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Auto vs. Bus: Wer ist schneller auf Dresdens Baustellenpiste?

Auf der Bautzner Straße und Landstraße reiht sich Baustelle an Baustelle. Eine neue Spur soll Busse schneller machen. Auf Kosten des Autoverkehrs? Ein Selbsttest.

Von Dominique Bielmeier & Kay Haufe
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Auf der Bautzner Landstraße kommt es auf Höhe der Dresdner Elbschlösser regelmäßig zu Stau. Grund: Eine vorübergehende Busspur soll den Schienenersatzverkehr beschleunigen. Aber gewinnt der Bus sogar im Wettrennen mit dem Auto?
Auf der Bautzner Landstraße kommt es auf Höhe der Dresdner Elbschlösser regelmäßig zu Stau. Grund: Eine vorübergehende Busspur soll den Schienenersatzverkehr beschleunigen. Aber gewinnt der Bus sogar im Wettrennen mit dem Auto? © Christian Juppe

Dresden. Die Bautzner Landstraße gleicht derzeit einem Stresstest für Autofahrer: unzählige Baustellen, immer wieder Tempo 30, Ampeln, und Richtung Innenstadt spätestens ab den Elbschlössern Stau aufgrund einer neuen vorübergehenden Busspur. Vor allem im Berufsverkehr am Morgen kostet das Nerven - und Zeit. Wer zwischen Bühlau und Waldschlößchen pendelt, hat vielleicht schon einmal überlegt, gleich auf den Schienenersatzverkehr der Linie 11 umzusteigen. Würde sich das lohnen? Ist der Bus am Ende sogar schneller als das Auto?

Die SZ-Redakteurinnen Dominique Bielmeier (Auto) und Kay Haufe (Bus) haben es auf der rund 4,5 Kilometer langen Strecke von der Haltestelle "Schwimmhalle Bühlau" bis zum Waldschlößchen getestet.

Das Auto: Eine Fahrt wie eine Fiesta - bis die Busspur beginnt

SZ-Redakteurin Dominique Bielmeier hat sich dem Wettrennen Bus gegen Auto mit ihrem Fiesta gestellt - und verspricht, sich um das kaputte Rücklicht zu kümmern. Im Hintergrund: eine der etlichen Baustellen an der Bautzner Landstraße.
SZ-Redakteurin Dominique Bielmeier hat sich dem Wettrennen Bus gegen Auto mit ihrem Fiesta gestellt - und verspricht, sich um das kaputte Rücklicht zu kümmern. Im Hintergrund: eine der etlichen Baustellen an der Bautzner Landstraße. © Christian Juppe

Das wird ein Kinderspiel, denke ich, als wir an der Schwimmhalle Bühlau losfahren. Ich bin das zweite Auto hinter dem Bus, kann ihn aber schon an der ersten Haltestelle überholen. Jeder Autofahrer weiß, dass das der entscheidende Moment ist, wenn man nicht Ewigkeiten hinter einem Bus her zuckeln will, gerade auf baustellenreichen Strecken. Das gelbe Monstrum werde ich ab sofort nur noch im Rückspiegel sehen - wenn überhaupt.

Trotzdem jetzt Blick nach vorne, wo ein Fußgänger, der den Bus wohl schnell noch erwischen will, plötzlich die Straße überquert und der Fahrerin in der Mercedes A-Klasse vor mir fast vors Auto rennt. Wir müssen beide scharf bremsen. Noch mal gut gegangen. Nach diesem ersten Schock geht es dank grüner Welle flüssig voran bis zu den Elbschlössern.

Hier beginnt die neue Busspur, abgetrennt durch eine dicke gelbe Linie. Ich bin froh für alle Radfahrer, die die Spur nutzen dürfen und auf der Bautzner Landstraße meist viel zu eng überholt werden. Aber für mich und meinen Fiesta bedeutet das: Stau ab Höhe Schloss Eckberg. Ob der Bus es schafft, den Abstand aufzuholen?

An Überholen ist auf den engen Strecken neben Baustellen zwischen Plattleite und Weißem Adler nicht zu denken.
An Überholen ist auf den engen Strecken neben Baustellen zwischen Plattleite und Weißem Adler nicht zu denken. © Christian Juppe

Da rauscht etwas großes Gelbes rechts an mir und der Autokolonne vorbei. Unglaublich. Werde ich den Abstand bis zum Waldschlößchen nun wieder aufholen können? Aber erstmal wird es wieder brenzlig: Wo die Autospur auf das Ende der Busspur eingefädelt wird, hat offenbar niemand an die Radfahrer gedacht, die nur hoffen können, dass die Autofahrer sie rechtzeitig bemerken. Ein Mann mit Kinderanhänger am Rad hält an, um mich einfädeln zu lassen.

Den Bus sehe ich erst wieder an der Haltestelle Waldschlößchen, die Fahrgäste sind bereits ausgestiegen. Hier endet der Schienenersatzverkehr. Meine Fahrt bis hierher hat genau zwölf Minuten und acht Sekunden gedauert, knapp anderthalb Minuten länger als auf dem Hinweg, obwohl da sogar noch mehr Verkehr war. Wie viel schneller wohl Kay im Bus war?

Der Bus: Erst abgehängt, dann ein unerwartetes Ende

Start 8.25 Uhr an der Haltestelle Schwimmhalle Bühlau. Ob der Bus eine Chance hat?
Start 8.25 Uhr an der Haltestelle Schwimmhalle Bühlau. Ob der Bus eine Chance hat? © Christian Juppe

Recht wenig Verkehr für einen Freitagmorgen, denke ich, als ich an der Haltestelle "Schwimmhalle Bühlau" warte. Der Bus kommt pünktlich 8.25 Uhr. Ich habe mich kaum hingesetzt, als ich sehe, dass mich Dominique in ihrem roten Flitzer überholt. Das fängt ja gut an! Jetzt wird sie weg sein, denn an der nächsten Haltestelle steigen viele Leute ein, das dauert.

Doch schon wenige hundert Meter weiter habe ich den roten Fiesta wieder im Blick. Auch er muss sich im Pulk an der Baustelle vorbei quälen, keine Chance, schnell voranzukommen. Trotzdem ist er längst weg, als wir die Haltestelle "Plattleite" erreichen. Mal sehen, ob der Bus jetzt noch aufholen kann. Diese Hoffnung begrabe ich innerlich, als der Busfahrer an der Mordgrundbrücke einfach stehenbliebt, obwohl er längst die Türen geschlossen hat. Er muss den Fahrplan einhalten und wartet. Aber doch nicht ausgerechnet hier!

Langsam rollen wir auf der separaten Busspur stadteinwärts. Und plötzlich taucht der rote Fiesta links neben mir auf. Das kann doch nicht wahr sein! Es kommt mir geradezu lässig vor, wie der Bus an der langen Autoschlange vorbeifährt. Dominique muss mindestens 300 Meter aufholen. Aber noch ist die Challenge nicht gewonnen. An der Haltestelle Angelikastraße schaue ich angespannt nach hinten. Überholt sie mich jetzt, so kurz vor dem Ziel?

Nein, sie schafft es nicht. Nach 10 Minuten und 58 Sekunden steige ich um 8.35 Uhr am Waldschlößchen aus, vom roten Fiesta keine Spur. Er kommt erst eine gute Minute später vorbei. Wer hätte das gedacht?

Trotz zahlreicher Haltestellen am Ende schneller: Kay Haufe im Bus überholt an den Elbschlössern Dominique Bielmeier im roten Fiesta rechts.
Trotz zahlreicher Haltestellen am Ende schneller: Kay Haufe im Bus überholt an den Elbschlössern Dominique Bielmeier im roten Fiesta rechts. © Christian Juppe

Fazit der Busfahrerin: Freude und Leid liegen dicht beieinander

Die separate Busspur bringt genau die Entlastung für den öffentlichen Nahverkehr, wofür sie auch eingerichtet wurde. Vor allem psychologisch hat der Fahrgast im Bus einen Vorteil, wenn er an der Autoschlange vorbeirollt und sieht, wie lange deren Fahrer warten müssen. Natürlich spart er damit auch Zeit im Berufsverkehr.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass er die beim Umsteigen in die Bahn am Waldschlößchen wieder einbüßt. Und: Die separate Busspur gibt es nur stadteinwärts. Bei der Rückfahrt am Nachmittag oder Abend stehen die Busse wie alle anderen Fahrzeuge im Stau.

Für mich ist das trotzdem ein weiteres Argument, den Bus zu bevorzugen. Ich komme schnell voran, muss mich nicht auf den Verkehr konzentrieren und brauche am Ende meiner Fahrt keinen Parkplatz zu suchen.

Fazit der Autofahrerin: Nur Bequemlichkeit spricht noch fürs Auto

Der Schienenersatzverkehr hat häufig zu Unrecht einen schlechten Ruf, hier funktioniert nicht nur die Anbindung von Bus und Bahn prima, der Bus fährt auch alle zehn Minuten - und ist am Ende sogar schneller. Grüner sowieso.

So manche brenzlige Situation auf dem Weg hätte ich mir außerdem ersparen können - und mit einem Auto weniger auf der Straße verkürzt sich auch die Schlange an den Elbschlössern gleich wieder etwas. Außer Bequemlichkeit bleibt mir also eigentlich kein Argument, nicht auch umzusteigen.