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Dresdner Augustusbrücke wird doch autofrei

Kurz vor Ende der Sanierung gab es plötzlich Unstimmigkeiten, ob Fördergeld des Landes zurecht geflossen ist, wenn Autos nicht mehr erlaubt sind.

Von Kay Haufe
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Aktuell werden Schienen auf der Augustusbrücke in Dresden verlegt.
Aktuell werden Schienen auf der Augustusbrücke in Dresden verlegt. © René Meinig

Dresden. Zwischen der Stadtverwaltung und dem sächsischen Wirtschaftsministerium (SMWA) gab es in den vergangenen Tagen Gespräche darüber, ob die Förderung des Landes in Höhe von 2,1 Millionen Euro für die Augustusbrücke auch nach der Richtlinie kommunaler Straßenbau möglich ist. Es waren offenbar Zweifel beim Wirtschaftsministerium aufgekommen, denn nach der Sanierung soll die Brücke - ähnlich wie die Prager Karlsbrücke - nur noch für Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahnen sowie Versorgungsfahrzeuge und Taxis befahrbar sein. Im schlimmsten Fall, wenn die Prüfung ergeben hätte, dass für die Förderung auch Autos zugelassen werden müssen, hätte die Stadt die Millionen zurückzahlen müssen.

Attraktivität der Brücke erhöht

Nun die Entwarnung: "Im Ergebnis wurde festgestellt, dass durch die Teilsperrung für den motorisierten Individualverkehr die rechtliche Einordnung als Ortsstraße und somit die grundsätzliche Förderfähigkeit nicht infrage steht – eine Förderung möglich und rechtens ist", heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Stadt und SMWA. Es war zu prüfen, ob der Bau insgesamt und über alle Verkehrsarten gesehen zu einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse als Fördervoraussetzung führt. „Auch hier wurde festgestellt, dass eine solche Verbesserung, vor allem der Erhöhung der Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer und für die zu- und aussteigenden Fahrgäste der DVB, eintritt. Die Attraktivität der historischen Augustusbrücke und der Innenstadt wird durch die Teilsperrung für den Individualverkehr spürbar erhöht, die individuelle Mobilität wird kaum bis gar nicht eingeschränkt. Im Gegenteil: Fuß- und Radverkehr werden gestärkt, so wie wir es im Koalitionsvertrag vereinbart haben“, sagt Verkehrsminister Martin Dulig (SPD).

Die künftige Sperrung der Augustusbrücke für den motorisierten Individualverkehr sei auch mit der Förderung erlaubt, zumal Busse des ÖPNV, Taxen und Einsatzfahrzeuge weiterhin zugelassen sind. Ebenso ist eine Nutzung als Umleitungsstrecke weiterhin möglich, so die Aussage des SMWA.

Sanierungszeit vedoppelt

Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) zeigte sich erleichtert von der Entscheidung. "Wir werden jetzt umsetzen, was der Stadtrat beschlossen hat: Eine autofreie Augustusbrücke und damit eine attraktive Elbquerung für Fußgänger und Radfahrer." Die Augustusbrücke sei Teil der reizvollen Flaniermeile von der Altstadt in die Dresdner Neustadt. Die Straßenbahn werde die Strecke nach Abschluss der Sanierung wie gewohnt wieder befahren. "Ich danke dem Freistaat Sachsen für die konstruktiven Gespräche, die Förderrecht und nachhaltige Stadtplanung in Übereinstimmung bringen konnten", sagt Kühn.

Die Augustusbrücke ist die historisch bedeutendste Elbbrücke im Stadtgebiet. Durch verschiedene Hochwasser, zuletzt im Jahr 2013, entstanden zahlreiche Schäden, die dringend behoben werden mussten. Dadurch sollte das Bauwerk denkmalgerecht wieder in einen guten Zustand versetzt werden. Bereits im Jahr 2014 beschloss der Dresdner Stadtrat, die Brücke nach der Sanierung für den motorisierten Individualverkehr zu sperren. Das Vorhaben zum grundhaften Ausbau der Straßenbahn sowie der damit verbundene Straßenbau wurden von der Landesdirektion Sachsen inklusive der vorgesehenen künftigen Teilsperrung am 14. Februar 2017 genehmigt.

Die Stadt bekam für die Sanierung der Augustusbrücke weitere 15,8 Millionen Euro Fördergeld für den Hochwasserschutz sowie 2,8 Millionen Euro für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Zunächst soll die Brücke für Fußgänger und Radfahrer freigegeben werden. Fußweg und Straße sollen in der Woche vom 16. September wieder auf ganzer Breite befahrbar sein, kündigte Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) an. Das heißt, Fußgänger haben dann die extrabreiten Fußwege für sich allein, Radfahrer die Straße. Etwas länger müssen sich Straßenbahn-Fahrgäste gedulden. Voraussichtlich im Dezember können die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) wieder Trams über die Brücke rollen lassen. Dann werden die Linien 4, 8 und 9 keine Umleitung mehr über die Marien- beziehungsweise die Carolabrücke fahren.

Die Bauzeit an der Carolabrücke hat sich fast verdoppelt. Den Termin zur Fertigstellung der Augustusbrücke musste die Stadt bereits dreimal verschieben. Als die Arbeiten im April 2017 begannen, wurde der März 2019 als Bauende benannt. Daraus wurde Sommer 2019 und nun Dezember 2021.