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Darum war dieser "Tatort" eine Mogelpackung

Der ARD-Sonntagskrimi „Vom Himmel hoch“  verkauft sich als Politthriller, bleibt aber konstruiert und dröge, findet der SZ-Rezensent.

Von Rainer Kasselt
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Das Ermittlerinnen-Duo: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, rechts) und Johanna Stern (Lisa Bitter)
Das Ermittlerinnen-Duo: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, rechts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) © Sabine Hackenberg/SWR/ARD/dpa

Nun weint sie auch noch. Erst um einen Mann, später um eine Frau. Das ist der mutigen Kommissarin Lena Odenthal, von Ulrike Folkerts zerknirscht und zerfurcht gespielt, noch nicht passiert. Seit 1989 ermittelt sie in Ludwigshafen. Im jüngsten Fall wird sie von ihren Gefühlen überwältigt. Ein altes Spielzeugauto erinnert sie an Kollegen Mario Kopper, mit dem sie 21 Jahre lang durch dick und dünn gegangen ist. „Sag mal, sind das Tränen?“, wird sie von dessen Nachfolgerin gefragt. Später ergreift es Lena mit wildem Weh, als sie in Notwehr eine Attentäterin erschießt und deren Tod bedauert.

Der Tatort „Vom Himmel hoch“ verkauft sich als Politthriller und entpuppt sich als arg konstruierter Krimi. Leider. Das wichtige Antikriegsthema hätte das Zeug zum brisanten Tatort gehabt. Ein Psychiater, der traumatisierte Patienten behandelt, wird ermordet. Zu den Behandelten gehört die Militärangehörige Heather Miller vom deutschen US-Stützpunkt Ramstein. Als Drohnenpilotin hatte sie Terroristen in Syrien gejagt, dabei mehr als drei Dutzend Frauen und Kinder getötet. Die durchtrainierte und auf Befehl getrimmte Soldatin leidet an schweren Depressionen und bereitet einen Anschlag vor. Sie will den Staatssekretär aus dem US-Verteidigungsministerium töten, der in Deutschland erwartet wird.

Gleiches plant recht dilettantisch ein verzweifelter Kurde, der bei einem US-Drohnenangriff im Irak zwei Kinder verlor. Er lebt seit der Flucht bei seinem Bruder in Ludwigshafen und versuchte vergeblich, das Verbrechen öffentlich zu machen. „Erst wenn es knallt, reagieren Politik und Presse“, sagt er. Die Botschaft des Filmes hört man wohl. Allein, es fehlt an Glaubwürdigkeit. Die Dialoge von Autor und Regisseur Tom Bohn wirken hölzern und plakativ. Sätze wie „Wo waren Sie gestern Nacht?“ ziehen sich durch die 90 Minuten. Die Umsetzung ist dröge und verzettelt sich. Ständig steigen die zum Alleingang neigenden Polizistinnen in Autos, öffnen Türen, klingeln an Häusern, hängen am Handy, folgen falschen Fährten.

Besonders hart trifft es Ermittlerin Johanna Stern, mehr blond als recht gespielt von Lisa Bitter. Bereits im vorhergehenden Fall „Waldlust“ wurde sie zusammengeschlagen, diesmal wird sie mit Handkantenschlag außer Gefecht gesetzt. Bloß gut, dass sich Lisa auf ihre Vorgesetzte verlassen kann. Lena Odenthal befreit sie, und beide fallen sich tränenreich in die Arme. Sie haben allen Grund dazu.

Der Krimi "Tatort: Vom Himmel hoch" lief am Sonntag, 9. Dezember, 20.15 Uhr in der ARD.