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Ein Bahnhofkäufer steigt aus

Platzt jetzt der ganze Sanierungsplan für Radebeul-West? Das Vorhaben der Stadt hat auch Kritiker.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Der Bahnhof von Radebeul-West, der jetzt wieder, wie vor über 100 Jahren, Kötzschenbroda heißt, ist die Hoffnung des Stadtteils. Die Stadt und der Architekt Thomas Scharrer wollen das Gebäude kaufen und mit der Sanierung die Neugestaltung des Stadtteils um die Bahnhofstraße starten.

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So wurde es jedenfalls bisher verkündet. Doch jetzt steigt einer der beiden Käufer für den Bahnhof aus. Architekt Thomas Scharrer tritt nicht mehr als solcher auf. Darüber informierte jetzt Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) die Stadträte in nichtöffentlicher Sitzung.

Immer wieder war in den vergangenen Monaten gesagt worden, dass der Kaufvertrag schon unterschriftsreif beim Notar liege. Eigentlich sollte alles schon im vorigen Jahr perfekt gemacht werden. Doch die Stadt ließ noch ein Gutachten zum Zustand der Immobilie anfertigen, auch weil Teile des Stadtrates das Projekt mit Skepsis betrachten.

Zuletzt hatte sich OB Wendsche Anfang April von den Stadträten das Projekt Bahnhofsausbau grundsätzlich absegnen lassen. Einschließlich einer kompletten Dachsanierung für knapp eine halbe Million Euro. Allerdings auch wieder mit Auflagen von kritischen Stadträten aus SPD-, Grünen- und der Fraktion der Linken, die erst noch eine Konzeption für die Nutzung des Bahnhofs sehen wollen.

Platzt nun der ganze schöne Plan West? Architekt Thomas Scharrer habe der Stadt mitgeteilt, dass seine Bank das Vorhaben nicht über eine so lange Planungszeit, wie sie die Stadt benötige, mittragen könne. Die Vermutung von Stadträten, dass er die Kaufsumme und dann die später notwendige Sanierungssumme nicht aufbringen könne, stimme nicht, sagt OB Wendsche.

Die Hoffnungen, vor allem der Händler in Radebeul-West, auf die Sanierung ihres Viertels sind groß. Der Bahnhof und dessen Umgebung, so hatte es OB Wendsche wiederholt betont, solle für ein künftiges Sanierungsgebiet der Ausgangspunkt sein. Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos) bezeichnete den Bahnhof gar als Herzstück des künftigen Sanierungsgebiets Radebeul-West. Und der Kaufpreis dürfte für die bisherigen Partner Stadt und Architekt nicht das Problem sein. Bürgermeister Müller nannte zuletzt 170 000 Euro. Der Preis betrug anfangs 225 000 Euro. Wegen der schlechten Bausubstanz konnte ihn die Stadt aber herunterhandeln. Der Anteil der Kommune für den Kopfbau am Bahnhofsvorplatz beläuft sich auf 98 600 Euro.

Wesentlich größer ist der finanzielle Aufwand, den Bahnhof so herzurichten, dass beispielsweise die Stadtbibliothek aus dem Ledenweg hier einziehen kann. Räume für Läden und Büros soll es geben, auch einen Veranstaltungssaal.

Für die Investition, daraus etwas Gescheites zu machen, rechnet Wendsche mit einer ähnlichen Summe wie für den Bahnhof in Ost. „Über die zehn Jahre vom Einzug der Stadtbibliothek bis heute haben wir dort 3,3 Millionen Euro dort investiert.“

Viel Geld, das sich allerdings nur einzusetzen lohne, wenn in Radebeul-West auch private Eigentümer mitziehen. Wenn die Gewerbetreibenden sich zusammenschließen und sagen, was sie hier wollen, wie sie investieren und sich entwickeln wollen. Erst Anfang April hatten Stadt und Denkmalschutzverein in die Bahnhofshalle eingeladen, um den Händlern und Anwohnern erste Vorstellungen zu erläutern. Auch Architekt Scharrer war dabei und erklärte, wie der Bahnhof belebt werden könnte. Im Erdgeschoss die Stadtbibliothek West mit einer Lesehalle, die Freitreppe zur Hälfte aus Sitzstufen bestehend für Lesungen und Ausstellungen. Zum Vorplatz hin ein Café. Im ersten Obergeschoss hinter der Balustrade wieder Platz für die Bibliothek, im zweiten Obergeschoss Büroräume und das hintere Drittel als Architekturbüro.

An der Güterhofstraße sollten wie früher wieder Läden einziehen. Auch für das kleinste Kino der Welt – das jetzt wegen Schimmelbefall geschlossen werden musste – sollte wieder Platz gefunden werden.

Von Bürgern kamen ebenfalls Ideen: Vom Kino ist die Rede. Eine Fahrkartenausgabe mit einer Bürgerinformation und der Touristinfo wird vorgeschlagen. Auch eine öffentliche Toilette wäre wünschenswert, schreiben die Bürger. Ein Lesecafé und ein Tanzsaal im ehemaligen Wartesaal sowie Räume für die Musikschule fänden sie hier passend.

Alles Luftschlösser? Zumal die Kaufoption für den Bahnhof am 31. Mai ausgelaufen ist. Nein, sagt OB Wendsche. Jetzt solle über den Sommer überlegt werden, in der Stadtverwaltung und im Stadtrat. Wie könnte der Bahnhof genutzt werden? Sollte die Stadt ihn alleine kaufen und dann einen Pächter suchen oder ihn mit Auflagen zur Nutzung weiterverkaufen? Wendsche: „Dann können wir bestimmen, was dort hinein kommen soll und können auch Nichtgewolltes verhindern.“

Bis zur einer Kaufentscheidung solle auch noch mit dem Auftrag für die aufwendige Dachsanierung gewartet werden. Auf keinen Fall jedoch wolle die Stadt davon abgehen, Radebeul-West um die Bahnhofstraße aufzuwerten.