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Ein Holzbau der Moderne

Niesky in der Oberlausitz stand einst für die Fertigung von Holzhäusern. Vier Siedlungen mit mehr als 100 Holzbauten prägen bis heute das Stadtbild. Das Wachsmann-Haus ragt besonders heraus und wurde jetzt saniert.

© dpa

Niesky/Caputh. Der Architekt Konrad Wachsmann (1901-1980) gilt als Pionier industriellen Bauens. Zwei seiner Holzbauten in Deutschland haben die Jahrzehnte überdauert: das Landhaus, das Wachsmann für den Physiker Albert Einstein in Caputh bei Potsdam entwarf, und ein Holzhaus in Niesky (Landkreis Görlitz). Das Haus in der sächsischen Oberlausitz fristete jahrelang ein trauriges Dasein - doch nun ist diese Ikone der Moderne originalgetreu wiederhergestellt. Am 25. April werde das frisch sanierte Baudenkmal feierlich übergeben, sagte die Leiterin des Hauses, Claudia Wieltsch.

Der Architekt Wachsmann gilt als Pionier des industriellen Bauens.
Der Architekt Wachsmann gilt als Pionier des industriellen Bauens. © dpa

Der in Frankfurt (Oder) geborene Architekt jüdischer Abstammung emigrierte 1941 in die USA. Das Haus in Niesky entwarf Wachsmann für ein Vorstandsmitglied von Christoph & Unmack. In dieser auf Holzbauten spezialisierten Firma begann er 1926 seine Karriere. Bis 1929 arbeitete er in dem Unternehmen, das seinerzeit Fertighäuser in die ganze Welt exportierte. So lieferte es etwa die Teile für die deutsche Botschaft in Ankara oder für ein heute nicht mehr existierendes Hotel auf der Zugspitze, das Schneefernerhaus.

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Zu DDR-Zeiten war das „Direktorenwohnhaus“ in Niesky Sitz der FDJ-Kreisleitung. Seit 1990 stand das in Blockbauweise errichtete Haus leer. Die Stadt Niesky kaufte es schließlich 2005 und ließ es für nach offiziellen Angaben rund 1,6 Millionen Euro von 2010 an sanieren. Auch die Wandfarben in den Räumen seien dabei nach dem Konzept von Wachsmann rekonstruiert worden, erläuterte Wieltsch.

Im September soll das Baudenkmal als Ausstellungs-, Kultur- und Informationsforum für Holzbauten der Moderne öffnen, kündigte Wieltsch an. Die Dauerschau werde sich der Firmengeschichte von Christoph & Unmack sowie dem Leben und Werk von Wachsmann widmen. Dokumentiert werden auch Werke anderer berühmter Architekten wie Hans Scharoun (1883-1972) oder Henry van de Velde (1863-1957), die ebenfalls zeitweise für die Nieskyer Firma arbeiteten.

Die Kommune würde das Wachsmann-Haus auch gern als Forschungszentrum etablieren. Im Obergeschoss werden dazu eine Bibliothek mit umfangreicher Literatur zum Holzhausbau sowie Lese- und Seminarräume eingerichtet. Im Keller zieht das Stadtarchiv ein. Das ehemalige Speisezimmer mit dem Wintergarten im Erdgeschoss könne künftig für Trauungen, Tagungen oder andere Veranstaltungen genutzt werden, sagte Wieltsch. (dpa)

›› Weitere Informationen unter wachsmannhaus.niesky.de