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„Ein Kind ist das Schönste“

Am Sonntag ist Muttertag. Hilfe auf dem Weg ins Muttersein finden Corinna und Mary auch bei der Kinderarche in Kamenz.

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© René Plaul

Von Birgit Andert

Kamenz. Corinna und Leonie waren ein gutes Team. Mutter und Tochter lebten fünf Jahre lang in einer kleinen Wohnung in Bautzen und kamen mit Unterstützung einer ambulanten Familienhilfe gut klar. Bis Leonie von einem Tag auf den anderen ganz schwach wurde, nicht mehr ansprechbar war, durch ihre Mama hindurchschaute. „Ich habe das Kind angepackt und bin ins Krankenhaus“, erinnert sich Corinna an diesen schlimmen Tag. Von dort ging es sofort mit dem Hubschrauber nach Dresden: Leonie hatte eine schwere Diabetes.

Plötzlich stand auf der Kippe, ob Corinna sich weiter um ihr Kind würde kümmern können. Nach vier Wochen Krankenhaus wurde Leonie in die Reha nach Kreischa entlassen und dort mit einer Insulinpumpe ausgestattet. „Ich wusste, dass ich das allein nicht schaffen würde“, sagt Corinna, „die Pumpe, die Schläuche, das Insulin, das ständige Messen und Piksen da machst du einen kleinen Fehler, und das Kind ist tot.“ Als ihr vorgeschlagen wurde, in eine Mutter-Kind-Einrichtung (MuK) zu gehen, um den Umgang mit der Krankheit zu erlernen, war die 34-Jährige sofort einverstanden. Zumal bei ihrem Kind inzwischen auch noch eine Zöliakie festgestellt worden war, also eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit gegen Gluten.

Der Anfang war schwierig

Trotzdem war der erste Tag bei den „Kleeblatt-Wichteln“, der Kamenzer Mutter-Kind-Gruppe der Kinderarche Sachsen, schlimm für Corinna. „Es war eine totale Umstellung, plötzlich mit fünf anderen Müttern zusammenzuleben.“ Und doch: Sie wusste, ohne Hilfe würde sie mit ihrem Kind nicht zusammenbleiben können, und ließ sich deshalb auf das Abenteuer ein. Mit Hilfe der Erzieherinnen und eines Pflegedienstes lernte sie Stück für Stück, wie sie bei Leonie den Blutzuckerspiegel misst, wie sie an der Pumpe die Dosis anpasst und aller zwei Tage die Schläuche wechselt, welche Nahrungsmittel Leonie verträgt und welche sie ersetzen muss.

Nach einem Jahr bei den „Kleeblatt-Wichteln“ fühlt sich Corinna jetzt sicher im Umgang mit der Krankheit. Und so zieht sie am 31. Mai zusammen mit Leonie in eine eigene Wohnung. Doch vorher feiert sie – auch mit Leonie – am Sonntag noch Muttertag. „Ich werde meine eigene Mutter anrufen“, sagt sie, „und ich weiß, dass auch Leonie für mich schon ein Geschenk hat.“

Auf ein Geschenk von ihrem Kind kann sich Mary in diesem Jahr noch nicht freuen. Die 23-Jährige wohnt zusammen mit Corinna im MuK Kamenz, allerdings ist ihre Tochter Lisa erst zehn Monate alt. Dennoch ist sie schon jetzt ihr größter Schatz. „Nach dem Tod meiner Mutter 2011 habe ich alles stehen und liegengelassen“, sagt Mary. Sie schmiss das Freiwillige Soziale Jahr hin, hatte keine Wohnung mehr, zog von einem Freund zum anderen. Und dann wurde sie schwanger. Sozusagen um sich selbst zu retten. „Ich wusste, dass ein Kind vieles verändert im Leben“, sagt sie, „ich wollte mich damit zur Vernunft bringen.“

Der ganze Stolz der Mutter

Weil sie keine Wohnung fand, wandte sich Mary ans Jugendamt und bekam einen Platz im MuK angeboten. Ihre kleine war zwölf Tage alt, als die beiden zu den „Kleeblatt-Wichteln“ kamen. Inzwischen zieht sie sich an allem hoch, babbelt fröhlich vor sich hin und ist der ganze Stolz ihrer Mutter. „Ein Kind ist das Schönste, was es gibt.“

Trotzdem wird sie am Sonntag nichts anders machen als sonst. „Der Muttertag war für mich noch nie etwas Besonderes“, sagt die junge Frau, die im August eine Ausbildung zur Krankenpflegehelferin beginnen wird. „Ich finde, eine Mutter sollte jeden Tag geliebt und geehrt werden.“