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Schneller Aufstieg eines Drogendealers

Ein 24-Jähriger aus Pirna hat im großen Stil mit Marihuana gehandelt. Das Urteil des Landgerichts Dresden blieb jedoch weit unter dem geforderten Strafmaß.

Ayham I. (2. v. l., neben seiner Verteidigerin Katja Reichel) muss für einige Jahre hinter Gitter. Er soll Pirna mit Marihuana versorgt haben.
Ayham I. (2. v. l., neben seiner Verteidigerin Katja Reichel) muss für einige Jahre hinter Gitter. Er soll Pirna mit Marihuana versorgt haben. © Foto: Alexander Schneider

Dresden/Pirna. Handel mit Betäubungsmitteln in mehr als einem Dutzend Fällen, gefährliche Körperverletzung, schwere räuberische Erpressung, Führen einer verbotenen Waffe – die Liste der Straftaten, für die nun ein 24-jähriger Mann aus Pirna am Landgericht Dresden verurteilt wurde, ist lang.

Der Syrer wurde im Oktober 2019 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Damals hatte die Polizei mit Spezialkräften das Auto nachts in Heidenau kontrolliert und Ayham I. mit einem halben Kilo Marihuana erwischt, das er soeben aus Leipzig geholt hatte. Da er ein Springmesser in der Tasche hatte, ging es bei dem Mann allein dafür um viele Jahre Haft.

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Doch diese Fahrt war nur der Gipfel einer rasanten Entwicklung des Mannes, der etwa ein halbes Jahr mit Marihuana gehandelt hatte und längst auf dem Radar der Ermittler war. Die Beamten hörten mit, wenn er wieder bestellte. Die Chronologie der Taten zeigt, wie Mengen, Frequenz und Gewaltbereitschaft zunahmen. Zuletzt habe der Angeklagte zwei Kilogramm bestellt.

Offenbar hatte er den Stoff vor allem in Dresden-Prohlis eingekauft und in Pirna an seine Abnehmer abgegeben. Darüber hinaus habe er mit weiteren Komplizen auch offene Forderungen von säumigen Abnehmern eingetrieben. Einer sei in Pirna vermöbelt worden, einem anderen habe man in Dippoldiswalde einen Besuch abgestattet.

Student in Syrien

Der Angeklagte studierte in Syrien Architektur im ersten Semester. Bei einer Demo in Damaskus wurde er angeschossen, er sei dann noch 2015 nach Deutschland geflüchtet. Er soll immer versucht haben, seine Eltern, die in Syrien lebten, zu unterstützen, berichtete eine Zeugin. Sie hatte den Mann 2017 lange vor den Taten als ehrenamtlichen Helfer beim Roten Kreuz kennengelernt.

Der Vorsitzende Richter Joachim Kubista sagte in der Urteilsbegründung, dass der Syrer nun als Straftäter mit seiner Abschiebung rechnen müsse, zurück in den Bürgerkrieg. Der Richter begründete in jedem einzelnen der 26 Anklagepunkte, wie die Kammer zu ihrer Entscheidung kam. Eine große Bedeutung kam der Telefonüberwachung zu.

Der Vorsitzende bedauerte jedoch auch, dass der 24-Jährige erst am Ende der mehrmonatigen Beweisaufnahme ein Teilgeständnis abgelegt habe. Vor der Beweisaufnahme hätte die Kammer das in erheblich höherem Maß strafmildernd berücksichtigt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Weiche Droge, hartes Vorgehen

Der Staatsanwalt hatte überraschend zehn Jahre Haft gefordert, womit er Verteidigerin Katja Reichel "den Atem geraubt" habe, wie sie sagte. Sie plädierte auf maximal drei Jahre.

Richter Kubista sagte, zehn Jahre seien deutlich zu viel, da es sich bei I. um einen nicht vorbestraften Ersttäter handle, der darüber hinaus nicht mit harten Drogen wie etwa Crystal gedealt habe. Allerdings habe der Angeklagte seine Ziele konsequent durchgesetzt und es gebe eine Vielzahl Geschädigter.

Keine Rolle spielte in dem Prozess ein mutmaßlicher Angriff auf das Rote Kreuz nach dem Auftakt der Hauptverhandlung. Eine Zeugin hatte den Angeklagten als netten jungen Mann beschrieben, der 2017 in dem Verein gedolmetscht habe. Allein das sorgte schnell für fremdenfeindliche Kommentare in den sozialen Netzwerken. Darüber hinaus wurden Reifen von Fahrzeugen des Roten Kreuzes in Pirna plattgestochen.

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