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Dresdner klauen tonnenweise Quitten

Der Verein Grüne Liga pflegt in Niederpoyritz eine Obstplantage und will aus den Früchten Saft und Brände herstellen lassen. Nutznießer sind andere.

Frank Ringling ist Bundesfreiwilliger beim Verein Grüne Liga. Immer wieder muss er erleben, dass Früchte in der Quittenplantage in Niederpoyritz gestohlen werden.
Frank Ringling ist Bundesfreiwilliger beim Verein Grüne Liga. Immer wieder muss er erleben, dass Früchte in der Quittenplantage in Niederpoyritz gestohlen werden. © René Meinig

Dresden. Dornige Brombeerranken, Rosen und anderes Wildgewachsene hatten sie im Frühjahr weggeschnitten, den Weg in der Mitte der Quittenplantage wieder gangbar gemacht. Doch vor einigen Tagen, als die Mitglieder der Grünen Liga mit der Ernte der Früchte am Niederpoyritzer Elbufer beginnen wollten, war ein Großteil der Quitten bereits weg. 

"Das ist besonders ärgerlich, weil wir schon mit einer Brennerei gesprochen hatten, die Edelbrände daraus herstellen wollte", sagt Andreas Wegener. Er leitet beim Verein Grüne Liga das Projekt Streuobstwiesen, zu denen unter anderem Flächen im Lockwitzgrund und im Omsewitzer Grund gehören. 

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Er kennt das Phänomen, dass Leute ungefragt Obst mitnehmen. "Aber in einer solchen Dimension wie in Niederpoyritz habe ich das noch nicht erlebt", sagt er.

Allerdings weiß Wegener auch, dass die Quittenplantage direkt am Elbeweg viele Jahre vor sich hin wuchs, ohne dass sich jemand darum gekümmert hätte. Erst im Frühjahr dieses Jahres hat sie sein Verein vom Naturschutzbund Deutschland gepachtet, der Teile der Plantagenfläche nach der Wende gekauft hatte. 

Viele Menschen hätten in der Vergangenheit die Früchte mitgenommen, auch, weil sie das Obst nicht verderben lassen wollten. "Die Plantage war stadtbekannt", sagt Wegener. 

Generell findet er die Idee gut, Früchte zu retten, die keiner erntet. "Aber in unserem Fall ist es jetzt anders. Wir haben die Fläche wieder in einen Zustand versetzt, dass wir darin die Früchte gut pflücken können, aber wollten auch nicht großartig eingreifen, um die Artenvielfalt darin nicht zu zerstören", sagt er. 

Die Vereinsmitglieder haben Schilder aufgestellt "Ernten verboten, die Fläche wird gepflegt", doch der Hinweis interessiert offenbar keinen. Denn am letzten Wochenende, als Ehrenamtliche der Grünen Liga Quitten gepflückt haben, haben wenige Meter entfernt viele Menschen einfach mitgeerntet. "Selbst als wir mit ihnen gesprochen haben, haben die nicht aufgehört", sagt Wegener erbost.

Inzwischen bat er Plattformen wie Mundraub, die Stellen bekanntgeben, wo Obst verdirbt, die Niederpoyritzer Plantage von der Webseite zu nehmen. Doch dies alles hilft nichts. 

Selbst am Montag, als ein Vereinsmitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst zu den Bäumen an der Elbe kam, wurden ganze Autokofferräume mit Quitten gefüllt. Nach Wegeners Schätzung sind inzwischen mehrere Tonnen Früchte gestohlen worden. Das Schild "Privatweg" ist schon lange verschwunden.

"Ich möchte wirklich an die Dresdner appellieren, dass sie unsere Bäume in Zukunft nicht mehr als ihr Eigentum betrachten. Wir haben viel Arbeit reingesteckt und möchten  auch die Früchte ernten. Aus denen soll Fruchtsaft und Edelbrand hergestellt werden", sagt Wegener. 

Saft und Maische gehen zur Meißner Spezialitätenbrennerei Prinz zur Lippe in Klipphausen. Einen Zaun, um die Diebe fernzuhalten, kann sich die Grüne Liga nicht leisten. Er müsste über einen Kilometer lang sein.

Auch Biolandwirt Bernhard Probst hat mehrere Streuobstwiesen, er weiß, dass gern  Früchte mitgenommen werden. Doch das seien nur wenige, deshalb falle es nicht ins Gewicht. Probst empfiehlt im Falle der Quitten, diese eher zu ernten. 

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