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Ein neues Kapitel

Wachaus Gemeindebibliothek hat eine neue Leiterin. Mit ihr soll die Einrichtung ein Ort der Begegnung werden.

Seit 1. März ist Linda Ludewig (links) die neue Leiterin der Bibliothek in Wachau. Nach 25 Jahren hat sich ihre Vorgängerin Doris Tittel in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. © Thorsten Eckert

Wachau. Über 25 Jahre und vier Umzüge hat Doris Tittel die Bibliothek in Wachau begleitet. Doch vier Jahre nach ihrem beruflichen Abschied in den Ruhestand hat sie nun auch die Bibliotheksleitung abgegeben. Nachdem diese Aufgabe bereits zum Monatsbeginn von Linda Ludewig übernommen worden ist, wurden in dieser Woche auch die Schlüssel an die Nachfolgerin übergeben. Wehmütig ist Tittel deshalb nicht. Stattdessen überwiegt die Freude, die Einrichtung in gute Hände übergeben zu können. „Die Bibliothek zu schließen, hätte ich nicht fertiggebracht“, sagt sie.

Zu viel Zeit und Arbeit hat Doris Tittel ein Vierteljahrhundert lang in die Bibliothek investiert. War diese am Anfang noch im Schloss untergebracht, zog sie erst auf den Boden über dem Kindergarten, dann in die alte Turnhalle und schließlich nach einer Übergangszeit in einem Container im vorigen Jahr an ihren jetzigen Ort in die alte Gemeindeverwaltung. Jedes Mal hieß es aufs Neue Umzugskisten packen. Deren Inhalt stammt teileweise von ihr selbst oder wurde, was die Neuanschaffungen betrifft, von ihr ausgewählt. „Dabei habe ich mich immer auf Erfahrungswerte verlassen“, erzählt Tittel. Schließlich kannte sie nach all den Jahren ihre Leserschaft und wusste, was gewünscht wird und was nicht.

Das kann ihre Nachfolgerin aus eigener Erfahrung bestätigen. Seit sie mit ihrer Familie vor knapp fünf Jahren in die Gemeinde gezogen ist, ist sie nämlich eine der Nutzerinnen der Bibliothek. „Damals habe ich leichte Kost bevorzugt. Auf einem Tisch hatte Frau Tittel immer eine Auswahl platziert. Bei jedem Besuch habe ich mir Bücher von dem Tisch mitgenommen, und die waren alle gut“, erzählt Ludewig. Auch das Angebot für Kinder habe sie begeistert, sagt die Mutter von zwei Kindern.

Sie habe sich sehr gefreut, als sie damals bei einem Spaziergang durch den Ort die Bibliothek entdeckt habe, erzählt Ludewig. Denn sie sei ein Bibliothekskind. „Ich war eine Leseratte als Kind, und mein Vater hat mich immer in die Bibliothek mitgenommen“, sagt sie. Als Ludewig dann hörte, dass Doris Tittel die Leitung abgeben will, hat sie nicht lange überlegt. „Ich hatte schon die ganze Zeit überlegt, wie ich mich in der Gemeinde einbringen könnte“, sagt sie. Auch Tittel hatte sich schon länger mit dem Gedanken getragen, die Leitung abzugeben und überlegt, wer diese Aufgabe übernehmen soll. „Ich habe mich so gefreut, dass sich sofort jemand gemeldet hat“, erzählt Tittel.

Unterstützt wird Ludewig in der Bibliothek von Gabriele Peuthert. Auch sie habe schon eine Weile nach einer Aufgabe gesucht, die sie gern übernehmen würde, sagt Peuthert. Über den Wanderverein habe sie dann Doris Tittel kennengelernt und auch beim Umzug vom Container in die alte Gemeindeverwaltung geholfen. „Ganz übernehmen wollte ich die Bibliothek aber nicht. Das ist mir zu viel Verantwortung“, erzählt sie und lacht. Tittels langjährige Partnerin in der Bibliothek hatte sich aus beruflichen Gründen zurückgezogen.

Neuerung im Team

Die erste Veränderung hat es unter dem neuen Team schon gegeben. So hat die Bibliothek seit dieser Woche immer mittwochs von 15 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Die Änderung hat dabei einen ganz praktischen Grund: „An dem Tag kann sich mein Mann um die Kinder kümmern“, erzählt Ludewig. Er ermöglicht ihr damit, ihrer Herzensangelegenheit nachzugehen.

Die geänderten Öffnungszeiten sollen nicht die einzige Veränderung bleiben. So planen Ludewig und Peuthert, die Bibliothek zu einem Ort der Begegnung zu entwickeln. Es soll mehr Leben in die Räume kommen, beispielsweise durch das Anbieten von Veranstaltungen. Dafür gibt es auch schon erste Ideen. „Wir könnten hier Bastelnachmittage machen“, sagt Ludewig. Schließlich habe man in der Bibliothek so viele Bastelbücher, aus denen man sich Anregungen dafür holen könne. So könne man die Kinder ans Lesen heranführen und gleichzeitig vielleicht auch den einen oder anderen Elternteil als Nutzer der Bibliothek gewinnen.