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Radebeul

Drohnen überm Weinberg

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen helfen, Erträge zu verbessern und Chemie-Einsatz zu verringern.

Schloss Wackerbarth.
Schloss Wackerbarth. © Schloss Wackerbarth

Von Christiane Raatz

Radebeul. Mindestens zweimal im Jahr surrt eine Drohne über die Weinberge von Schloss Wackerbarth rund um Radebeul: im Frühjahr zur Analyse der Reben, im Sommer zur Wärmemessung oder im Winter zur Inventur der Rebstöcke. „Wir sammeln Daten für uns und die künftigen Winzer-Generationen“, sagt Weinbauleiter Till Neumeister. Seit gut fünf Jahren setzt das Weingut auf Drohnentechnik, um sich auch von oben einen Überblick über den Zustand der Reben zu verschaffen.

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Zusammen mit der Firma Vine-Xpert – einer Ausgründung von ehemaligen Studenten der TU Dresden – werden jede Menge Daten gesammelt und ausgewertet. „Die Drohne, die wir im Einsatz haben, ist ausgestattet mit spezieller Technik“, erklärt Neumeister. Diese könne den Stickstoffgehalt im Blatt messen, die Temperatur im Weinberg sowie die Photosynthese-Leistung der Reben.

Das Ganze funktioniert über Sensoren und Kameras. Zusammen mit Bodenanalysen und optischen Eindrücken können die Winzer sehen, wo die Weinreben unterstützt werden müssen – etwa durch Düngung. „So können wir punktgenau bewirtschaften“, so Neumeister. Mit dem Tablet lassen sich die Daten jederzeit mobil abrufen.

Auch die Möglichkeit, die Reben aus der Luft mit Hilfe der Drohnen zu zählen, hat Wackerbart schon getestet. Dafür müssen normalerweise die Mitarbeiter Zeile für Zeile ablaufen – vor allem in den Steillagen keine leichte Aufgabe.

Im vergangenen Jahr hat das Weingut zum ersten Mal Thermalmessungen per Drohne vorgenommen – also die Temperatur im Weinberg digital bestimmt. Würde man das ohne Drohnen machen, müsste man Hunderte Thermometer im Weinberg aufhängen, so Neumeister. Das Ergebnis: Die Temperaturunterschiede – besonders in den Steillagen – sind enorm. Sie belaufen sich auf bis zu zehn Grad innerhalb einer Terrasse. „Die Messungen helfen uns bei der Entscheidung, was das Richtige für die einzelnen Reben ist.“

Das spielt vor allem angesichts immer größerer Wetterextreme wie Hagel, Starkniederschläge und Trockenheit eine Rolle. „Darauf müssen wir reagieren“, so Neumeister. Digitaler Weinbau liefert wichtige Daten, anhand deren die Winzer etwa entscheiden können: Welche Rebsorten eignen sich für welche Lagen? Wo sollte man Blätter stehenlassen, damit die empfindlichen Trauben keinen Sonnenbrand bekommen, wo muss gedüngt oder gespritzt werden? Es gehe um nachhaltigen und ressourcenschonenden Weinbau, betont Neumeister. „Es hilft der Rebe nicht, wenn man zu viel oder zu wenig macht, es muss ein gutes Gleichgewicht sein.“

Sachsens Winzer nutzen zunehmend digitale Technik, um ihre Weinberge zu bewirtschaften. Die Einsatzmöglichkeiten reichten von der Arbeit im Weinberg über den Keller bis hin zur Vermarktung, sagt der Vorsitzende des Sächsischen Weinbauverbandes, Michael Thomas. „Da gibt es viele spannende Ansätze.“

Till Neumeister, Weinbauleiter vom Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth, steht mit einem Tablet im Weinberg vor dem Belvedere. Seit gut fünf Jahren setzt das Weingut auf Drohnentechnik, um sich von oben einen Überblick über den Zustand der Reben
Till Neumeister, Weinbauleiter vom Sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth, steht mit einem Tablet im Weinberg vor dem Belvedere. Seit gut fünf Jahren setzt das Weingut auf Drohnentechnik, um sich von oben einen Überblick über den Zustand der Reben © dpa

Von der digitalen Analyse der Nährstoff- und Bodenversorgung, dem Monitoring von klimatischen Verhältnissen mit Möglichkeiten zu einer computergestützten Bewirtschaftung bis hin zu neuen Wegen in Kommunikation und Verkauf.
„Die meisten Winzer stehen der Digitalisierung offen gegenüber, viele haben großes Interesse“, so Ingolf Römer von der Universität Leipzig, der unter anderem zu Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft forscht. So können zum Beispiel im Rahmen des Experimentierfeldes „Express“ sächsische Winzer und Weinbauern digitale Anwendungen ausprobieren, und bei offenen Infoveranstaltungen und Werkstätten Erfahrungen austauschen. Los geht es bei Sensorik, über Drohnen und Einbindung von Feldrobotern bis hin zur virtueller Realität, erklärte Römer.

„Das kann ein virtueller Gang durch die Weinberge sein, um etwa Arbeitsschritte zu planen. Auch die Vernetzung von Daten oder die Einbindung von 5G spielten eine Rolle“. Meist seien größere Betriebe schon ein Stück weiter, so Römer, weil es für sie leichter umzusetzen sei.

So beschäftigt sich im Weingut Schloss Proschwitz Georg Prinz zur Lippe schon länger mit KI im Weinbau – unter anderem beim Thema Düngen und Pflanzenschutz. Derzeit testet das Weingut eine neue Maschine, die all das wieder einsammelt, was beim Spritzen nicht am Blatt hängenbleibt. Damit können der Einsatz von Pflanzenschutz punktgenau gesteuert und die Umwelt langfristig geschont werden, so Georg Prinz zur Lippe. Etwa 40 Prozent der Pflanzenschutzmittel könnten somit eingespart werden. Der Chef des Proschwitzer Weingutes beschäftigt auch einen Informatiker, der den digitalen Weinbau im Haus voranbringen soll. Es gehe nicht darum, Menschen durch Maschinen zu ersetzen, betonte der Weinbauer. Vielmehr soll die Technik dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen.

Denkbar ist der Einsatz von schnellem Internet (5G), um auch im Weinbau Daten besser miteinander zu vernetzen: zu aktuellem Wetter, Bodenfeuchtigkeit und Nährstoffbedarf. Auch Drohnentechnik ist auf Schloss Proschwitz im Gespräch, zudem kooperiert das Weingut mit den Universitäten in Dresden und Leipzig für Forschungsprojekte im Weinbau. „Man sollte alle neuen Technologien nutzen, um die Weinberge besser zu bewirtschaften“, sagt Georg Prinz zur Lippe. (dpa)

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