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Ein Haus unter Schock

Nach dem Feuer in der Dr.-Scheider-Straße ist das Entsetzen unter den Mietern weiter groß. Einige wollen ausziehen.

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© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Fünf Tage nach dem Feuer in der Dr.-Scheider-Straße 19 sind die Hausbewohner von Normalität noch weit entfernt. Unbekannte Besucher werden im Treppenhaus argwöhnisch beäugt. Am Hauseingang hat die Hausverwaltung provisorisch eine dünne Bautür aus Metall anbringen lassen. Und im Innenhof liegen noch immer die Reste des Kinderwagens, der am vergangenen Mittwoch gebrannt hat. „Der Gutachter der Versicherung muss noch kommen, um sich die Schäden anzusehen“, erklärt Mieterin Renate Sakschewsky. Vorher werde im Haus nicht mehr aufgeräumt als nötig.

Seit 2010 hat Sakschewsky ihr Büro im obersten Stockwerk des Hauses. Wer durch den Hausflur läuft, hinterlässt auf ihrem Parkettboden tiefschwarze Abdrücke. Sakschesky winkt ab. „Ich muss zurzeit sowieso fünfmal am Tag wischen.“ Dann zeigt die Finanzberaterin ein Foto, das sie mit ihrem Handy gemacht hat. Schwarze Rußspuren zeigen, dass der Rauch unter der Tür in die Wohnung gezogen ist.

Am Ende sei es vor allem Glück gewesen, dass die Mieter aus dem Erdgeschoss den Brand bemerkt und schnell reagiert hätten. „Die Mieter in den oberen Stockwerken saßen wie in einer Mausefalle.“ Bei dem Feuer hatten eine 20-Jährige und ein wenige Tage alter Säugling schwere Rauchgasvergiftungen erlitten. Nach SZ-Informationen sind beide mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Hausbewohner stehen weiterhin unter Schock, sagt Renate Sakschewsky. „Die Älteren sind völlig entsetzt.“ Und eine junge Familie plane wegen des Brandes bereits ihren Auszug.

Auch bei Renate Sakschewsky sitzt der Schock noch tief. Ein Bekannter habe sie am Mittwoch angerufen, als er den Feuerwehreinsatz bemerkte, sagt Sakschewsky. Noch in der Nacht geht sie mit der Feuerwehr nach oben und versichert sich, dass das Büro weiter bewohnbar ist. Schon da habe sie geahnt, was auf sie zukommen wird. Fenster, Möbel, Wände: Fast die gesamte Wohnung ist von einem Rußfilm überzogen. „Am nächsten Morgen habe ich in meiner Verzweiflung gleich eine E-Mail an Freunde und Verwandte geschickt“, erzählt sie. „Ich möchte mich von ganzem Herzen bei diesen Menschen bedanken. Ohne ihre Hilfe wäre ich aufgeschmissen gewesen.“

Gemeinsam mit den acht Helfern, die sich spontan gemeldet hätten, sei das Büro auf Vordermann gebracht worden. „Meine Freundin hat gleich die Regie übernommen“, so Sakschewsky, „ich stand noch unter Schock“. Bis in die Abendstunden hätten die Arbeiten gedauert. Eine Firma soll noch einmal kommen und die Wände reinigen, immerhin zahle die Versicherung die Schäden. Sie hoffe nur, dass auch die anderen Mieter eine Hausratversicherung haben, um nicht auf den Kosten sitzenzubleiben.

Entsetzt ist die Finanzberaterin in erster Linie darüber, dass der Brand offenbar vorsätzlich gelegt wurde. „Da hat jemand bewusst in Kauf genommen, dass Menschen ums Leben kommen.“ Sie hoffe, dass der oder die Täter gefasst und hart bestraft werden. Wann die Polizei erste Erfolge vermelden kann, ist derzeit noch unklar. Am Montag war auf Anfrage nur wenig Neues zu erfahren. Die Ermittlungen dauerten an, erklärte Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion in Dresden. „Ein Tatverdächtiger ist noch nicht ermittelt worden.“ Weitere Informationen wollte Laske angesichts der noch laufenden Ermittlungen nicht bekannt geben.