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Ehrenamt als Vollzeitjob

Willy Schmitz betreut Alte und Behinderte. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe werden weitere Freiwillige gesucht.

© Steffen Füssel

Von Andreas Weller

Gerda Berthold erhebt sich lächelnd von ihrem Bett, wenn Willy Schmitz ihr Zimmer im Pflege- und Seniorenheim Clara Zetkin betritt. Die 82-Jährige lebt seit 2012 in dem DRK-Heim, Schmitz ist ihr ehrenamtlicher Betreuer. Damals erlitt die Frau einen Schlaganfall und wäre ohne Betreuer wohl aufgeschmissen. Schmitz kümmert sich um die alte Dame und vor allem um ihren Papierkram. Denn die ehemalige Lehrerin ist allein und braucht für alle Formalitäten einen Betreuer, der ihr vom Gericht verordnet wurde. „Ich bin ein Nesthäkchen“, erzählt Berthold: „Meine Geschwister waren deutlich älter und leben schon lange nicht mehr.“

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So wie Gerda Berthold geht es derzeit 5.350 Dresdnern. Sie brauchen jemanden, der sich um ihre Angelegenheiten kümmert. 2.915 Bürger betreuen selbst ihre Angehörigen oder Bekannten, dazu arbeiten in der Stadt 96 Berufsbetreuer, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, Menschen zu helfen. Und dann gibt es die derzeit 130 ehrenamtlichen Betreuer, die sich freiwillig um zunächst Fremde kümmern: Behinderte, Alte, Schlaganfallpatienten, Demenzkranke und alle, die alleine nicht mehr alles schaffen.

Wird die Betreuung vom Gericht angeordnet, ist – je nach Stufe – der Betreuer für Ämtergänge, Vermögensverwaltung, die Verträge mit den Pflegeheimen und alle Dinge, die zu regeln sind, verantwortlich. Schmitz macht auch Arztbesuche mit seinen Betreuten und geht mit ihnen mal einkaufen und spazieren. Derzeit kümmert sich der gebürtige Kölner um acht Menschen parallel. „Pro Person benötige ich etwa vier Stunden pro Woche“, so Schmitz: „Das ist dann schon ein Vollzeitjob, ich versuche, jeden einmal pro Woche zu besuchen, dann muss der Papierkram erledigt werden und einiges mehr.“ Denn jedes Jahr muss ganz genau abgerechnet werden, dass er das Vermögen seiner Schützlinge auch gut verwaltet. Angerechnet werden vom Gesetz aber nur zwei Stunden pro Person, und dafür gibt es 399 Euro im Jahr Aufwandspauschale – ein Ehrenamt eben.

Der Kölner ist seit 17 Jahren in Dresden und war bis zum Eintritt in die Altersteilzeit Controller in einer Behinderteneinrichtung. Jetzt ist er 66 Jahre alt und hat acht Jahre als Betreuer hinter sich: „In der Zeit habe ich mich bestimmt um 50 Personen gekümmert. Bis zum Tod bin ich für sie da gewesen.“ Seine Arbeit mit Behinderten war auch der Anstoß, sich danach ehrenamtlich um Bedürftige zu kümmern. „Ich habe viel gesehen“, sagt Schmitz: „Dabei hatte ich auch häufig mit Berufsbetreuern zu tun. Die können sich gar nicht richtig um die Personen kümmern, weil sie viel zu wenig Zeit haben.“

Deshalb hat Schmitz sich dem Dresdner Betreuungsverein angeschlossen, der die Helfer koordiniert. Einen zweiten Verein gibt es bei der Diakonie. Die Betreuungsbehörde im Sozialamt der Stadt schult die Betreuer und kümmert sich um die Abwicklung. Bestellt wird er aber vom Betreuungsgericht, wenn eine Person aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst erledigen kann. Ein ehrenamtlicher Betreuer kann bis zu zwölf Schützlinge haben. „Das entscheidet aber jeder selbst“, erklärt Katharina Zodehougan vom Sozialamt: „Wer nur eine Person betreuen möchte, kann das tun.“

Stadt sucht neue Betreuer

Da die Menschen auch in Dresden immer älter werden und damit auch der Betreuungsbedarf steigt, braucht die Stadt weitere Ehrenamtliche. „Das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, sagt Zodehougan: „Wir brauchen dringend weitere Betreuer. Die Zahl soll auf 150 erhöht werden, so der Plan von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). „Die persönliche Betreuung bedeutet nicht, dass der Betreuer eine persönliche Pflegeleistung oder hauswirtschaftliche Hilfe leisten muss“, stellt er klar. Die jeweils genaue Art der Betreuung wird vom Gericht angeordnet und nur für die Bereiche, in denen der Betroffene auch betreuungsbedürftig ist. Es geht neben den Formalitäten um Besuche und das Kontakthalten, gegebenenfalls auch telefonisch.

Schmitz beispielsweise möchte das Ehrenamt noch vier Jahre ausüben: „Dann geht meine Frau in Rente, ich werde 70 und brauche bald selbst Betreuung..“ So lange will er aber noch möglichst vielen Menschen helfen. Und Gerda Berthold freut sich jede Woche auf ihn: „Herr Schmitz ist so nett, ich bin sehr zufrieden mit ihm. Es ist gut, dass jemand da ist, der sich um mich kümmert.“ Unmittelbar nach ihrem Schlaganfall hatte sich zunächst ein Neffe von ihr um die alte Dame gekümmert. Aber der lebte in Bayreuth, hatte weite Wege und ist mittlerweile verstorben.

Wer interessiert ist, ehrenamtlicher Betreuer zu werden, kann sich formlos beim Sozialamt, Sachgebiet Betreuungsbehörde, oder telefonisch unter 4889470 melden.