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Prozess: Viel Crystal für eine 15-Jährige

Ein 37-jähriger Dresdner soll sich 2017 wochenlang privat mit einer Jugendlichen getroffen haben. Jetzt geht es für ihn um eine unbedingte Haftstrafe.

Ein 37-jähriger Mann soll einer 15-Jährigen Drogen gegeben haben. Die 44 Fälle, die ihm nun vor dem Amtsgericht Dresden vorgeworfen werden, sollen sich bereits 2017 in seiner Wohnung und verschiedenen Dresdner Hotels zugetragen haben.
Ein 37-jähriger Mann soll einer 15-Jährigen Drogen gegeben haben. Die 44 Fälle, die ihm nun vor dem Amtsgericht Dresden vorgeworfen werden, sollen sich bereits 2017 in seiner Wohnung und verschiedenen Dresdner Hotels zugetragen haben. © André Braun (Symbolbild)

Dresden. Frank G. steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Der 37-Jährige war starker Crystal-Konsument und hatte seine Sucht mit Straftaten finanziert. Im Mai 2020 wurde er zuletzt zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seitdem jedoch scheint er sich tatsächlich zu bewähren. Er habe eine Therapie abgeschlossen und sei nun im Begriff, einen neuen Beruf zu lernen. Ein dreimonatiges Praktikum habe er mit Note 1 beendet, sagt er stolz.

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So gut wie das gerade in Richter-Ohren klingt, so ernst ist die Lage dennoch für den gelernten Restaurantfachmann. Er soll einer 15-Jährigen über Monate regelmäßig Crystal gegeben haben – in seiner Wohnung und in Dresdner Hotelzimmern. Wegen dieser alten Sünden aus dem Jahr 2017 droht Frank G. nun der Knast..

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Sollte er verurteilt werden, sei die Strafe zwingend mit dem letzten Urteil zu einer neuen Gesamtfreiheitsstrafe zu verbinden, sagt Verteidiger Alexander Hübner. Die Strafe müsse länger als die zwei Jahre sein, die der Angeklagte mitbringt. Doch Haftstrafen über zwei Jahren können nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.

Das ist das Drama dieses Prozesses vor dem Amtsgericht Dresden und wohl auch ein Grund, warum der Angeklagte von seinen Eltern begleitet wird. Er schweigt zu den Vorwürfen, was sein gutes Recht ist.

Die Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige ist ein Verbrechen. Die Mindeststrafe pro Tat beträgt ein Jahr. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann 44 Fälle vor, in denen er einem zur Tatzeit 15-jährigen Mädchen die harte Droge gegeben haben soll. „Verbrauchsüberlassung“ nennen Juristen das. Soll heißen, die Jugendliche habe die Droge lediglich konsumiert, nicht aber besessen oder erworben. Drogenkonsum ist nicht strafbar, der Besitz derselben allerdings schon.

Drogen für sexuelle Dienste?

In der Anklage steht nicht, ob es eine „Gegenleistung“ für die Überlassung gegeben hat und ob diese möglicherweise sexueller Natur war. Gleichwohl hatte der Vorwurf bei den Ermittlungen im Raum gestanden. Die Frage könnte die heute 19-jährige Konsumentin beantworten.

Doch die Heranwachsende, die derzeit eine Jugendstrafe wegen Drogengeschichten absitzt, schweigt als Zeugin. Sie hat ein Aussageverweigerungsrecht, weil gegen sie noch in einem anderen Fall ermittelt wird: 2019 soll sie den Angeklagten mit einem Messer bedroht und Geld von ihm gefordert haben. Sie müsse nicht einmal aussagen, ob sie Frank G. kennt, sagt Anwalt Hübner. Dabei bleibt es auch.

Eine Hotel-Mitarbeiterin berichtet, dass die Jugendliche 2017 zweimal für mehrere Tage Gast in ihrem Hotel in Löbtau gewesen sei – mit ihrer Mutter. Den Angeklagten habe sie dort nicht gesehen, er habe jedoch den Aufenthalt gebucht und bezahlt. Mutter und Tochter hätten das Zimmer „vermüllt“, sie habe auch Drogenutensilien gefunden, berichtete die Zeugin.

Auch die Mutter der 19-Jährigen machte von ihrem Recht, die Aussage zu verweigern Gebrauch. Sie soll an dem Überfall 2019 beteiligt gewesen sein. Das Schöffengericht muss die Hauptverhandlung fortsetzen und weitere Zeugen laden.

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