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Ein Dorf – ein Plan

In Schönau-Berzdorf hat die Dorfumbauplanung begonnen. Zukunftsideen sollen vor allem von den Bürgern kommen.

© Rafael Sampedro

Von Susanne Sodan

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Schönau-Berzdorf. Der Winter holt gerade nach, was er bisher versäumt hat. Deshalb wird bis Ende März wohl auch noch nicht mit sprießendem Frühlingsgün an den Bäumen und Sträuchern zu rechnen sein. Kein Grün, das irgendwas verdecken oder beschönen könnte – beste Voraussetzungen für den Dorfspaziergang. Normalerweise will man bei einem Spaziergang eher die schönen Seiten eines Ortes genießen. Den Schönauern und Kiesdorfern geht es aber genau um das Gegenteil. Sie wollen bei ihren Dorfspaziergängen sehen, wo es nicht so schön aussieht, wo Änderungsbedarf in ihren Orten besteht, welche Problempunkte sie mithilfe des Dorfumbauplanes verändern wollen. Die Dorfbegehung in Schönau wird am 23. März stattfinden, die in Kiesdorf am 14. April. Erste Gedanken zu den Problemzonen beider Ortschaften haben sich die Anwohner bereits gemacht, bei Bürgertreffen vor einigen Wochen.

Worum geht es bei der Dorfumbauplanung?

Die Gemeinde Schönau-Berzdorf hat vor reichlich anderthalb Jahren beschlossen, einen Dorfumbauplan aufzustellen. Das ist ein Instrument zur Dorfentwicklung, das über das Förderprojekt Leader unterstützt wird, erklärt eine Mitarbeiterin des Görlitzer Planungsbüros Richter + Kaup. Jede der Gemeinden, die einen Dorfumbauplan entwickelt, wird dabei von einem Planungsbüro begleitet, in Schönau-Berzdorf sind es Richter + Kaup. Die Ideen für nötige Veränderungen sollen aber von den Bürgern selber kommen. Sie wissen letztendlich am besten, welche Probleme im Ort bestehen. „Man findet sonst vielleicht gar nicht die richtigen Ideen“, hatte Julia Nawroth von Richter + Kaup kürzlich gesagt. Der erste Schritt ist in beiden Schönau-Berzdorfer Ortsteilen, also in Schönau und in Kiesdorf, bereits gemacht worden. Bei den Bürgertreffen in beiden Ortschaften sind erste Ideen genannt worden:

Welche Probleme wurden beim Schönauer Bürgertreff angesprochen?

Grundschule, Kindergarten, Arzt, diese Institutionen hat Schönau-Berzdorf zu bieten, „dennoch vermissen viele Einkaufsmöglichkeiten und eine Gaststätte im Ort – Versorgungs- und Treffpunktmöglichkeiten, die für die Dorfgemeinschaft wichtig sind“, teilt Julia Nawroth in einer Zusammenfassung aus dem ersten Schönauer Bürgertreffen mit. Vieles werde zwar durch die mobilen Händler abgedeckt, sagt auch Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos). In Kiesdorf gibt es außerdem den Gener-Markt, auch das benachbarte Bernstadt hat einen Supermarkt. Aber direkt im Ort Schönau sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten sehr dünn aus. „Es ist allerdings ein Punkt, bei dem die Gemeindeverwaltung nicht viel leisten kann“, erklärt Hänel. Die Gemeinde kann zwar passende Standorte anbieten, aber am Ende entscheiden Händler und Handelsketten selbst, an welchen Standorten sie ein Geschäft aufmachen. Und auch, wo sie sich zurückziehen. Vergangenes Jahr hatte zum Beispiel ein Bäcker seine Filiale in Schönau geschlossen.

Zweiter großer Punkte: die Fuß- und Radwege. „Für Bewohner und Gäste ist die Ausweisung einer Radwegeverbindung an die Blaue Lagune sehr wichtig“, erklärt Julia Nawroth. Ein durchgängiger Radweg, der vom Eigen an der Pließnitz entlang und bis zum See führt, das ist nicht nur in Schönau ein Wunsch, sondern auch in der Nachbarkommune Bernstadt. Ein etwas kleineres Wege-Projekt wäre der Fußweg an der Hauptstraße in Schönau. Er ist in keinem guten Zustand mehr, hat Löcher und Senken. Im Januar hatte Christian Hänel im Gemeinderat erklärt, dass der Fußweg bereits auf der Agenda vermerkt ist. Kurzfristig lässt er sich aber nicht sanieren. Denn unter dem Gehweg verläuft eine Wasserleitung, die ebenfalls erneuert werden muss, allerdings nicht von der Gemeinde. Sie würde den Gehweg gerne dann mit in Angriff nehmen, wenn auch die Wasserleitungen dran sind.

Der dritte Punkt geht in eine ganz andere Richtung: Auf dem Friedhof müsste was getan werden, fanden Anwohner beim Schönauer Bürgertreffen. Einige ältere Gräber, erklärt Hänel, wuchern langsam zu. Und auch für die Kirche selbst wären innen wie außen Sanierungsarbeiten nötig.

Was sind die Schwerpunkte in Kiesdorf?

Sanierung, das ist für manches alte, leer stehende Gebäude in Schönau-Berzdorf ein ferner Traum. Wie soll es weitergehen mit einigen dem Verfall preisgegebenen Gebäuden? Das war sowohl in Schönau wie auch beim Bürgertreffen in Kiesdorf eine Frage. Wofür kann man sie nutzen? Ist eine Sanierung überhaupt noch möglich? Für die Häuser, die noch erhaltenswert sind, würde sich der Kiesdorfer Ortsvorsteher Steffen Wilke junge Familien als neue Bewohner wünschen, erzählt er. Auch dieses Thema kam in beiden Bürgertreffen auf: Wie man junge Menschen halten oder als neue Bewohner anziehen kann.

Viele Voraussetzungen dafür seien in Kiesdorf gegeben, sagt Steffen Wilke. Er selber fühlt sich hier wohl. Die Kita sei gut ausgelastet, der Weg zur Grundschule in Schönau machbar. An der Oberen Straße gibt’s noch Bauland, mit dem Kiesdorfer Grund liegt eine schöne Umgebung vor der Haustür. Was aber fehlt, sind günstige Wege ein Stück über die Hausschwelle hinaus. Das war das zweite große Thema in Kiesdorf: der öffentliche Nahverkehr. Gerade außerhalb der Schulbuszeiten sei man in stark aufs Auto angewiesen, am Wochenende sowieso. Und auch beim Schülerverkehr sind manche Verbindungen problematisch. Zur Grundschule Schönau, zur Oberschule Bernstadt und Richtung Herrnhut seien die Schulbusverbindungen gut. Kompliziert wird es, wenn ein Kind eine Schule in Görlitz oder Zittau besuchen will. „Wir wollen aber interessant bleiben für junge Menschen“, sagt Wilke. Für die Häuser, für die Vereine, für das Leben im Dorf. Mobil zu sein, ist für viele junge Menschen dabei eine Grundvoraussetzung.

Was sind die nächsten Schritte beim Dorfumbauplan?

Der nächste Schritt sind also die Ortsbegehungen. Dort sollen weitere Eindrücke und Ideen gesammelt, vielleicht schon konkretisiert werden. Das Planungsbüro unterstützt die Gemeinde und die Bürger dabei, diese Schwerpunkte zu ermitteln und gibt auch Handlungsempfehlungen. Gerade leerstehende Gebäude und Brachflächen sind in vielen ländlichen Gemeinden Thema. In den kommenden Monaten wird gemeinsam mit den Planern überlegt, welche Maßnahme man wie und mit welcher Finanzierung realisieren könnte.