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Ein letzter Blick auf den Viadukt

Ende Juli weicht die historische Nesselgrundbrücke am Rand der Dresdner Heide einem Neubau. Das Projekt der Deutschen Bahn in Klotzsche ist umstritten.

© René Meinig

Von Nora Domschke

Die Zeit scheint gekommen für das imposante Bauwerk, das sich seit fast 170 Jahren über den Nesselgrund erstreckt. Am 18. Juli beginnt der Abriss des Eisenbahnviaduktes. Von außen nicht sichtbare Schäden, Materialermüdung – so lautet die Begründung der Deutschen Bahn. Doch nicht jeder will sie akzeptieren. Selbst, als der Planfeststellungsbescheid längst erteilt ist, gibt es Kritik an dem Bauprojekt.

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So sah die Brücke über dem wildromantischen Nesselgrund um 1905 aus. Fotografiert wurde sie von Hugo Engler und erschien auf einer Postkarte.
So sah die Brücke über dem wildromantischen Nesselgrund um 1905 aus. Fotografiert wurde sie von Hugo Engler und erschien auf einer Postkarte. © altesdresden.de

Viele Dresdner fragen sich, ob eine Sanierung keine Option gewesen wäre. Nein, sagt Ralf Richter, Projektleiter der Deutschen Bahn im Klotzscher Ortsbeirat. Das bestätigt auch das Landesamt für Denkmalpflege. Nicht nur wegen der nachgewiesenen starken Schäden, auch aufgrund von Reparaturen in der Nachkriegszeit habe es eine denkmalfachliche Zustimmung zum Abriss gegeben, teilt Michael Streetz, Referent für technische Denkmale, mit. Deutsche Truppen hatten die Nesselgrundbrücke am 8. Mai 1945 gesprengt. Um die Zugverbindung möglichst schnell wiederherzustellen, wurde die Brücke mit einfachen Mitteln repariert – mit erheblichen Abweichungen vom Original, so Streetz.

In dieser Woche beginnen die Bauarbeiter damit, die sogenannten Gesimskappen abzureißen. Parallel dazu werden die Stützen für die eingleisige Hilfsbrücke errichtet. In der Zeit vom 18. Juli bis zum 12. August folgt dann der Abriss des Viaduktes. Bis Mitte kommenden Jahres rollen die Züge dann über die Ersatzbrücke, die nach Fertigstellung des Neubaus ebenfalls wieder abgebaut wird. Bereits im Februar wurden die ersten Vorbereitungen für das Großbauprojekt im und über dem Nesselgrund getroffen. Bäume wurden gefällt, Bohrpfähle und Stützen für die Hilfsbrücke in den Boden gebracht. Rund sechs Millionen Euro investiert die Deutsche Bahn dafür. Dazu kommen etwa 20 Prozent Kosten für die aufwendigen Planungen. Finanziert wird das Ganze vom Bund.

Auch die Frage, ob es nicht möglich gewesen wäre, die alte Brücke etwa für Fußgänger zu erhalten und den Neubau einfach daneben zu errichten, beantwortet DB-Projektleiter Ralf Richter mit einem klaren Nein. „Dafür fehlt in dem engen Tal der Platz.“ Schließlich muss auch die neue Brücke Platz für zwei Gleise bieten. Hätte es eine Chance gegeben, den Viadukt zu erhalten, wäre sie auch genutzt worden, erklärt Richter. Eine Verbesserung hinsichtlich der Anzahl von Zügen oder ihrer Geschwindigkeit bringe der Brückenneubau nicht mit sich.

Umstritten ist allerdings nicht nur der Abriss des historischen Viaduktes, sondern auch das Aussehen der neuen Variante. Die neue Brücke wird keine Ähnlichkeit zu ihrer Vorgängerin besitzen. Vielmehr ähnelt sie der benachbarten Flughafenbrücke – ein schlichter Zweckbau. Richter rechnet damit, das er etwa 80 bis 100 Jahre hält.

Für Zugreisende gibt es während der Bauarbeiten keine größeren Einschränkungen. Nur die Wanderer müssen derzeit mit einer weiteren Strecke leben, denn das „Tor zur Heide“, wie der Viadukt gern bezeichnet wird, ist momentan gesperrt. Der Wanderwegewart hat eine Umleitungsstrecke über die Langebrücker Straße und den Schießstand in den Nesselgrund mit Schildern versehen. Wanderer müssen dem grünen Strich folgen. Als Baustellenplatz wird der künftige Parkplatz des Biomarktes am Bahnhof Klotzsche genutzt.

Während der Abriss des Klotzscher Viadukts beschlossene Sache ist, gibt es für eine andere Eisenbahnbrücke im Dresdner Norden noch Hoffnung. Zweites Großbauprojekt der Deutschen Bahn ist derzeit die Brücke über die Stauffenbergallee. Zwar habe das Landesamt für Denkmalpflege dem kontrollierten Ausbau der sogenannten Pendelstützenbrücke zugestimmt. „Die dabei vorgesehene Zerkleinerung und Verschrottung der ausgebauten Originalbrücke hat jedoch nicht stattgefunden“, teilt Michael Streetz vom Landesamt mit.

Damit macht die alte Brücke lediglich Platz für zwei Behelfsbrücken. Die Entscheidung über eine Sanierung und einen Wiedereinbau des Altbaus stehe damit noch aus.

Wissenswertes rund um die Nesselgrundbrücke

  • Der Viadukt wird 1848 als Eisenbahnbrücke errichtet.
  • Noch am 8. Mai 1945 sprengen deutsche Truppen das Bauwerk. Im November 1945 ist ein Gleis befahrbar, 1948 ist die Brücke wieder aufgebaut.
  • Die neue Brücke bekommt ebenfalls zwei Gleise und ist Mitte 2017 fertig.
  • Live-Bilder vom Abriss und Neubau: www.szlink.de/nesselgrund