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Ein bisschen Hanoi

Huang van Hoan hat Wort gehalten. Nach einem Gemüseladen eröffnete er mit seiner Frau ein Restaurant.

© Gerhard Schlechte

Von Jürgen Müller

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Lommatzsch. Es ist Sonntagmittag, halb zwölf in Lommatzsch. Normalerweise ist die Stadt menschenleer zu dieser Zeit an solch einem Tag. Vergangenen Sonntag ist das anders, zumindest auf der Meißner Straße 12 herrscht reger Betrieb. Das Restaurant „Vietnamese Home Kitchen“ hat neu eröffnet, es ist brechend voll, alle 47 Plätze an den Tischen sind besetzt. An der Theke stehen Leute Schlange, die Essen mit nach Hause nehmen wollen. Mitten drin im Gewühl Huang van Hoan und seine Frau Quynh Giao Vu Thi. Mit einem solchen Ansturm haben die beiden wohl nicht gerechnet, mit großem Andrang am Eröffnungstag aber schon. Viele aus der Familie helfen an diesem Tag deshalb mit.

Das sanierte gelbe Haus sticht auf der Meißner Straße hervor.
Das sanierte gelbe Haus sticht auf der Meißner Straße hervor. © Gerhard Schlechte
So sah es vorher aus. Früher befand sich hier die Bäckerei Hennig.
So sah es vorher aus. Früher befand sich hier die Bäckerei Hennig. © Gerhard Schlechte

Huang van Hoan ist in Lommatzsch kein Unbekannter. Bereits seit Dezember 2016 betreibt der 35-Jährige ein Obst- und Gemüsegeschäft ebenfalls an der Meißner Straße. Schon damals sprach er davon, in der Nähe ein vietnamesisches Restaurant zu eröffnen. Er müsse aber erst einmal Geld verdienen.

Nun ist es so weit. Unterstützt hat ihn dabei seine ganze Familie. Sein Bruder, der in Deutschland geboren wurde und derzeit Betriebswirtschaftslehre studiert, lieh ihm Geld. Für gerade mal 2 900 Euro kaufte Huang van Hoan das Haus, in dem sich einst die Bäckerei Hennig befand. Jetzt sticht das gelbe Haus auf der tristen, grauen Straße nach der Sanierung hervor. Es entstand nicht nur ein Restaurant, sondern Huang baute im Obergeschoss eine Wohnung aus, in der er nun mit Frau und Kind lebt. Gemeinsam betreiben sie auch das Restaurant. Doch auch das Gemüsegeschäft bleibt erhalten. Darum kümmert sich jetzt Huangs Schwester.

Die Vietnamesen schließen in Lommatzsch sozusagen eine Marktlücke. Vietnamesisches oder chinesisches Essen gibt es nämlich in der Stadt bisher nicht. Jetzt aber ist ein bisschen Hanoi auch in Lommatzsch eingezogen. „Die vietnamesische Küche unterscheidet sich aber sehr von der chinesischen. Sie ist weniger süß, weniger scharf und auch gesünder“, sagt Quynh Giao Vu Thi. Sie hat schon in Vietnam in einem Restaurant gearbeitet, lernte dort ihren Mann kennen, als dieser auf Heimaturlaub war.

Seit sechs Jahren lebt sie in Deutschland. „Uns haben viele Leute angesprochen. Sie freuen sich, dass in Lommatzsch etwas Neues entsteht“, sagt die 39-Jährige und lächelt. Auf der Speisekarte stehen rund 100 verschiedene Gerichte. Erdnuss-Kokossuppe gehört dazu ebenso wie Garnelen oder Tintenfisch, gebratenes Hähnchen in vielen Variationen, gebackene Ente, Tofu, gebratener Reis und gebratene Nudeln. Und natürlich das vietnamesische Nationalgericht Pho Bo. Dazu gibt es auf Wunsch vietnamesisches Bier. Wie schmeckt das? Quynh Giao Vu Thi überlegt kurz, lächelt und sagt dann: „Das kann man nicht beschreiben, das muss man probieren. Es ist jedenfalls etwas ganz Besonderes“. Es wird tatsächlich in Vietnam gebraut und eingeflogen. Wessen Geschmack es nicht ist, der bekommt aber auch deutsches Bier serviert.

Huang van Hoan, dessen Eltern einst in der DDR Vertragsarbeiter waren, nach Auslaufen ihres Vertrages nach Vietnam zurückkehren mussten und 1993 wieder nach Deutschland kamen, hat sich einen Traum erfüllt. Weitere Vorhaben hat er erstmal nicht. Als er mit seinen Eltern nach Deutschland kam, war er zwölf Jahre, sprach kein Wort Deutsch, hatte es auch deshalb in der Schule schwer. Mit 18 machte er einen Laden in Riesa auf, später in Leipzig. Doch es funktionierte nicht. Er kehrte nach Vietnam zurück, wollte sich auch dort selbstständig machen. Doch die Heimat war ihm inzwischen fremd geworden. Er kam zurück nach Deutschland, hat inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Lommatzsch ist jetzt seine neue Heimat, hier will er bleiben. „Wir wurden hier sehr gut aufgenommen, und auch die Stadt hat uns sehr gut unterstützt“, sagt er.

Das Restaurant hat von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 15 sowie von 17 bis 22 Uhr geöffnet. Montag ist Ruhetag, es sei denn, dieser fällt auf einen gesetzlichen Feiertag.

Auch Familienfeiern wie Jugendweihen, Geburtstage und Schulanfang sind in dem Restaurant möglich. Wer einen Termin haben will, muss sich aber sputen. Für die nächste Zeit ist das Vietnamese Home Kitchen nämlich nahezu ausgebucht.