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Dresden hat den Größten

Der Striezelmarkt wurde zwar abgesagt. Doch die Dresdner haben nicht alles verloren. Ihr Baum schlägt sich wacker.

Auf die Größe kommt es an: Alexander Neumeister, Detlef Wuttke und Ronja Seligmann (v.l.n.r)
Auf die Größe kommt es an: Alexander Neumeister, Detlef Wuttke und Ronja Seligmann (v.l.n.r) © René Meinig

Dresden. An diesem Freitagvormittag scheint Petrus schon vorher gewusst zu haben, was auf die Dresdner zukommt. Nur kurz nachdem bekannt wird, dass der Striezelmarkt dieses Jahr nicht stattfinden wird, verschwindet die strahlende Sonne auf dem Altmarkt hinter grauen Wolken, es beginnt zu regnen.

Es sind wenige Menschen heute unterwegs, wer da ist, läuft schnell in Richtung Bahn oder verzieht sich mit Kapuze über dem Kopf in eine Ecke. Einige, die Weihnachten partout nicht abschreiben möchten, wärmen sich an Glühwein in To-Go-Bechern von vereinzelten Ständen.

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Der Striezelmarktbaum: Wie ein Relikt aus alten Zeiten

Nur einer hat nicht die Möglichkeit, sich einfach zu verkrümeln. Einsam und stoisch steht der diesjährige Striezelmarktbaum inmitten des leeren Altmarkts wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Niemand scheint sich um ihn zu scheren.

Wirklich niemand? "Mensch, da gibt es aber ordentlich was zu bemängeln in der Landeshauptstadt", sagt Detlef Wuttke und fuchtelt mit einem Metallstab herum, an dessen Ende ein Ungetüm prangt, das aussieht wie eine Baustellenlampe.

"Von der Höhe sieht das gar nicht gut aus", sagt Wuttke, grinst und schüttelt mit dem Kopf. Der Chef einer Vermessungsfirma ist auf einer - nennen wir es - außergewöhnlichen Mission. Wuttke, sein Büroleiter Alexander Neumeister und Azubine Ronja Seligmann sind seit den frühen Morgenstunden unterwegs.

In Chemnitz ist der Weihnachtsbaum gerissen

Ihr Ziel: Sie wollen herausfinden, wer in Sachsen den Größten hat. Also den größten Weihnachtsbaum. Erst waren sie in Chemnitz, wo sie eigentlich als Letztes hinwollten. Doch dann hat der Kran am Donnerstagabend den Weihnachtsmarktbaum falsch abgesetzt. Er ist gerissen, wurde an der Spitze abgesägt und Freitagfrüh schon wieder abtransportiert.

"Wir mussten umplanen kamen gerade noch rechtzeitig, um zu messen", sagt Wuttke. Kulturhauptstadt hin oder her: Mit Weihnachten will es auch in Chemnitz nicht so richtig passen dieses Jahr. Jetzt soll ein neuer Baum her, zu groß war die Scham.

"Das wäre aber natürlich Wettbewerbsverzerrung", sagt Wuttke, dessen Kollegen in Chemnitz 17,75 Meter gemessen haben. Trotz abgesägter Spitze immer noch mehr als in Leipzig, da waren es nur exakt 17 Meter und fünf Zentimeter. Zumindest ein Trost für Wuttke.

Alexander Neumeister misst den Chemnitzer Weihnachtsmarktbaum, während der schon wieder abgeschmückt wird.
Alexander Neumeister misst den Chemnitzer Weihnachtsmarktbaum, während der schon wieder abgeschmückt wird. © privat

Denn seine Firma sitzt in Chemnitz. Irgendwann vor elf Jahren blickte Wuttke zur Vorweihnachtszeit aus seinem Büro am Marktplatz auf den Baum und kam auf die Idee, seine Lehrlinge daran das Vermessen üben zu lassen. Die Statistiken der Firma Wuttke zur Größe des Chemnitzer Weihnachtsmarktbaums erfreuen sich seit elf Jahren großer Beliebtheit in Sachsens drittgrößter Stadt, sagt der 59-Jährige mit der orangefarbenen Jacke.

Dieses Jahr kam er dann auf die Idee, daraus einen Städtewettbewerb zu machen. Und ist sich beim ersten Anblick ziemlich sicher, dass die Striezelfichte nicht mithalten kann. "Der steht auch nicht gerade", sagt Ronja Seligmann, während sie einen Blick durch das Lasermessgerät wirft.

Ein überraschender Sieger wird gekürt

Dann positionieren Wuttke und sie den Reflektorstab am Boden der Krippe. Kollege Neumeister misst akribisch die Lichtpunkte, die Stabende und Spitze der Fichte zurückwerfen. Kurze Zeit später gibt es eine Überraschung zu verkünden: Der Dresdner Baum ist 20, 4 Meter hoch.

"Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Das muss daran liegen, dass der so alleine da steht", sagt Wuttke. Und konstatiert: "Ziemlich hässlich, aber ja, eindeutig der Größte."

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Und dann, als bräuchte auch die stärkste Fichte einmal Beistand in dieser schweren Zeit, kommt noch mehr Ehrenrettung. "Der Baum sieht viel besser aus als letztes Jahr", ruft ein junger Mann mit eindringlicher Stimme, läuft vorbei und wirft Wuttke einen verkniffenen Blick zu. Wuttke und sein Team packen zusammen. Zurück bleibt ein einsamer Sieger.

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