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ADFC: Dresdens Parkhäuser selten belegt

Die Radfahrerlobby widerspricht der Einschätzung, es gebe Parkplatznot in Dresden. Dafür hat der Verein Daten der Stadt ausgewertet.

Parken in Dresden wird deutlich teurer. Doch die meisten Parkhäuser und Plätze in der Innenstadt sind gar nicht ausgelastet, hat der ADFC herausgefunden.
Parken in Dresden wird deutlich teurer. Doch die meisten Parkhäuser und Plätze in der Innenstadt sind gar nicht ausgelastet, hat der ADFC herausgefunden. ©  Rene Meinig

Dresden. Der Dresdner Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sieht sich in der Annahme bestätigt, dass wegfallende Parkplätze durch Radwege wenig problematisch sind. Über die Website der Stadt haben Mitglieder des Vereins ein Jahr lang die Auslastung von Parkhäusern in der Innenstadt gemessen.

In 99,5 Prozent der Zeit sind mehr als 100 Parkplätze frei

Zu den Parkhäusern, die bei der Auswertung eine Rolle spielen, zählen nach eigenen Angaben das Parkhaus der Centrum-Galerie, die Karstadt-Tiefgarage, die Tiefgarage unter dem Wiener Platz, die Tiefgarage Wöhrl-Florentinum sowie der verbliebene Parkplatz auf dem Ferdinandplatz. Insgesamt seien das momentan 2.128 Parkplätze.

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Das Ergebnis: "Die Zahlen zeigen klar, dass lediglich während eines Zeitraumes von 4,7 Stunden bezogen auf volle 365 Tage die vier Parkhäuser und der Großparkplatz voll belegt waren", so ADFC-Dresden Vorstand Nils Larsen. Auch habe es während der gesamten Messung nur in 40 Stunden weniger als 100 freie Parkplätze gegeben. 

Die geringe Auslastung habe nichts mit dem Corona-Effekt zu tun, ist man sich sicher. Die Begründung: "Die höchste Auslastung ist im Dezember und somit bisher nicht von Coronaschutzmaßnahmen betroffen", so Larsen. 

Auslastung vor allem durch Striezelmarkt

Außerdem verweist der ADFC auf eine ähnliche Auswertung, die man schon vor zwei Jahren durchgeführt habe. "2018 gab es an rund 94 Prozent der Zeit mehr als 500 freie Parkplätze und 2019/2020 war dies an knapp 96 Prozent der Tage der Fall", sagt Larsen.

Lediglich an den drei Adventssamstagen seien die Parkhäuser in der Dresdner Innenstadt gut gefüllt. Im Februar 2019 hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in einer Antwort auf eine Stadtratsanfrage ebenfalls konkrete Zahlen genannt. 

Demzufolge waren damals private Stellplätze, die im Leitsystem der Stadt erfasst sind, regulär zwischen 50 und 80 Prozent ausgelastet. Auch Hilbert gab zu, dass diese nur zu Spitzenzeiten, wie etwa während des Striezelmarkts voll ausgelastet seien. Bei städtischen Parkplätzen waren es temporär zwischen 80 und 100 Prozent. 

Bewohnerparkplätze: Verschärfung prognostiziert

Das städtische Parken im Dresdner Zentrum soll ab 2021 deutlich steigen, nämlich auf  das Doppelte der aktuellen Gebühren. In der Zone I kostet das Parken dann ausnahmslos einen Euro pro 20 Minuten statt bisher 50 Cent, also theoretisch 72 Euro pro Tag.  Doch: "Die jetzt geltenden gebührenpflichtigen Zeiten sollen nicht geändert werden", sagt eine Referentin des städtischen Geschäftsbereichs Verkehr. 

Deshalb könnten in Zukunft doch mehr Dresdner auf die Parkhäuser in der Innenstadt ausweichen, die zumindest meist vergünstigte Tagestickets anbieten. Doch es gibt noch ein weiteres Problem. 

Bereits jetzt gehen in Dresden immer wieder Anwohner und Ladeninhaber auf die Barrikaden, weil Parkplätze zugunsten von Radfahrstreifen wegfallen. So läuft momentan zum Beispiel eine Petition gegen den bereits fertigen Schutzstreifen am Terrassenufer vom Sachsenplatz bis zur Einmündung Rietschelstraße.

Doch das sieht Edwin Seifert, Geschäftsführer beim ADFC Dresden, anders. „Jüngstes Beispiel: Das meist leere neue Parkhaus gegenüber dem Klinikum an der Pfotenhauerstraße und die Parkreihen dort. Eine Wegnahme der Stellflächen würde nicht wehtun, aber den Radverkehr wesentlich sicherer machen auf dieser Hauptroute des Radverkehrskonzeptes von Blasewitz über die Goetheallee in die Innenstadt", sagt Seifert. 

Allerdings bleibt die Frage, inwiefern öffentliche, teils kostenlose Parkplätze mit verhältnismäßig teuren Parkhäusern verglichen werden können. "Erhöhte Parkraumnachfrage durch Neubebauung und Wegfall von Stellplätzen im öffentlichen Verkehrsraum verschärfen die Situation in den Bewohnerparkbereichen", schätzte Hilbert im Februar 2019 ein. 

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Von 1999 bis zu diesem Zeitpunkt sind nach Angaben der Stadt ca. 2.200 Stellplätze im öffentlichen Raum weggefallen. Dem stehen etwa 3.500 neu gebaute, öffentlich nutzbare, private Stellplätze in Tiefgaragen und Parkhäusern gegenüber. (SZ/dkr)

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