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Ein Lebensgefühl, geformt aus Lehm

Jens Jannasch aus Oppach baut und saniert ökologisch. Mit überlieferten Handwerkstechniken schafft er Wohnraum mit natürlicher Wärme.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

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Mehr als 200 Jahre hat das Umgebindehaus auf dem Buckel, das Jens Jannasch und seine Mitarbeiter derzeit in Cunewalde sanieren. Noch ist es nicht fertig, aber es ist bereits zu sehen, dass es ein Schmuckstück wird. „Und das hält dann weitere 200 Jahre“, ist der Geschäftsführer des gleichnamigen Baugeschäftes in Oppach überzeugt. Zugleich ist er der Chef der Firma Naturbaustoffe, die ebenfalls in Oppach unmittelbar am Schulteich angesiedelt ist. Das Umgebindehaus, das er für eine Dresdener Familie, die nach Cunewalde zieht, umfassend saniert, wird modernen Ansprüchen an Wohnen und Leben voll entsprechen. Jannasch und sein Team geben dem alten Gebäude seinen Charme zurück. Trotzdem müssen die künftigen Bewohner auf modernen Komfort nicht verzichten: Fußbodenheizung, Wandheizung, ein modern gefliestes Bad sind bereits eingebaut. Alles unter ökologischen Aspekten, auch die Dämmung. An den Wänden sind Dämmplatten aus natürlichen Fasern angebracht, auch in der Blockstube. Die hölzerne Täfelung der Blockstube ist aufgearbeitet worden und wird demnächst wieder angebracht. Von der Dämmung ist dann nichts mehr zu sehen. Im Obergeschoss sind die tragenden Holzbalken zu sehen, die Holzdecken mit ihren Balken sowieso. Auch sie sind aufgearbeitet worden. Zwischen den Holzbalken ist die Wand mit Lehm verputzt. Der wird noch nach den Wünschen der Bauherren mit Lehmfarbe gestrichen.

Baubiologie und Bauphysik spielen für Jannasch eine große Rolle. Die Dämmstoffe beispielsweise haben keine Folien. So kann möglicherweise eindringende Feuchtigkeit auch wieder heraus aus den Dämmplatten. Die Dämmung ist atmungsaktiv und diffusionsoffen.

Zwar ist bei der Sanierung von Umgebindehäusern, Fachwerkgebäuden, kleinen Villen und Schlösschen viel Handarbeit gefragt, aber nicht alles können die Mitarbeiter tatsächlich in Handarbeit ausführen, betont Jannasch. Lehmputz wird beispielsweise wie anderer Putz auch maschinell aufgezogen. Alles per Hand erledigen, das würde zu lange dauern und den Kostenrahmen sprengen, erklärt der Geschäftsführer. Er erinnert sich an die Anfangszeiten, als einige Zeit nach der Firmengründung 1999 dann die ersten Aufträge in der Sanierung ausgeführt wurden. Jannasch selbst und auch sein Team mussten viel Erfahrung sammeln, denn die alten Techniken hatte keiner in seiner Ausbildung erlernt. „Am Anfang haben wir viel Lehrgeld bezahlt“, sagt der Maurermeister. „Manches haben wir zweimal gemacht.“ Das Wissen um die alten Handwerkstechniken, mit denen früher die Baustoffe bearbeitet worden sind, ist beinahe verloren gegangen. Nach und nach werden sie wieder entdeckt und modernen Handwerkszeug und Erfordernissen angepasst. Mittlerweile würden diese Techniken in der Berufsausbildung zu einem kleinen Teil wieder vermittelt, weiß der Maurermeister. Er denkt daran, wie man anfangs viel improvisiert hat. Denn es fehlte damals auch an den Baustoffen, mit denen nachhaltiges, ökologisches Bauen und Sanieren möglich ist. 2008 gründete Jannasch dann als Ableger des Baugeschäftes die Firma Naturbaustoffe. Mittlerweile ist er nach eigener Aussage in der ganzen Region der größte Händler mit solchen Materialien, die er direkt von der Industrie bezieht. Das bewusste Bauen habe sich erst mit der Zeit entwickelt, weiß der Geschäftsführer. In der Nachwendezeit habe kaum jemand an ökologisches Bauen gedacht. Erst vor ein paar Jahren ist das Nachdenken in Sachen Umweltschutz auf den Bausektor übergesprungen. „Ich habe den Eindruck, dass zum Beispiel viele Großstädter die Provinz für sich entdecken“, meint Jannasch. Diese Bauherren lassen gern alte Gebäude sanieren, die sie für sich selbst als Wohnhaus oder als Ferienhaus nutzen. Sie legen Wert auf die originalgetreue Wiederherstellung der Häuser, was oft nur mit alten Handwerkstechniken und Naturbaustoffen möglich ist.

Jens Jannasch ist dann schnell in seinem Element. Er wollte nach der Wende Bauarbeiter bleiben, gründete später das Baugeschäft. Er freut sich, wenn er mit seinem Team täglich schöne Dinge schaffen kann, die anderen Freude bereiten, sagt er und betont, dass er Spaß in seinem Job hat. „Man sieht, was man schafft und kann den Leuten ein Lebensgefühl vermitteln, wenn sie sagen, dass sie sich wohlfühlen in ihrem Zuhause, das den Charme des Altbaus ausstrahlt, aber mit Liebe wieder flott gemacht worden ist und einem Neubau in nichts nachsteht.“