merken
PLUS Feuilleton

Was macht Heino in Dresden?

Volksmusiker Heino erfindet sich mit 82 Jahren ein letztes Mal neu. Am Mittwoch war er in Dresden zu Besuch. Was steckt dahinter?

Heinos Tour beginnt zwar erst im Herbst und führt ihn auch nach Dresden. Doch der Sänger bereist jetzt schon seine künftigen „Tatorte“, um für seine Neuerfindung zu werben: „Heino goes Klassik“.
Heinos Tour beginnt zwar erst im Herbst und führt ihn auch nach Dresden. Doch der Sänger bereist jetzt schon seine künftigen „Tatorte“, um für seine Neuerfindung zu werben: „Heino goes Klassik“. © dpa

Von Hannah Küppers

Dresden.
Eigentlich wäre er ja gerne bei der Klassik geblieben – wer hätte das gedacht? Vielleicht wäre aus dem Rheinländer gar kein Schlagerstar geworden, wenn seine Volkslieder damals nicht so erfolgversprechend gewesen wären. Aber dann wurde Heinz Georg Kramm „entdeckt“, nannte sich Heino, und es ging los mit „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und „Die schwarze Barbara“. Das war vor einem halben Jahrhundert.

„... und Tschüss“ hieß Heinos letzte Tournee vor zwei Jahren. „.. .doch noch nicht“ müsste die diesjährige also eigentlich heißen. Stattdessen verspricht sie einen letzten Versuch des Schlagersängers, sich neu zu erfinden: „Heino goes Klassik“. Zum Ende seiner Karriere, kurz vor dem 83. Geburtstag, möchte Heino noch diese zwei Dinge: Zu seinen Anfängen zurückkehren und „schön singen“.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Zurück zu den Wurzeln heißt zurück zu seiner klassischen Gesangsausbildung in den Sechzigern. „Schön“ bedeutet jetzt anscheinend Brahms, Beethoven, Schubert, Tschaikowsky „und wie sie alle heißen“. Mit einem deutschen Liederabend wird der weißblonde Herr mit der schwarzen Brille im Herbst auf Tournee gehen.

Natürlich dürften auch seine Hits nicht fehlen, kündigte Heino gestern im Dresdner Taschenberg-Palais an, auch zwei bis drei Rock-Nummern werde er seinem Publikum bieten. Das genaue Programm hat er noch nicht verraten. „Heino goes Klassik“ wird also das, was Heino meistens auf der Bühne zum Besten gibt – und doch ist gar nicht so viel Klassik drin, wie draufsteht. „Beides singe ich mit der gleichen Intensität und Begeisterung“ verspricht der Schlagersänger aber für den Stilmix.

Heino am Kulturpalast.
Heino am Kulturpalast. © xcitepress

Bevor die Tournee Ende September im Gewandhaus in Leipzig beginnt und Heino 19 Städten in Deutschland einen Besuch abstattet, ist er jetzt schon auf Werbetour durch Deutschland. Er will den Leuten die Angst vor dem Kartenkauf nehmen. „Ich bin vorbereitet, und ich werde spielen“, sagte er gestern in Dresden. Zur Not sei das ganze Team sogar darauf vorbereitet, zwei Konzerte pro Tag zu spielen – falls die Corona-Bestimmungen im Herbst so ausfallen sollten, dass die Konzertsäle nicht voll belegt sein dürfen. Im Dresdner Kulturpalast wird Heino am 27. Oktober auftreten, die Tournee endet am 13.12., Heinos 83. Geburtstag, in Berlin – auf Einladung seines Freundes Didi Hallervorden.

Bodyguard für die Stradivari

In diesem Spätsommer die Pressetour, im Herbst die eigentliche Tournee; der Sänger ist überzeugt, dass die Musik ihn fit hält. Mit einer Stunde Üben pro Tag trainiere er seine wichtigsten Muskeln, die Stimmbänder. Die wird er bei den klassischen Stücken im Herbst besonders beanspruchen. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass auch „der Enzian“ – meint Heinos großen Schlagerhit „Blau blüht der Enzian“ – über drei Oktaven gehe, schiebt sein Manager hinterher.

Bestimmt wird auch die junge Gesellschaft den 82-jährigen Herrn bei seiner Tournee auf Trab halten: Yuri Revich, 29-jähriger Violinist, begleitet Heino auf seiner Reise und bringt netterweise seinen Bodyguard mit. Nicht etwa für ihn oder Heino, aber für seine wertvolle und seltene „Golden Period Stradivari“, auf der er spielt.

Im Gegenzug bringt Heino dem 29-Jährigen das jüngere Publikum vor die Bühne. Yuri Revich spielt sonst vor wesentlich älteren Zuhörern. Revich hat der für ihn erstmal ungewöhnlichen Anfrage von Heino zugesagt, weil er „seine Klassik“ gerne auch für ein neues Publikum entwickeln möchte. „Wir können klassische Musik nicht immer nur für die 100 Abonnenten spielen“, findet er.

Vielleicht würden einige Zuhörer bei den Konzerten ja merken, dass klassische Lieder schön sein können, und beim nächsten Mal den Weg in die Philharmonie finden. Yuri Revich weigert sich allerdings, Schlager zu spielen. Das sei „nicht sein Ding“.

Karajan wollte ihn ohne Brille

Mit von der Partie wird auch Heinos Freund Franz Lambert sein, der das ursprünglich geplante Orchester ersetzen soll. „Der hat die Streicher, Flöten und Pauken alle in seiner Orgel“, verspricht Heino.

Bald hat es der gebürtige Düsseldorfer, der übrigens 1944 im sächsischen Großenhain eingeschult wurde, durch alle Genres geschafft: Volkslied und Schlager sowieso, mit dem Album „Die Himmel rühmen“ trat er in den prachtvollsten Gotteshäusern Deutschlands auf, dann plötzlich war er in schwarzer Lederjacke und rockig unterwegs, sang sogar mit Rammstein beim Metalfestival Wacken.

Er erwähne es so ungern, aber sogar Herbert von Karajan hätte ihn ja gerne gehabt, erzählt Heino. Allerdings ohne die schwarze Brille und von der wollte sich Heino wegen seines Augenleidens dann doch nicht trennen.

Eine Prise Nostalgie und ein gesundes Maß Eigenhumor bringt den Schlagerstar nochmal dazu, die Konzertsäale Deutschlands zu beschallen, das Multifunktionstalent lässt seine treuen Fans nicht im Stich: „Solange der liebe Gott mich beschützt, werde ich die Leute noch weiter mit meiner Musik ärgern“, sagt der Sänger.

Mehr zum Thema Feuilleton