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Dresdner Straßenverkehr: Von Einsicht oft keine Spur

Bei Kontrollen in den letzten zwei Wochen musste die Polizei viele Verstöße von Auto- und Radfahrern ahnden. Das sind die Ergebnisse.

Beamte kontrollierten vor wenigen Tagen auf der Chemnitzer Straße Auto- und Radfahrer.
Beamte kontrollierten vor wenigen Tagen auf der Chemnitzer Straße Auto- und Radfahrer. © René Meinig

Dresden. Gerald Baier und seine Kollegen von der Dresdner Verkehrspolizei haben oft den Eindruck, dass die Regeln der Straßenverkehrsordnung in der Stadt eher als Empfehlungen angesehen werden denn als klare Vorschriften. Anders sei das Verhalten vieler Auto- und Fahrradfahrer nicht erklärbar, sagt Baier. Die Kontrollen der vergangenen zwei Wochen im Rahmen der Aktion "Respekt durch Rücksicht" belegen die Wahrnehmung des Chefs der Verkehrspolizei. Baier nennt ein Beispiel. "Die Kollegen der Fahrradgruppe stehen an einer roten Ampel. Ein Radfahrer kommt angefahren, schaut kurz und fährt dann bei Rot über die Straße. Als er angesprochen wird, sagt er, dass es doch keine gefährliche Situation gewesen sei. Rot hat für ihn keine Rolle gespielt." Wenn jeder so agieren würde, gebe es Chaos auf Dresdens Straßen, sagt Baier.

Handynutzung lenkt extrem ab

Damit dies nicht passiert, haben die Beamten, darunter die Fahrradstaffel, an 30 Standorten in der Stadt während der Aktion 334 Auto- und 544 Radfahrer kontrolliert. Besonders oft haben Autofahrer dabei rote Ampeln überfahren, immerhin ein Drittel aller Verstöße.

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Mindestens genauso bedenklich ist für Baier aber, dass immerhin 28 Prozent der Verkehrsteilnehmer das Smartphone während der Fahrt genutzt haben. "Damit sind die Fahrer extrem abgelenkt, die sonst übliche Routine wie beim Aufleuchten von roten Bremslichtern vor einem greift nicht mehr." Er verweist auf eine Studie der TU Braunschweig, wonach die Ablenkung durch das Smartphone vergleichbar mit 1,1 Promille Alkohol sei. Welche Folgen das haben kann, zeigt ein Unfall vor wenigen Tagen auf der Autobahn 17 bei Dresden, als ein Autofahrer auf einen Lkw auffuhr und das Auto ausbrannte. "Das Verfahren dazu läuft noch, aber es gibt Hinweise, dass Ablenkung eine Rolle gespielt hat", sagt Baier.

Doch auch Radfahrer nutzen während der Fahrt das Handy, wie die Kontrollen ergeben haben. Hauptsächlich wurden sie aber wegen Fahrens entgegen der zulässigen Fahrtrichtung und auf Gehwegen mit Verwarnungen und Bußgeldern belegt. Immerhin 66 Radfahrer haben im Aktionszeitraum rote Ampeln ignoriert.

Sicherheitsgefühl steigt durch Kontrollen

Dass sie bei einer Kontrolle nicht gerade freundlich von den kontrollierten Auto- und Radfahrern empfangen werden, ist für die Beamten nichts Neues. "Die Einsicht fehlt oft, wenn Verstöße begangen werden, da gibt es viele Ausreden und es wird versucht, Beamte zu beeinflussen", sagt Baier.

Doch während der Aktion hätten vor allem Autofahrer positiv reagiert, als sie sahen, dass parallel auch Radfahrer kontrolliert wurden. "Grundsätzlich steigt das Sicherheitsgefühl bei der Bevölkerung, wenn sie sieht, dass die Polizei auf der Straße Verstöße ahndet und alle Gruppen davon betroffen sind."

Blaues Wunder Schwerpunkt

Ein Schwerpunkt der Kontrollen waren das Blaue Wunder und der Schillerplatz. Radfahrer nutzen oft den Gehweg, weil sie sich auf der Fahrbahn nicht sicher fühlen. Damit gefährden sie aber mitunter Fußgänger. "Wir kontrollieren dort mit Augenmaß und stehen nicht sofort hinter dem Brückenbogen, sondern am Schillerplatz", sagt Baier. Doch nicht selten erlebten die Polizisten Radfahrer, die sehr schnell auf dem schmalen Fußweg unterwegs sind, ohne einsehen zu können, was sich hinter der Biegung befindet. Mindestens dreimal waren die Beamten vor Ort und mussten immer wieder Verwarngeld von 20 Euro für Fahren auf dem Gehweg aussprechen.

"Es gab direkt positives Feedback von Fußgängern und einem Stadtbezirksbeirat für unsere Arbeit", sagt Baier. Dennoch weiß er, dass sich die Lage dort nicht so schnell ändern wird. "Es ist am Schillerplatz zu wenig Platz da, um mit einfachen Mitteln Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer zu finden." Deshalb werde es dort auch künftig Kontrollen durch die Fahrradstaffel geben. Auf die kann Baier aber nicht dauerhaft zugreifen, weil die darin tätigen Beamten auch viele andere Aufgaben in der Verkehrsüberwachung wahrnehmen und nicht ständig auf dem Rad unterwegs sind.

Positive Ergebnisse

Die Ergebnisse der Kontrollen hätten gezeigt, wie notwendig die Einsätze der Beamten waren, sagt der Chef der Verkehrspolizei. Neben den oben erwähnten Verstößen wurden bei mehr als 5.000 Geschwindigkeitskontrollen auch 400 Temposünder erfasst, unter anderem am Terrassenufer. Die bekommen in den nächsten Tagen Post. Der Schnellste war mit 33 Kilometern pro Stunde mehr als erlaubt auf der Spitzhausstraße unterwegs.

Als Erfolg wertet Baier, dass Autofahrer den erforderlichen Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern von 1,50 Meter inzwischen akzeptieren und besser einhalten. "Die Bögen um Radfahrer werden größer." Das habe auch die Kontrolle auf der Chemnitzer Straße gezeigt, wo dieses Thema besonders überprüft wurde.

Dagegen mussten auf der Marienbrücke zahlreiche Regelverstöße anderer Art geahndet werden. Die häufigsten: 49 Radfahrer sind nicht auf dem Radweg gefahren, was dort Pflicht ist, sondern auf der Straße. 19 benutzen die Radwege entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung.

Ausgewählt wurden die Orte der Kontrollen auch nach Hinweisen von Dresdnern im Bürgerportal der Polizei. Mehr als 1.400 Hinweise zu Gefahrenstellen sind dort bereits eingegangen. Es ist noch bis zum 12. Juni geschaltet und ist unter folgendem Link zu finden: https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/smi/beteiligung/themen/1024057

Geschwindigkeitsmessungen auf dem Elbradweg

Immer wieder kritisieren Dresdner, dass Radfahrer auf dem Elberadweg rücksichtslos und zu schnell unterwegs sind. "Doch der Weg ist kein Unfallschwerpunkt", sagt Baier, obwohl er weiß, dass es dort auch aufgrund von Fußgängern mit freilaufenden Hunden und Familien, deren Kinder mit Laufrädern von links nach rechts auf dem Weg fahren, immer wieder zu gefährlichen Situationen kommt. "Hier gilt die alte Regel: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. Dafür müssen alle Verkehrsteilnehmer sensibilisiert werden." Es werde aber im Sommer durchaus an einigen Punkten Einsätze mit Geschwindigkeitsmessungen geben.

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Auch die Aktion "Respekt durch Rücksicht" geht dieses Jahr noch weiter. Im Herbst sind weitere Kontrollwochen geplant.

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