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Streit um Zapfsäule – Dresdner Stadtrat verletzt

Der Anwalt und Freie-Wähler-Stadtrat Frank Hannig wurde an einer Tankstelle angegriffen. Die Polizei untersucht, ob die Autopanne gezielt herbeigeführt wurde.

Der Strafverteidiger Frank Hannig wurde an einer Tankstelle angegriffen. Mit Blessuren und Halskrause tauchte er am Donnerstag im Dresdner Stadtrat auf.
Der Strafverteidiger Frank Hannig wurde an einer Tankstelle angegriffen. Mit Blessuren und Halskrause tauchte er am Donnerstag im Dresdner Stadtrat auf. © SZ/Andreas Weller

Update, Freitag, 14.30 Uhr: Am Tag zwei nach der Auseinandersetzung an dem Autohof an der Autobahn 14 hat Stadtrat Frank Hannig seinen Landrover noch nicht wieder zurück. Die Polizei untersucht das Fahrzeug nach möglichen Manipulationen. Davon hatte erstmals Spiegel online berichtet, nachdem Hannigs Mitarbeiter Daniel Zabel am Donnerstag im Prozess um den Mord an dem hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke in Frankfurt vernommen wurde. Eigentlich hätte er am Mittwochabend mit dem Fahrzeug nach Frankfurt fahren sollen, hatte der Zeuge berichtet.

Tatsächlich war aber Hannig in dem Auto und fuhr Richtung Grimma. Offenbar untersucht die Polizei, ob die Panne, die Hannig zum Stopp an der Tankstelle veranlasst hatte, gezielt herbeigeführt worden war. Hannig selbst berichtet, dass er mehrfach Morddrohungen erhalten habe. Darunter nicht nur Hassbotschaften auf Facebook - die erhalte er täglich, wie er sagt - sondern auch durchaus ernstzunehmendere Todesdrohungen. Die hingen auch damit zusammen, dass Hannig bis zum Sommer den mutmaßlichen Lübcke-Mörder Stephan Ernst verteidigt hatte.

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"Ich habe aber keine Anhaltspunkte, dass die Sache jetzt mit den Morddrohungen zusammenhängt", sagte Hannig. Nach seinem Stadtratsauftritt am Donnerstag war Hannig am Freitagmorgen in eigener Sache am Amtsgericht Dresden. Er wurde dort vom Vorwurf freigesprochen, gegen das Kunsturhebergesetz verstoßen zu haben.

Gegenüber der SZ schilderte Hannig, dass er von dem Pick-up-Fahrer mehrfach angesprochen worden sei mit Formulierungen wie "ich kenne dich", "ich leg' dich um" und "ich mach dich platt". Dafür seien verschiedene Gründe denkbar. Möglicherweise habe der 51-Jährige den Anwalt "nur" auf Facebook gesehen, so Hannig.

Hannig ist bekannt dafür, dass er als Strafverteidiger ungewöhnlich offensiv im Internet mit seiner Seite "Hannig - wir lösen Probleme" wirbt. Häufig nimmt er Selfie-Videos auf, in denen er aus seinen Prozessen berichtet. Für viele ist der 50-jährige daher ein rotes Tuch, auch die Dresdner Strafverteidigervereinigung hatte Hannig schon für einige Beiträge kritisiert.

Der Hintergrund: Frank Hannig beim Tanken von einem Pick-up-Fahrer attackiert

Dresden/Döbeln. Der Dresdner Rechtsanwalt und Freie Wähler-Stadtrat Frank Hannig ist bei einer Auseinandersetzung an einer Tankstelle im Landkreis Mittelsachsen verletzt worden. Zu dem Streit um eine Zapfsäule an einem Autohof an der A 14 bei Großweitzschen, Ortsteil Niederranschütz, kam es am Mittwoch gegen 17.50 Uhr, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Chemnitz mitteilt. Hannig musste ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden. Am Donnerstagnachmittag erschien der 50-Jährige mit Halskrause und sichtbaren Blessuren im Dresdner Stadtrat.

Nach Darstellung der Polizei soll der Dresdner Anwalt mit seinem Pkw wegen einer Autopanne mit geöffneter Motorhaube an einer Zapfsäule gestanden haben, als neben dem Fahrzeug ein Pick-up hielt. Der 51-jährige Fahrer sei ausgestiegen und habe Hannig, der noch in seinem Auto saß, angesprochen, er solle die Zapfsäule freigeben.

Hannig habe das mit der Begründung verneint, dass das aufgrund eines technischen Defekts seines Fahrzeuges vorerst nicht möglich sei. Dann sei die Situation plötzlich eskaliert, heißt es in dem Polizeibericht. Der Pick-up-Fahrer habe unvermittelt mit der Faust auf den Dresdner Anwalt eingeschlagen.

Polizei ermittelt gegen beide Männer

Bei der anschließenden Rangelei sei Hannig zu Boden gegangen und der 51-jährige Deutsche habe weiter auf ihn eingetreten. Schließlich habe sich Hannig befreien können, sei in den Verkaufsraum der Tankstelle geflüchtet, wo er die Polizei alarmierte. Der Pick-up-Fahrer sei unterdessen in unbekannte Richtung verschwunden.

Gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten, die am Donnerstagnachmittag zuerst über den Vorfall berichteten, sagte Hannig, er sei auf dem Weg zu einem Mandanten in Grimma gewesen, als sein Auto plötzlich Kühlerwasser verloren habe. Daher sei er an der Tankstelle von der Autobahn gefahren.

Gegenüber der SZ erklärte Hannig am Donnerstagabend im Stadtrat, der Angreifer habe seine Tür aufgerissen und direkt losgeprügelt. "Dann bin ich weggelaufen, als ich wieder zurück bin, habe ich ihn fotografiert - da ging es erst richtig los."

Der Mann habe ihn zu Boden geschlagen und dann auf ihn eingetreten. Hannig sagt, er musste im Gesicht genäht werden, habe eine Gehirnerschütterung und noch mehr. Er sei dann wieder aufgestanden und habe ebenfalls zugeschlagen. "Ich habe den auch ganz schön zugerichtet."

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