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Zeiss-Neubau in Dresden: Mutloser Entwurf

Die weltbekannte Firma will ihren Standort am Dresdner Fritz-Förster-Platz erweitern. Die Pläne dafür fielen in der Gestaltungskommission allerdings durch.

Das denkmalgeschützte Gebäude am Fritz-Förster-Platz soll einen Anbau erhalten und durch einen Neubau im hintern Teil des Grundstückes ergänzt werden.
Das denkmalgeschützte Gebäude am Fritz-Förster-Platz soll einen Anbau erhalten und durch einen Neubau im hintern Teil des Grundstückes ergänzt werden. © René Meinig

Dresden. Im März des vergangenen Jahres wurde der Dresdner Software-Entwickler Saxonia Systems AG von der Zeiss-Gruppe erworben und agiert seitdem unter dem Namen Carl Zeiss Digital Innovation. Nach Angaben des Unternehmens unterstützt die neue Carl Zeiss Digital Innovation die Sparten von Zeiss bei digitalen Projekten und soll bei der Innovation eine führende Rolle spielen. Dazu braucht Zeiss in Dresden weitere Mitarbeiter und mehr Platz, auch weil es Kooperationen mit der Technischen Universität Dresden geben soll. Geplant ist, den Zeiss-Standort am Fritz-Förster-Platz zu erweitern. Die Pläne dafür stellte Holger Baalhorn vom Dresdner Büro Ipro den Mitgliedern der Gestaltungskommission vor.

Danach soll es nicht nur einen Anbau auf der westlichen Seite des denkmalgeschützten Altbaus geben, sondern es soll im hinteren Teil des Grundstückes in Richtung Bergstraße auch ein Neubau entstehen. Baalhorn bezeichnete ihn als Solitär. Zwischen dem Neubau und dem Altbau entsteht ein Platz, der künftig der "Zeiss-Campus" werden soll. Zu diesem Innenhof sollen nach Fertigstellung alle Gebäude ihre Haupteingänge bekommen.

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Über den Campus sollen nicht nur alle Gebäude miteinander verbunden, sondern mit ihm auch die Höhenunterschiede zwischen ihnen ausgeglichen werden. Er ist offen gestaltet, damit auch Studenten von der benachbarten Universität hier die Arbeitswelten kennenlernen können, sagte Baalhorn. Den öffentlichen Charakter verstärkt auch ein Cafè, das im Solitär vorgesehen ist.

Metallfassade soll Technologiecharakter unterstreichen

Um die Technologieaffinität des Auftraggebers Zeiss äußerlich zu symbolisieren, hat die Ipro eine großflächige Metallvorhangfassade in einem Bronzemetallicton geplant, die mit dem warmen Ton des Sandsteines am Bestandsgebäude harmonieren soll. Dabei soll es farbliche Abstufungen geben. Die Fassade soll ohne Gesimse und Überstände auskommen, um den Technologiecharakter zu unterstreichen, so Baalhorn.

In der anschließenden Diskussion musste sich der Architekt allerdings viel Kritik gefallen lassen. "Dieses Projekt hat ein enormes Potential, auch zur Wiedergewinnung des historischen Stadtgrundrisses", sagte Thomas Kaup von der Gestaltungskommission. Die Firma Zeiss könne dort mit einem sehr selbstbewussten Erscheinungsbild auftreten. "Doch während die Idee des Campus sehr gut ist, wirkt ihr Entwurf sehr mutlos und kommerziell", schätzte Kaup ein. Eine Metallfassade mache noch keinen modernen Entwurf aus, dass sei heute Standard.

Kaup empfahl dringend, mit einem Landschaftsarchitekten zusammenzuarbeiten, um Bezüge zur Landschaft aufzunehmen. Anregungen könnte man sich am Allianz-Areal in Stuttgart oder dem Anbau an das Haus Cumberland auf dem Kurfürstendamm in Berlin holen.

Neuer Entwurf soll noch einmal vorgelegt werden

Auch Kaups Kollegin Mikala Halme Samsoe empfahl eine sorgfältigere Analyse der Umgebung. "Die Gebäude gewinnen an Stärke, wenn man weiß, wovon sie sich absetzen sollen."

Der Leiter der Gestaltungskommission, Jürg Sulzer, fasste zusammen, dass dieser Standort für diese Firma neuen Mut braucht. Die Grundfiguren seien plausibel, die Fassaden aber vermittelten zu wenig von dieser Firma in Uni-Nähe. Deshalb solle der überarbeitete Entwurf auf jeden Fall noch einmal der Gestaltungskommission vorgelegt werden.

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Die Visualisierungen des Entwurfes wollte die Firma Zeiss leider nicht zur Verfügung stellen. "Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass in der Gestaltungskommission letzte Woche die allerersten Entwürfe dieses Erweiterungs-Bauprojekts vorgestellt wurden. Diese werden nun, nach dem konstruktiven Feedback der Gestaltungskommission, überarbeitet", scheibt Sprecherin Sarah Hailer. In einigen Wochen wolle man die Überarbeitung einreichen.

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