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Durchbruch für die Sidonienstraße

Die Verbindung gab es früher schon. Neue Ideen tauchen jetzt auf. Der Durchstich wäre eine echte Entlastung für die Meißner Straße. Ab dieser Woche passiert schon was auf der Straße.

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© Anne Hübschmann

Radebeul. Es ist ein alter Radebeuler Traum. Die Sidonienstraße führt wieder durch bis zur Forststraße. Eine Entlastung für die Meißner Straße. Eine Abkürzung für viele Autofahrer und Fußgänger, die dann nicht erst über die Meißner müssten, sondern parallel zu den Bahngleisen direkt hinüber gen Osten könnten.

In manchen Stadtkarten ist das sogar noch so eingezeichnet. Allerdings fälschlich. Denn tatsächlich ist die Sidonienstraße kurz hinter der Kiefernstraße eine Sackgasse. Etliche gepflasterte Meter noch, dann ein weißes Eisentor. Und Schluss ist mit dem Weiterfahren oder Spazieren.

Doch die Verbindung gab es schon mal, sagt Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos). Allerdings wurde die Straße zu DDR-Zeiten stillgelegt. Wegen der dort ansässigen Chemiebetriebe. Und genau das ist auch der Grund, weshalb sie zurzeit nicht wieder durchgezogen werden kann. Weil Chemikalien – aus Eisenbahnwaggons- und Anlieferfahrzeugen – für eine Mehrzweck- und Verbrennungsanlage über die Straße geleitet werden müssen. Das aber lassen die Vorschriften nicht zu. Der Umkehrschluss: Die Anlage müsste schließen. Was nicht infrage kommt. Denn der Erhalt der Unternehmen, des Chemiestandortes geht vor, so der OB.

Er weiß, dass das Thema Straßenverlängerung seit 1990 im Stadtrat immer mal wieder angesprochen wurde. Und bei der Idee bleibt es vorerst. Aber die Stadt hält sich die entsprechende planungsrechtliche Option offen. Wir haben es im Hinterkopf, dass das langfristig realisiert werden könnte, sagt Bert Wendsche. Auch deshalb, weil die Produktion im Chemiewerk nicht mehr in der Größenordnung abläuft, wie noch vor Jahren.

Jetzt wird erst mal der vor dem gesperrten Abschnitt befindliche öffentliche Bereich der Sidonienstraße in Ordnung gebracht. 2015 wurden ab Zinzendorfstraße in östliche Richtung Kanal verlegt und Straße ausgebaut. Über den Winter war die Straße dann offen für den Verkehr. Ab dieser Woche soll der Bau weitergehen, zuerst mit dem Kanalbau von Louisen- bis Kiefernstraße und die dann hinauf bis zur Wichernstraße.

Neue Trinkwasserleitung verlegt

Der Mischwasserkanal muss erneuert werden. Oberhalb der Sidonienstraße entstanden viele neue Wohnhäuser, unter anderem im Dichterviertel an der Waldstraße. Nicht mitgewachsen ist der Abwasserkanal. Deshalb kommen jetzt größere Rohre in die Erde. Stahlbetonrohre, 80 Zentimeter im Durchmesser auf der Sidonienstraße, etwas kleinere auf der Kiefernstraße. Mit etwa 600 000 Euro Baukosten rechnet Olaf Terno von der Wasserversorgung und Stadtentwässerung (WSR) GmbH schätzungsweise für die gesamte Strecke. Der Kanalbau ist von der Zinzendorfstraße aus schon weiter vorangekommen als der Straßenbau. Während Fahrbahn und Gehweg nur bis Hellerstraße fertig sind, hat es der Kanal schon bis zur Louisenstraße geschafft.

Die Anwohner haben das Bau-Procedere gerade erst bei ihren Nachbarn miterlebt. Allerdings sind auf der Sidonienstraße jetzt nur drei Hausanschlüsse zu verlegen – im ersten Abschnitt waren es acht. An den Abzweig zur Kiefernstraße kommt ein sogenanntes Kreuzungsbauwerk. Da können die Handwerker einmal bis in den Kanal hinunter, bei einer Havarie, einer Revision oder wenn eine Spülung fällig ist. Auf der Kiefernstraße gibt es sieben Hausanschlüsse und drei Schächte.

Außer dem Abwasserkanal wird eine neue Trinkwasserleitung verlegt. Und auf 215 Metern die Gasleitung ausgewechselt – die Rohre liegen seit 50 Jahren in der Erde. Das verursacht noch einmal Kosten von circa 40 000 Euro, so Terno.

Wie schon im ersten Abschnitt bauen Wasserwirtschaft WSR und Stadt auch hier wieder gemeinsam. Sinnvollerweise, um die durch den Tiefbau in Mitleidenschaft gezogene Straße gleich wieder herzurichten. Auf den 165 Metern zwischen Heller- und Kiefernstraße entstehen für rund 240 000 Euro die auf 6,50 Meter verbreiterte Fahrbahn sowie der Gehweg auf der Nordseite neu.

Gebaut wird das alles vom selben Unternehmen wie 2015, von Baucom Bautzen. Die Kiefernstraße kommt straßenseitig ebenfalls noch dran. Allerdings erst 2017. Deshalb wird der Straße nach Abschluss der Kanal- und Leitungsarbeiten – gebaut werden soll bis November – ein provisorischer Belag aus Asphalt verpasst. Wie 2015 auf der Sidonienstraße.

Die neuen Rohre in der Erde sind auf jeden Fall eine Grundlage, die Straße als Durchstich fortzusetzen. Wann das passieren könnte, lassen die Stadtväter allerdings noch offen.