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Vielfach verschwundenes Geburtstagsgeld

Die frühere Hochland-Ortsvorsteherin Daniela Walter (CDU) steht wegen veruntreuender Unterschlagung vor Gericht. Was betagte Zeugen aussagen.

Daniela Walter (li.), hier neben ihrer Verteidigerin Uta Modschiedler, schweigt zu den Vorwürfen.
Daniela Walter (li.), hier neben ihrer Verteidigerin Uta Modschiedler, schweigt zu den Vorwürfen. © Marion Doering

Dresden. Es sind große Worte, mit denen betagte Rentner im Schönfelder Hochland seit Jahren geehrt werden. "Ihre Generation vermittelt Standhaftigkeit, Tatkraft und Opferbereitschaft", heißt es auf der Urkunde aus dem Rathaus, die Jubilare zum 80. Geburtstag erhalten. Dazu 25 Euro und ein Blumenstrauß.

Doch gerade Opferbereitschaft wird von Rentnern seit dem Jahr 2015 wieder stärker gefordert. Die damalige Ortsvorsteherin Daniela Walter (CDU) soll regelmäßig Geschenke und Urkunde nicht überreicht haben und das Geld stattdessen für sich behalten haben. Seit September muss sie sich vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Sie macht das schweigend.

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Auch am dritten Verhandlungstag am Mittwoch sitzt sie auf der Anklagebank, ohne sich zu äußern. Dafür hat Richter Rainer Gerards mehrere hochbetagte Zeugen geladen, die helfen sollen, die Sachverhalte aufzuklären, obwohl diese meist schon sechs Jahre zurückliegen. Darunter den heute 86-jährigen Klaus W. aus Pappritz.

Der kann sich noch gut an seinen 80. Geburtstag vor sechs Jahren erinnern, den er im März 2015 im Kreise seiner Familie und mit Freunden zu Hause gefeiert hat. Von seinem Nachbarn wusste W., dass zu dessen 80. Geburtstag der frühere Ortsvorsteher des Schönfelder Hochlandes, Hans-Jürgen Behr, mit Blumen und Geld zum Gratulieren vorbeikam. Auch wären immer wieder Jubilare im Gemeindeblatt Hochlandkurier abgebildet gewesen. Deshalb rechnete auch W. mit einem Besuch von der Ortschaft. "Aber bei mir war weder jemand zum 80. noch zum 85. Geburtstag da. Geld und Blumen habe ich nicht erhalten", sagt der frühere Bankangestellte.

Auch Siegfried H. aus Weißig hatte sich an seinem 80. Geburtstag im März 2015 auf einen Gast vom Ortschaftsrat eingestellt und einen kleinen Imbiss dafür bereitgestellt. Doch er wartete vergebens. Als seine Ehefrau indes 2016 ihren 80. feierte, sei eine Frau gekommen und habe Geld und Blumen übergeben. "Da habe ich mich schon gewundert, warum das bei mir nicht der Fall war", sagt der frühere Polizist. Das hat er auch 2017 in einer Zeugenerklärung so zu Papier gebracht. Zu seinem 85. Geburtstag musste sich H. 2020 aufgrund der Corona-Situation Geld und Blumen in der Verwaltungsstelle abholen.

Die dritte Zeugin gab ähnliche Erlebnisse preis. Auch Brigitte D. hatte davon gehört, dass es etwas von der Gemeinde geben sollte. Als niemand kam, sei sie verwundert gewesen. "Aber das war mir nicht so wichtig, dass ich nachgefragt hätte." Zum 85. im vergangenen Jahr hat sich die Pappritzerin dann Blumen und Geld in der Verwaltungsstelle abgeholt. Eines war der 86-jährigen Zeugin jedoch schleierhaft. Als ihr Richter Gerards ihre schriftliche Zeugenaussage zeigte, konnte sie sich nicht erinnern, wie diese 2017 zustande gekommen war. Die Unterschrift identifizierte sie aber als die ihre.

Anders als bei den anderen Zeugen stellt sich der Fall von Annelies R. aus Rockau dar. Sie fand zwei Tage nach ihrem 80. Geburtstag im Juni 2015 einen DIN-A4-Umschlag mit einer Glückwunsch-Urkunde von der Gemeinde im Briefkasten vor. "Friss oder stirb", habe sie gedacht, sagt sie, denn Geld sei keines im Umschlag gewesen. Annelies R. hat sich sehr darüber geärgert und dies 2017 in ihrer Zeugenerklärung auch kundtun lassen. Wegen eines Schlaganfalles musste ihre Schwiegertochter Elke R. diese Erklärung aufschreiben, denn Annelies R. konnte damals nicht schreiben. Es seien aber die Worte ihrer Schwiegermutter gewesen, sagt Elke R.

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Als im Jahr 2018 Ortsvorsteherin Daniela Walter dem Ehemann von Annelies R. zum 85. Geburtstag gratuliert und ihm Geld und Blumen überbringt, zögert Annelies R. nicht lange und spricht die Ortsvorsteherin darauf an, dass sie nur die Urkunde bekommen hat. Walter bietet ihr einen Termin in ihrer Sprechstunde an, danach erhält Annelies R. das Geld zum 80. Geburtstag rund drei Jahre später. Ob Frau Walter überrascht gewesen sei, als sie auf das fehlende Geld angesprochen wurde, wollte der Staatsanwalt wissen. Doch daran konnte sich Annelies R. nicht mehr erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.

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