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Ein Neuer ist am Steuer

WTK-Elektronik in Neustadt hat einen neuen Geschäftsführer. Er wechselt zu einer spannenden Zeit ins Unternehmen.

© Daniel Schäfer

Von Nancy Riegel

Neustadt. Der Dialekt verrät ihn sofort. Frank Buschmeier ist kein Sachse – noch nicht. „Ich will hier auf jeden Fall heimisch werden“, sagt der gebürtige Westfale. Als neuer Geschäftsführer eines der größten Unternehmen in Neustadt, WTK-Elektronik, weiß er um seine Verantwortung. Mehr als 140 Mitarbeiter leitet er ab sofort. Und es sollen schnellstmöglich noch mehr werden, denn der Spezialist für Elektronik für Landmaschinen ist auf Wachstumskurs. Nur eine der vielen Herausforderungen, denen sich der Mann mit dem sympathischen Händedruck stellen will.

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Schon vor zehn Jahren arbeitete Frank Buschmeier für einige Monate beim Elektronikzulieferer WTK. Als Assistent der Geschäftsleitung, die damals noch Jürgen Walter innehatte. Seitdem hat sich in der Firma einiges getan. Nicht nur die Mitarbeiterzahl ist in die Höhe geschossen. Auch wurde eine zweite Betriebsstätte an der Ecke Ziegeleistraße/Rudolf-Diesel-Straße gebaut. Und auch im Chefsessel hat sich innerhalb einer Dekade etwas verändert: Im Jahr 2011 verabschiedete sich Jürgen Wagner in den Ruhestand und übergab an Thomas Pohlmann. Dieser wiederum entschied sich kürzlich für einen beruflichen Neuanfang. Seit drei Monaten leitet Frank Buschmeier die Geschicke, mit 39 Jahren ein ziemlich junger Geschäftsführer.

Abrechnung in Dollar

„Mein Vorteil ist, dass ich das Unternehmen schon so lange kenne: die Mitarbeiter, die Produkte, die Region…“, zählt er auf. Die Geschichte von Fortschritt Landmaschinen ist ihm ebenso geläufig wie die Gründungsgeschichte von WTK. Was nicht weiter überrascht, denn sein Vater Rudolf Buschmeier arbeitete früher bei Müller-Elektronik in Salzkotten bei Paderborn, einem Hersteller von Agrarelektronik. Müller wiederum war von Anfang an Teilhaber von WTK. Frank Buschmeier arbeitete zuletzt als Marketingleiter bei Müller. Und jetzt eben bei WTK.

Zwischenzeitlich leitete der Diplom-Kaufmann die nordamerikanische Niederlassung von Müller in Wakarusa, Indiana. Einmal über den großen Teich, wieder zurück und jetzt die Kleinstadt Neustadt in Sachsen. Jedenfalls beruflich. „Eigentlich ist es für mich ein Schritt in die Großstadt“, überlegt er. Für den Anfang habe er sich nämlich eine möblierte Wohnung in Dresden genommen und pendelt am Wochenende in die Heimat, wo seine Tochter lebt. „Wenn sich Zeit findet, würde ich mich dann auch mal auf Wohnungssuche begeben“, sagt Frank Buschmeier lachend.

Er weiß, dass er zu einer spannenden und damit arbeitsreichen Zeit ins Neustädter Unternehmen gekommen ist. Seit vergangenem Jahr gehört Müller und damit auch WTK zu dem amerikanischen Unternehmen Trimble, einem Spezialist in Sachen GPS-Technologie. Seitdem stehen in der Buchhaltung von WTK Geldbeträge in Dollar, und es gibt neben Buschmeier auch einen weiteren eingetragenen Geschäftsführer, Jürgen Kesper von Trimble. Die Produktion werde dadurch nicht beeinflusst, so der neue Chef, aber es ergäben sich neue Chancen auf dem internationalen Markt.

Nicht nur dort, auch hier in Deutschland sieht es für WTK alles andere als schlecht aus. Deren Technik findet sich nicht nur auf Mähdreschern und Traktoren, auch in Wohnmobilen von Capron. Der Zulieferer produziert und installiert die komplette Elektronik der Caravans. Dafür wurde auf dem Werksgelände von Capron eine eigene Produktionshalle für WTK errichtet. Da Capron bekanntlich rasant wächst, wächst WTK mit. Während der jetzigen Betriebsferien werden neue Maschinen und Arbeitstische in der neuen Produktionsstätte aufgebaut. „Dann ist die Halle voll“, sagt der 39-Jährige und stellt in Aussicht, dass sich WTK dementsprechend zeitnah räumlich vergrößern muss.

Studenten anlocken

Doch selbst mehr Platz kann das Problem des Fachkräftemangels nicht lösen, im Gegenteil. Buschmeier berichtet, dass die Situation in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen nicht anders aussehe als in der Sächsischen Schweiz. Auch dort suche man händeringend nach Entwicklern und Produktionsmitarbeitern. Neustadt, das zu weit von Dresden weg ist um noch als Speckgürtel durchzugehen, sei eben auf den ersten Blick nicht attraktiv für junge Studienabsolventen, die den Trubel aus der Landeshauptstadt gewohnt sind. „Wir müssen ihnen klarmachen, dass sie hier günstig leben können und eine gute berufliche Perspektive haben.“ So wie Frank Buschmeier, der in Neustadt als Assistent begann und nun Geschäftsführer eines stetig wachsenden Unternehmens ist.