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Wollpellets von Dresdner Schafen als Gartendünger

Die 60 Heidschnucken der Grünen Liga kümmern sich nicht nur um die Wiesenpflege, sondern liefern zum Start der Gartensaison die perfekte Bodenzutat.

Andreas Wegener von der Grünen Liga mit seinen Heidschnucken, aus deren Wolle Pellets zum Düngen gewonnen werden.
Andreas Wegener von der Grünen Liga mit seinen Heidschnucken, aus deren Wolle Pellets zum Düngen gewonnen werden. © Marion Doering

Dresden. Sie sind nicht nur hübsch anzuschauen, sondern auch äußerst robust und genügsam. Seit sechs Jahren sind die Grauen Gehörnten Heidschnucken der Grünen Liga Dresden vor allem auf dem Trutzsch zu finden, dem rund 200 Meter hohen Berg zwischen Nickern und Lockwitz.

Dort weiden die 60 Schafe und halten Teilbereiche der großen städtischen Fläche frei, schützen somit den Lebensbereich von Zauneidechsen und Fasanen. Hin und wieder kümmern sie sich auch um eine städtische Wiese in Leubnitz-Neuostra, wenn dort das Gras zu hoch gewachsen ist.

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Regelmäßig müssen die Heidschnucken auch geschoren werden. Doch wohin mit der Wolle, fragte sich auch Andreas Wegener, der Projektleiter Streuobstwiesen der Grünen Liga. "Für die Wolle gibt es kaum Geld, nur 30 Cent pro Kilo, deshalb haben wir schon länger nach einer alternativen und sinnvollen Verwertung gesucht", sagt er.

Dabei ist er auf Wollpellets gestoßen, die als organischer Langzeitdünger wirken und sogar für den Biolandbau zugelassen sind. Sie werden aus ungewaschener Schafwolle hergestellt, vor allem aus den mit Mist verschmutzten Partien, die beim Scheren ohnehin aussortiert werden.

Hoher Stickstoffgehalt

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Rheinland-Pfalz (DLR) hat die Schafwolle als Dünger untersucht und herausgefunden, dass die Pellets ein Mehrnährstoffdünger sind, der die Inhaltsstoffe langsam freisetzt. Die Wolle enthält neben Stickstoff vor allem noch Kalium und Schwefel, in geringen Mengen auch Phosphat und Magnesium.

Wegen des hohen Stickstoffgehaltes ist Schafwolle - zu solchen Pellets gepresst - für Starkzehrer besonders geeignet.
Wegen des hohen Stickstoffgehaltes ist Schafwolle - zu solchen Pellets gepresst - für Starkzehrer besonders geeignet. © Marion Doering

Das sind ideale Stoffe für den Gartenboden, der über das Jahr viele Nährstoffe verliert. Dazu kommt die positive Eigenschaft der Pellets, dass sie den pflanzenverfügbaren Stickstoff nicht gleich innerhalb der ersten 14 bis 21 Tage freisetzen, wie die meisten anderen Dünger, sondern um zehn Tage verzögert. Daher lässt sich Schafwolle gut als Langzeitdünger einsetzten, sagt das DLR.

Grundsätzlich kann man mit Schafwolle alle Pflanzen düngen, die keine sauren Böden brauchen, also alles außer Heidelbeeren, Rhododendren und anderen Moorbeetpflanzen. Wegen des hohen Stickstoffgehaltes ist Schafwolle für Starkzehrer besonders geeignet. Das wird viele Gartenfreunde freuen. Denn damit sind die Pellets optimal für Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Zuckermais oder Kohlarten, also alles, was in den Dresdner Gärten gern angebaut wird.

Mit diesem Wissen hat Andreas Wegener eine Firma in Lauchhammer gefunden, die 250 Kilogramm Wolle der Dresdner Heidschnucken in Pellets gepresst hat. Seit Montag sind sie in 450-Gramm-Beuteln in den Läden der Verbrauchergemeinschaft Dresden (VG) für 8,31 Euro zu haben. VG-Mitglieder zahlen nur 5,65 Euro. Auch über Schäfer Frank Ringling, der sich um die Heidschnucken kümmert, kann der Dünger bezogen werden. Er ist auf der Webseite naturprojekteringling.wordpress.com zu finden.

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"Wir hoffen, dass unser Angebot gut angenommen wird", sagt Andreas Wegener, der sich auch selbst um die Schafe kümmert. Besonders gut lassen sie sich mit Misteln anlocken, die sie sehr gern fressen. "Aber sie mögen auch Brom- und Himbeeren, die sie so auf den Wiesen zurückdrängen. Ohne die Heidschnucken hätten diese längst große Teile überwuchert."

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