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Dresden

Dresdens Polizei will dauertwittern

Beim Twitter-Marathon am Donnerstag werden Dresdens Polizisten für 24 Stunden live von ihrer Arbeit berichten – eine Leistungsschau mit Überraschungen.

Polizeikommissar Christian Lehmann gehört seit Anfang 2018 zum Social-Media-Team der sächsischen Polizei. © Marion Döring

Die Polizeidirektion (PD) Dresden wird sich am Donnerstag auf eine etwas ungewöhnliche Art auf die Finger schauen lassen. Die Ordnungshüter versuchen, einen Tag lang fast alle Informationen über den Internet-Dienst Twitter zu veröffentlichen. Es ist wohl der schnellste Kanal im sozialen Netz. Die Beamten wollen damit ihr Publikum auf eine moderne Art ansprechen und dabei auch zeigen, was die Polizei so alles zu bieten hat. Das sagt Thomas Geithner, der Sprecher der PD Dresden.

Ab Donnerstag werden Nachrichten, sogenannte Tweets, dann wieder unter dem Hashtag „#DDrosseLive“ abrufbar sein. DD steht für Dresden, Drossel ist der Funkname der Dresdner Polizei und Live steht für die aktuelle Kommunikation.

Im Mai 2015 habe die Polizei einen ähnlichen Twitter-Einsatz durchgeführt, so Geithner, allerdings nur für wenige Stunden. Da die Pressestelle im April jedoch ihr 100-jähriges Bestehen feiert, habe man sich diesen 24-Stunden-Marathon vorgenommen. Am 23. April 1919 sei das Presseamt in der damaligen politischen „Abteilung B“ gegründet worden.

Das Social-Media-Team der sächsischen Polizei ist zum Glück deutlich jünger. Es wurde 2011 gegründet und besteht derzeit aus sieben Männern und Frauen. Fünf Beamte und zwei Angestellte stehen bereit, wenn bei Großlagen, unerwarteten Einsätzen und anderen medialen Ereignissen Unterstützung aus der virtuellen Welt erforderlich ist. Das kann bei Demos der Fall sein, bei Fußballspielen, Open-Air-Konzerten, um etwa steuernd auf Verkehrsflüsse Einfluss zu nehmen. Oder bei Bombenfunden – oder bei Gefahrensituationen, wenn sich etwa ein bewaffneter Täter in die Königsbrücker Heide absetzt, wie im Mai 2018 passiert.

Ziel ist es, die Öffentlichkeit sehr schnell zu informieren oder warnen zu können. Die ersten Gehversuche dieses Social-Media-Teams fanden bei der Bereitschaftspolizei statt, inzwischen ist die Truppe an die neu gebildete Stabsstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des sächsischen Innenministeriums angebunden. Das sagt ihr Chef Pascal Ziehm. 

Inzwischen hat sein Team mehr als 73.000 Follower bei Twitter und mehr als 80.000 Anhänger bei Facebook. Die Jugend bevorzugt heutzutage Instagram und Youtube – auch dort posten die Beamten Fotos und Videos. Am wichtigsten jedoch sei Twitter – schon wegen der Aktualität und Geschwindigkeit, sagt Ziehm. „Der Algorithmus auf Facebook sorgt dafür, dass Nutzer nur selektive Nachrichten erhalten.“ Das sei auf Twitter anders.

Neben der Transparenz und dem Jubiläum des Presseamts ist den Beamten wichtig, mit ihrem Marathon die Bandbreite ihrer Arbeit darzustellen – darunter auch vieles, was nicht alltäglich zu sehen ist, wie das Schießtraining. Tagsüber stehen drei und nachts zwei Streifen-Teams bereit, um geplante Hotspots anzufahren und auch bei aktuellen Entwicklungen mit Kamera und Tastatur vor Ort zu sein. „Wir hoffen, mit der Aktion auch Nachwuchs zu gewinnen“, sagt Geithner. Polizeibeamter sei „ein cooler Beruf“.

Die Kollegen vom Social-Media-Team und ihre Helfer werden am Donnerstag ab 6 Uhr in zwei Schichten auf Twitter loslegen. Die Nachtschicht beginnt 18 Uhr und endet Freitag, 6 Uhr.