, sind Mitarbeiter des STA wöchentlich an Großbrücken und Tunneln zur Kontrolle unterwegs. Verfassungsfeindliche Schmierereien oder solche, die die Funktionstüchtigkeit des Bauwerkes beeinträchtigen, werden unverzüglich beseitigt. Alle anderen nur im Rahmen des Möglichen, denn das Tiefbauamt sieht sich außerstande, dies zeitnah bei allen Beschädigungen umzusetzen.

Gründe dafür sind hohe Kosten und der Umstand, dass die Schmierereien oftmals sofort erneuert werden, sagt Stadtsprecherin Anke Hoffmann.

Seit Jahren registriert die Behörde über 100 Fälle von Schmierereien an Brücken, Stütz- und Lärmschutzwänden sowie auf Plätzen und Straßen pro Jahr. Doch in ganz Dresden sind es weit mehr, denn auch Hauswände werden gern besprüht. Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: Die Polizei registrierte 2016 noch 1.450 Fälle, im Jahr 2018 sanken sie auf 1.100.

Im vergangenen Jahr gab es auf Initiative der CDU im Stadtrat den Beschluss, dass eine schnelle Eingreiftruppe gegen Schmierereien eingesetzt wird. Die dürfte inzwischen aufgrund der Corona-Lage andere Aufgabengebiete erhalten haben.

Nichts geändert hat sich jedoch an der Tatsache, dass der vielleicht beste Weg gegen wilde Schmierereien große Wände sein könnten, die Graffiti-Sprayer und andere nutzen und gestalten dürfen. Das hat sich an Drewag-Häuschen oder am Haltepunkt Bischofsplatz bestens und zur Freude vieler Dresdner gezeigt. Seit vielen Jahren gibt es die Aufforderung an die Stadt und ansässige Unternehmen, dies zu berücksichtigen. Wirklich viele legale Areale haben sich für Dresdens Spayer damit aber nicht aufgetan.