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Ein Kupferstich für das Zittauer Museum

Stadtrat Andreas Manschott lässt mit einer Schenkung eine alte Tradition wieder aufleben. Den Museumschef freut’s.

© Rafael Sampedro

Von Mario Heinke

Zittau. Kreuzigung heißt der Kupferstich von Aegidius Sadeler. Das Blatt stellt die Kreuzigung Jesu in einer dramatischen Szenerie dar. Das Kreuz Christi ist leicht aus der Mitte gerückt und wird von den Schächerkreuzen flankiert, wobei man den bösen Schächer, der Jesus im Angesicht des Todes noch verhöhnt hatte, halb von hinten sieht. Solche dramatischen Kompositionen sind typisch für die manieristische Kunst des 16. Jahrhunderts. In Zittau und in der Oberlausitz war die Darstellung bekannt, wie mehrere nach dieser Vorlage gefertigte Gemälde zeigen. Den monetären Wert des wertvollen Stichs des Antwerpener Künstlers will Stadtrat Andreas Manschott (FBZ) nicht verraten. Er kaufte den Kupferstich auf dem Kunstmarkt von einem Sammler aus Sachsen und schenkte ihn den Zittauer Museen.

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Anlässlich der großen Epitaphienschau im vergangenen Jahr lieh das Zittauer Museum Sadelers Kupferstich, von dem nur noch wenige Exemplare existieren, von den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden aus, weil auch der Zittauer Maler Friedrich Kremsier den Stich als Vorlage für das Altarbild des Hochaltars der Zittauer Kreuzkirche nutzte. Der Altar wurde im Zuge des Wiederaufbaus der Kirche um 1654 nach Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg errichtet und vom Bürgermeister Christian Hartig gestiftet. Sadelers Stich diente bereits 1624 beim Epitaph Franck/Klement einem anderen Maler als Vorlage. Das große Altarbild in Öl auf Holz, auf dem wahrscheinlich auch ein Selbstporträt des Malers Friedrich Kremsier zu sehen ist, hängt heute neben der kleineren Vorlage, dem Kupferstich, in der restaurierten Franziskanerklosterkirche St. Peter und Paul, in der das Museum den Zittauer Epitaphienschatz präsentiert. Den geliehenen Kupferstich aus Dresden muss Museumsdirektor Peter Knüvener wieder zurückgeben, die Schenkung Manschotts ersetzt nun dessen Platz in einem klimatisierten Rahmen. Knüvener ist froh auch künftig zwei Originale nebeneinander zeigen zu können – eine einzigartige Zusammenstellung, die es nirgends anders zu sehen gibt.

„Zittau hat mir viel gegeben, seit ich 1990 hierher kam“, sagt Andreas Manschott, der für die Freien Bürger Zittaus im Stadtrat sitzt, ohne der Fraktion anzugehören. Er möchte mit der Schenkung seine tiefe Verbundenheit zur Stadt dokumentieren. Früher gehörte es unter den Stadträten zum guten Ton dem Museum wertvolle Stücke zu überlassen oder zu schenken. Im Zittauer Donatorenbuch, dem Schenkerverzeichnis der Stadt, sind die Namen und Exponate für alle Zeiten festgeschrieben. Peter Knüvener meint, das Buch könne jederzeit fortgeschrieben werden. Sadelers Stich gehört dann wohl zu den ersten Einträgen der Neuzeit. Sadeler stammte aus einer Kupferstecherfamilie in Antwerpen. Zunächst stellte er Kupferstiche nach Vorlagen von Raffael, Tintoretto, Dürer und Tizian her, später beschäftigte er sich mit Porträt-Stichen. Er war in München, Venedig, Rom und Prag tätig, wo er ab 1597 Kupferstecher am Hof Rudolfs II. war.