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Flughafen für Schachspieler?

Der Dresdner Airport hat Ideen zur Belebung seines Terminals. Außerdem hofft er auf neue Linien.

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© sächsische zeitung

Von Michael Rothe

Dresden. Auf der Abflugtafel des Dresdner Flughafens war Mittwochmittag schon die Startzeit von Aeroflot nach Moskau am Donnerstag, 13:55 Uhr, angezeigt. Auf solche Weitsicht würde Airport-Chef Markus Kopp gern verzichten, denn das elektronische Tableau im zu jener Zeit fast menschenleeren Terminal hat nur 32 Felder.

Im Sommer soll alles anders werden, hofft Kopp. Dann stünden pro Woche immerhin 225 Starts zu 31 Zielen in 13 Ländern im Plan. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren waren es noch 290 Starts zu 54 Zielen in 17 Ländern - zwei Jahre, nachdem sich der Flughafen in „Dresden International“ umbenannt hatte. Heute muss die Mitteldeutsche Airport Holding, deren Vorstand Kopp ist, die Ziele ihrer Flughafen-Kinder Dresden und Leipzig-Halle zusammenzählen, um diese Dimension zu erreichen.

Kopp lässt sich das Dresdner Tor zur Welt aber nicht schlechtreden. „Die Bilanz 2015 ist insgesamt positiv“, so der Geschäftsführer. Zwar wurden mit knapp 1,73 Millionen Passagieren in den vergangenen elf Jahren nur einmal noch weniger Reisende gezählt. Aber das neuerliche Minus „resultiert ausschließlich aus der Schwäche des Tourismussegments“, und die sei mit den Unruhen in Vorderasien und Nordafrika leicht erklärbar. So seien Tunesien-Flüge um 90 Prozent eingebrochen „und der Verkehr aus Russland praktisch tot“. Wegen der dortigen Wirtschaftskrise und der EU-Sanktionen habe es „keinen einzigen russischen Charter mehr nach Dresden gegeben“, sagt Kopp. Auch die Hoffnung, dass der russische Billigflieger Pobeda in Dresden landet, erfüllte sich nicht - obwohl es dafür bereits einen Winterflugplan gab. Stattdessen düst die 2014 gegründete Aeroflot-Tochter nun nach Köln und Memmingen im Allgäu.

Auch 142 streikbedingte Flugausfälle drückten die Dresdner Bilanz, „und wegen der hiesigen Beherbergungssteuer blieben Reisende fern“, findet Kopp weitere Gründe. Pegida hätte hingegen keinen Einfluss gehabt. Fremdenfeindliche Aktionen seien „ein Image- und weniger ein Zahlenthema“. Das Minus gebe es „im Touristikverkehr, der rausgeht“, während die Linien fast ausnahmslos Zuwächse verzeichneten.

Im Mai kommt mit Amsterdam eine weitere Verbindung und mit der niederländischen KLM ein namhafter Carrier hinzu. Auch wenn der tägliche Flug erst am frühen Abend gehe, sei er wertvoll, so Kopp. Immerhin gebe es dort Anschlüsse nach Madrid, Paris, Edinburgh, London, Rom und Lissabon. Außerdem erweitert Germania im Sommer Dresdens Ferienziele um Malaga (Südspanien) und Paphos (Zypern).

Kopp versteht die Kritik am Airport nicht. „Gemessen an seiner Größe hat Dresden eine bessere Anbindung an die Welt als viele andere deutsche Flughäfen“, sagt er. Die Vokabel „Leerport“ sei fehl am Platz. 2014 hatten Unternehmen, Kammern, Verbände und Wissenschaftseinrichtungen Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) aufgefordert, etwas dagegen zu tun, „dass es am Flughafen immer dunkler wird“. Der Freistaat besitzt gut 77 Prozent an der Flughafen-Holding und je um die fünf Prozent der Anteile an den beiden Flughäfen. Damit hat seine Stimme im Aufsichtsrat Gewicht. „Die ganze Welt rückt näher zusammen - und weg von Dresden“, waren damals ganzseitige Zeitungsanzeigen überschrieben. Verbindungen würden zusammengestrichen, Abflugzeiten gingen am Bedarf vorbei, Unternehmen zögen sich vom Flughafengelände zurück, hieß es. Dresden dürfe „nicht zum Tal der Anschlusslosen“ werden, so die Sorge der Initiatoren.

Die Holding reagierte und verstärkte die Vermarktung. Kopp nennt die Flugplanbroschüre, Werbekampagnen und Messeauftritte wie nächste Woche auf der ITB in Berlin - und die erneute Umstrukturierung für mehr Effizienz. Das hartnäckige Gerücht, wonach die als Chefin abgelöste und nach Leipzig versetzte Bettina Ganghofer bis 2018 ihr Geschäftsführergehalt auf Dresdner Kosten erhalte, dementiert Kopp.

2016 lässt sich gut an für den Flughafen. Bislang wurden - im Februar fast acht Prozent - mehr Passagiere als vor Jahresfrist gezählt. Kopp ist zuversichtlich, dass die Wende geschafft wird. Falls nicht, hat er neue Ideen, „die Dresdner für ihr Terminal zu begeistern“ und will dort „beispielsweise Schach- und Skatturniere organisieren“. Die nötige Ruhe ist bislang vorhanden.

Die aktuellen Verbindungen (Sommerflugplan 2016, ohne Ferienziele):

Düsseldorf, bis zu 7x täglich, Air Berlin, Eurowings

Frankfurt, bis zu 5x täglich, Lufthansa

München, bis zu 5x täglich, Lufthansa

Köln/Bonn, bis zu 3x täglich, Eurowings

Stuttgart, bis zu 2x täglich, Eurowings

Hamburg, bis zu 2x täglich, Eurowings

Zürich, bis zu 2x täglich, Swiss

Amsterdam, täglich, KLM

Moskau, täglich, Aeroflot

Basel, 5x wöchentlich, Easyjet

Barcelona, 2x wöchentlich, Vueling