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Droht jetzt der Schleichverkehr?

Ab 1. Juli müssen Lkws auf Bundesstraßen Maut zahlen. In manchen Dörfern fürchtet man deshalb mehr Lärm.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke, Jens Fritzsche, Jörg Richter und Udo Lemke

Meißen. Demnächst könnte es an vielen Straßen im Kreis lauter werden. Vor allem an Strecken, die sich für tonnenschwere Laster als Schleichweg eignen. Denn ab 1. Juli wird die Maut nicht nur auf Autobahnen, sondern auch auf Bundesstraßen fällig. Die blauen Kontrollsäulen der Firma Toll Collect, die sich ums Kassieren kümmert, stehen schon an zahlreichen Strecken bereit. Sechs sind es allein im Landkreis Meißen. Aber wie groß ist die Gefahr wirklich, dass die Laster jetzt auf Nebenstrecken ausweichen? Die SZ geht dieser Frage nach.

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© Grafik/SZ

Wo könnte es zu Problemen durch Schleichverkehr kommen?
In unserer Region gibt es mittlerweile zwei Mautsäulen. Beide stehen an der B 101 bei Krögis und bei Nossen. Hingegen ist bislang an der B 6 keine solche Säule errichtet worden. Lkw, die Staus auf der A 4 umfahren wollen, fahren an der Abfahrt Dresden-Altstadt ab und nehmen die B 6, um bis nach Meißen zu fahren. Wollen sie nicht die B 101 nehmen, um Maut zu sparen, bleibt ihnen nur die S 177. Die S 83 im Triebischtal entlang, eignet sich für große Lkw nicht. „Die Eisenbahnbrücke in Robschütz ist unser Glück, sie hat nur eine geringe Durchfahrtshöhe“, erklärt Gerold Mann, der Bürgermeister der Gemeinde Klipphausen. Sollte die S 177 in Meißen an der Haarnadelkurve am Plossen wie geplant ausgebaut werden, so befürchtet der Bürgermeister eine starke Zunahme des Lkw-Verkehrs über die S 177. Ansonsten glaubt er nicht, dass der Schleichverkehr mit der Einführung der Maut auf Bundesstraßen zunehmen wird: „Den haben wir doch jetzt schon. Die Lkw-Fahrer haben schon alle Wege ausgelotet. Die Litauer, Polen, Tschechen oder Ukrainer wissen bestens in unserem Gemeindegebiet Bescheid.“ Ein Beispiel für gängigen Schleichverkehr war zuletzt die S 36, die den Ortsteil Tanneberg quert. Durch die Bauarbeiten an der Saubachtalbrücke an der A 4 ergoß sich ein Strom von bis zu 25 000 Fahrzeugen täglich über die Straße, die in normalen Zeiten nur einige Hundert zählt – darunter viele Lkw.

Ein mögliches Problem sieht Gerold Mann in der Verbindung von der B 6 von Niederwartha nach Wilsdruff. Derzeit ist der Weistropper Berg für Lkw nicht mehr zugelassen. Sollte sich das ändern, könnte dies eine der Schleichrouten werden.

Was Lommatzsch betrifft, so erklärt ‚Bürgermeisterin Anita Maaß, dass sie sich mit der Einführung der Bundesstraßenmaut am 1. Juli noch nicht beschäftigt hat. Was ihr Stadtgebiet betrifft, so sind die S 32 und die S 85 mögliche Schleichwege. „Wir haben schon auf der S 32 viel Schwerverkehr. Hinzu kommt in der Erntezeit der landwirtschaftliche Schwerverkehr.“

Welchen Sinn soll die Bundesstraßen-Maut erfüllen?
Es gehe bei der Maut nicht darum, die Lkw-Flucht von der Autobahn auf Bundesstraßen einzudämmen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. „Zumal diese Ausweichverkehre marginal sind“, so Sprecherin Kathleen Brühl. Die Einnahmen sollen steigen und in den Straßenbau fließen.

Droht nun eine weitere Verstopfung der Autobahnen?
Wenn die Bundesstraßen als kostenlose Alternative zu den mautpflichtigen Autobahnen wegfallen, könnte es auch zu einer Zunahme des Lkw-Verkehrs auf den Autobahnen kommen. Doch das sieht das Wirtschaftsministerium anders: „Da bisher nachweislich keine Ausweichverkehre von den Autobahnen auf die Bundesstraßen vorhanden waren, wird durch die anstehende Mautausweitung auch keine Rückübertragung auf die Autobahnen erfolgen.“

Was sagen die Speditionen?

Aus Sicht von Firmenchef Ingo Voigt von der gleichnamigen Riesaer Spedition liegt die Vermutung nah, dass künftig neue Ausweichstrecken gesucht werden. „Allerdings sind die Staatsstraßen noch schlechter ausgebaut. Den Zeitverlust wiegt das, was sie durch die Maut sparen, aber aus meiner Sicht nicht auf. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als die Mehrkosten an unsere Auftraggeber weiterzureichen.“ Ähnlich sieht das Wieland Richter, Spediteur aus Großenhain und Chef des Verbandes des sächsischen Verkehrsgewerbes: „Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, auf andere Straßen auszuweichen. Da geht es knallhart nach Zeit.“