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Dynamos Problem mit dem Torhüter

Marvin Schwäbe fällt wegen Knieproblemen verletzt aus – und der Trainer muss sich zwischen zwei möglichen Vertretern entscheiden.

© Robert Michael

Sven Geisler

Dresden. Es ist nur noch eine Woche bis zum scharfen Start, und ausgerechnet jetzt klagt Dynamo über einen erhöhten Krankenstand. Jannik Müller dürfte nach seiner Magenverstimmung rechtzeitig fit sein und Marco Hartmann die Muskelverhärtung im linken Oberschenkel auskuriert haben. Doch fest steht, dass Marvin Schwäbe ausfällt. Und das auf unbestimmte Zeit. Der Torwart hatte bereits im Trainingslager in Spanien ausgesetzt, dort war lediglich eine Reizung im rechten Knie festgestellt worden. Doch die Untersuchung bei Mannschaftsarzt Tino Lorenz in Dresden ergab nun einen Meniskusriss.

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Das ist zuerst bitter für den 22-Jährigen und zugleich eine schwierige Situation für die Mannschaft. Dynamo braucht eine neue Nummer eins, und auch wenn man den Fall jederzeit einkalkulieren muss, birgt ein Wechsel auf dieser sensiblen Position immer ein besonderes Risiko. „Mit Markus Schubert und Patrick Wiegers haben wir zum Glück zwei hervorragende Torhüter, die den Ausfall von Marvin kompensieren können“, wird Uwe Neuhaus in der Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Der Trainer muss sich für einen entscheiden, wobei er sich grundsätzlich bereits festgelegt hat: auf Schubert. Der 19-Jährige sitzt seit Saisonbeginn als erster Ersatzmann auf der Bank, musste also darauf gefasst sein, gebraucht zu werden. Neuhaus hat ihn zudem bewusst im Testspiel gegen den Bundesligisten VfL Wolfsburg halten lassen, obwohl Schwäbe zu dem Zeitpunkt noch nicht verletzt war. Er wollte sehen, wie das Talent aus dem eigenen Nachwuchs mit Drucksituationen umgeht. Diesen Härtetest hat Schubert bestanden, allerdings sagt er selbst: „Ich hätte ehrlich gesagt damit gerechnet, dass ich mehr drauf bekomme, mehr halten muss.“

Neuhaus hatte dennoch gesehen, was er sehen wollte, nämlich dass Schubert das Spiel mit dem Fuß beherrscht. „Da hat er viele Situationen hervorragend gelöst.“ Im zweiten Testspiel gegen die U23 von Werder Bremen konnte sich der Keeper erst auszeichnen, als er gegen den auf ihn zu laufenden Isiah Boing die Nerven behielt. Dann ermöglichte er mit einem Stellungsfehler das Gegentor. In der ersten Halbzeit gegen Groningen ließ er sich jedoch von den riskanten Rückpässen seines Mitspielers Florian Ballas nicht verunsichern.

Wiegers kam gegen den niederländischen Erstligisten zu einem 45-Minuten-Einsatz, der gar nicht geplant war, denn eigentlich sollte Schwäbe das Spiel bestreiten. Nun aber musste Neuhaus den 27 Jahre alten Bayern bringen, denn plötzlich könnte er wieder eine Option sein. Immerhin hat er Schubert die Erfahrung aus zehn Zweitliga-Spielen voraus, zudem bei Dynamo 19-mal in der 3. Liga im Tor gestanden.

Obwohl er wusste, dass ihn Schubert in der Rangfolge überholen soll, hat Wiegers seinen Vertrag im Mai vorigen Jahres bis 2020 verlängert. Seine neue Rolle als dritter Mann auf der Tribüne hat er akzeptiert, weil er in Dresden eine Freundin hat und ihm der Verein für drei Jahre eine vergleichsweise lange Planungssicherheit gibt. Den Anspruch, den Platz zwischen den Pfosten zurückzugewinnen, gibt er jedoch nicht auf. „Natürlich, den Ehrgeiz habe ich, will jederzeit bereit sein“, hat er im Gespräch mit der SZ gesagt.

Schließlich gab es auch für den Trainer und Sportgeschäftsführer Ralf Minge gute Gründe, Wiegers nicht fortzuschicken. „Sie wissen, was sie an mir haben, also dass ich immer Gewehr bei Fuß stehe, extrem mannschaftsdienlich bin, mein Ego nicht in den Vordergrund stelle“, meint der Schlussmann im Wartestand. Neuhaus weiß also, dass er auf ihn zurückgreifen könnte, falls sich herausstellen sollte, dass die Beförderung für Schubert doch noch zu früh kommt, womit der Coach nicht rechnet. Er charakterisiert den Rotschopf als Wettkampf-Typ, der das Adrenalin und den Kick brauche.

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Es ist also unwahrscheinlich, dass Dynamo eilig einen Ersatzmann für Schwäbe holt, zumal der zwar einige Wochen, aber wohl nicht bis zum Saisonende ausfällt. Er wird in den nächsten Tagen in Augsburg operiert. „Wir werden in Abstimmung mit den Ärzten und unseren Physiotherapeuten alles Mögliche tun, damit Marvin schnell zurückkehren kann“, meint Neuhaus. Nächsten Donnerstag im Heimspiel gegen den FC St. Pauli wird jedoch ein anderer Dynamos Tor hüten, und viel spricht für Markus Schubert.