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Super-Sport-Wochenende in Dresden mit Zuschauern

Bei Dynamos erstem Liga-Heimspiel, dem Volleyball-Supercup der DSC-Frauen und beim Galopp dürfen Fans dabei sein. Nur wollen das weit weniger als gedacht.

10.053 Fans waren offiziell bei Dynamos Pokalspiel gegen den Hamburger SV im Stadion.
10.053 Fans waren offiziell bei Dynamos Pokalspiel gegen den Hamburger SV im Stadion. ©  dpa/Robert Michael

Dresden. Es wird ein sportliches Wochenende in Dresden mit drei großen Veranstaltungen. Und was das Besondere ist in Corona-Zeiten: alle drei mit Zuschauern. Das gab es seit März nicht mehr. Für die Volleyball-Frauen des Dresdner SC ist es das erste Pflichtspiel seit dem Saisonabbruch, nun treffen sie als Pokalsieger auf den Meister aus Schwerin. Auf der Galopprennbahn in Seidnitz gab es seit Mai zwar bereits vier Renntage, aber die wurden vor fast leerer Tribüne ausgetragen.

Dynamo hat dagegen bereits vor gut einer Woche für einen Rekord gesorgt. 10.053 Fans im Rudolf-Harbig-Stadion bei der Partie im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV waren die bis dato größte Kulisse in Sachsen während der Pandemie. Zum ersten Heimspiel der Saison in der 3. Liga am Sonntag gegen Waldhof Mannheim sollen es wieder so viele werden, mindestens, und damit deutlich mehr als die zuletzt von den Bundesländern beschlossenen 20 Prozent der Kapazität.

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Das, sagt Dynamos Pressesprecher Henry Buschmann, sei eine Empfehlung, bindend nur die Beschlüsse des Gesundheitsamtes vor Ort. Das in Dresden hat erneut zugestimmt, Dynamo startet den Vorverkauf am Mittwoch zunächst für Mitglieder und/oder Jahreskarteninhaber, diese können ab Freitag dann auch Tickets für bis zu zehn weitere Personen kaufen.

Am 4. September hatte es Dynamos Hygienekonzept genehmigt, das sogenannte Infektionsgemeinschaften von bis zu zehn Personen zulässt und statt anderthalb nur einen Meter Abstand verlangt, sofern der Mund-Nasen-Schutz getragen wird. Man müsse den Menschen ein Kompliment machen, meint Buschmann, wie diszipliniert sie sich beim Spiel gegen den HSV verhalten hätten. „So ein Konzept lebt nur von der Solidarität und Unterstützung.“

Ultras verweigern die Stimmungsmache

Trotzdem werde an Verbesserungen gearbeitet. So hatten Augenzeugen berichtet, dass die Vorgaben am Einlass zumindest zwischenzeitlich nicht eingehalten wurden: Gedränge ohne Abstand, fast keiner eine Maske auf. Die Ordner hätten auch drinnen immer wieder Fans ermahnen müssen, Mund und Nase zu bedecken. Dynamo gibt keine Höchstzahl an, aber allein die Tatsache, dass für den Pokalabend nach dem ersten Zugriff durch Mitglieder (gut 23.000) und Jahreskarteninhaber der Vorsaison (17.000) noch Karten in den freien Verkauf gingen, offenbart das Dilemma für die Fans.

Die aktibe Fanszene erkennt zwar das Bemühen an, wieder Zuschauer zuzulassen, aber das sei „absolut kein Normalzustand für uns“, heißt es in einer Erklärung der Ultras zu ihrem Stimmungsverzicht. Angesichts der Beschränkungen könnten sie „als Fanszene nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen und tun, als wäre die Welt im Dynamoland in Ordnung“.

Die meisten von ihnen würden zwar weiter im Stadion sein, aber vorerst keinen aktiven Stimmungskern im K-Block bilden. „Die Stimmung muss nun aber mehr denn je auf viele Schultern und Fanblöcke verteilt werden. Wie das funktionieren kann, haben wir im Pokalspiel gegen den HSV teilweise schon erlebt.“

Trainer Alexander Waibl präsentiert vor den etwa 500 mitgereisten Dresdner Fans den Pokal: Die DSC-Volleyballerinnen gewannen im Februar in Mannheim das Finale gegen Stuttgart.
Trainer Alexander Waibl präsentiert vor den etwa 500 mitgereisten Dresdner Fans den Pokal: Die DSC-Volleyballerinnen gewannen im Februar in Mannheim das Finale gegen Stuttgart. © Lutz Hentschel

Dynamos Kapitän Sebastian Mai fand sogar, dass die gut 10.000 fast so laut waren, als wäre das Stadion mit rund 30.000 Fans ausverkauft. „Es war einfach eine Sensation, pure Gänsehaut.“ Markus Kauczinski fand es „schon cool.“ Trotzdem mahnt der Trainer zur Vorsicht: „Dass es mit Bedacht gemacht wird, finde ich gut, weil es immer noch ein Infektionsgeschehen gibt, das wir nicht einschätzen können.“

Von Normalität kann also keine Rede sein, denn dann wären wohl alle drei Veranstaltungen ausverkauft. Das wird selbst mit reduzierter Zuschauerzahl wohl nur der Supercup der Volleyball-Frauen sein. Maximal 1.100 Besucher hat das Gesundheitsamt für die Margon-Arena genehmigt, gut ein Drittel der möglichen Plätze. Allerdings wird die maximale Kapazität aufgrund des Buchungsverhaltens nicht erreicht. Bis Dienstagmittag wurden rund 600 Tickets verkauft, mit den notwendigen freien Plätzen läuft es auf etwa 700 Zuschauer hinaus.

Mehr Zuschauer fürs Überleben

„Die Hälfte der Tickets war schon nach weniger als einem Tag verkauft, was ein schöner Erfolg ist“, erklärt Julia Retzlaff, Geschäftsleiterin Sport und Managerin Events bei der Volleyball-Bundesliga. Es sei aber nur ein erster Schritt. „Um das Überleben der Klubs dauerhaft zu sichern, werden wir die Zuschauerzahlen steigern müssen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten weiterhin oberste Priorität besitzt.“

Der Dresdener Rennverein erwartet am Samstag etwa 2.000 Gäste in Seidnitz, erlaubt sind 2.609. Doch die Nachfrage ist geringer, knapp 550 Tickets, die es nur online bei etix.com gibt, wurden bisher abgesetzt. Das dürfte mit am Preis von 18 statt acht Euro liegen, auch für den Verein eine Schmerzgrenze. Für das Gesundheitskonzept sind zusätzliche Sach- und Personalkosten entstanden, „die nur dank einer Erhöhung des Eintrittspreises abzudecken sind“, erklärt Präsident Michael Becker.

Beim Galopp müssen auch die Reiter Maske tragen. Bei den bisher vier Rennen in diesem Jahr auf der Seidnitzer Bahn durften nur wenige Besucher dabei sein. Am Samstag könnten es bis zu 2.609 sein.
Beim Galopp müssen auch die Reiter Maske tragen. Bei den bisher vier Rennen in diesem Jahr auf der Seidnitzer Bahn durften nur wenige Besucher dabei sein. Am Samstag könnten es bis zu 2.609 sein. © Matthias Rietschel

Er ist froh, dass die neun geplanten Rennen nicht wie die bisherigen vier Veranstaltungen in diesem Jahr vor fast leerer Tribüne ausgetragen werden müssen. Denn zugelassen waren zunächst nur Aktive, also Trainer, Jockeys, Pferdepfleger und Transporteure. Im Juni durften immerhin die Besitzer der Pferde live dabei sein, im Juli waren es inklusive Gastronomie-Gästen etwa 500 Leute. Im Vorjahr kamen durchschnittlich 6.800 Besucher. „Die bisherigen Renntage waren von der Stimmung her einfach nur traurig“, sagt Becker. „Die Dresdner lieben ihre Rennbahn, und es tat weh, dass sie quasi ausgesperrt waren.“

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Trotzdem werden es wegen der besonderen Umstände weniger als möglich sein. Für den Saisonabschluss am 18. November hofft der Vereinschef sogar auf „eine rappelvolle Bahn ohne Beschränkungen wie immer am Buß- und Bettag“, was wiederum vom Infektionsgeschehen abhängt. In Dresden wurden am Dienstag vier Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz – Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner – liegt bei 4,3. Verschärfte Maßnahmen sind ab 35 angesagt.

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