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Ein Schandfleck kommt unter den Hammer

Ein ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus an der Lessaer Straße wird versteigert. Das weckt im Rathaus Hoffnung.

Von Kevin Schwarzbach
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Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus an der Lessaer Straße 8 im Zeithainer Ortsteil Bobersen steht schon seit 2010 leer. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle und des ehemaligen Gasthofes Admiral.
Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus an der Lessaer Straße 8 im Zeithainer Ortsteil Bobersen steht schon seit 2010 leer. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe der Bushaltestelle und des ehemaligen Gasthofes Admiral. © Lutz Weidler

Röderau-Bobersen. Ein Hingucker ist das Gebäude an der Lessaer Straße 8 im Zeithainer Ortsteil Bobersen schon seit Jahren nicht mehr. Die Fassade des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses wirkt stark überaltert und trist, der Vorgarten ist verwildert.

Doch eine Zwangsversteigerung könnte dem Nachbarhaus der ehemaligen Gaststätte Admiral nun neues Leben einhauchen. Das zumindest hofft der Zeithainer Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). „Der Zustand des Gebäudes im Ortskern von Bobersen ist seit Jahren sehr unbefriedigend“, sagt er. „Insofern kann die Versteigerung eine gute Möglichkeit bieten, mit einem neuen, engagierten Eigentümer das Gebäude zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen.“

Bis es so weit ist, kann es aber noch dauern. Zwar ist das Objekt laut einem Wertgutachten für rund 35 000 Euro zu haben. Dafür haben sich über die Jahre aber auch einige Schäden angesammelt. So ist unter anderem Regenwasser in den hinteren Teil des Gebäudes eingedrungen und hat dort seine Spuren hinterlassen. Das Gutachten listet unter anderem herabgestürzte Deckenbekleidung und abgebrochenen Trockenputz an der Außenwand in Verbindung mit starker Schimmelbildung auf. „Der bauliche und ausstattungsbezogene Zustand ist insgesamt mit befriedigend bis schlecht einzuschätzen“, heißt es. Durch den langen Leerstand bestehe „ein stark erhöhter Reparatur-, Sanierungs- und Modernisierungsstau.“

Ralf Hänsel macht möglichen Interessenten dennoch Mut. „Die Lage des Gebäudes ist zentral im Ort, hochwassersicher und durch die Bushaltestelle direkt vor der Haustür für eine spätere Nutzung zum Beispiel für altersgerechtes Wohnen gut geeignet“, sagt er.

Fast 70 Jahre alte Schule

Das Haus an der Lessaer Straße 8 ist laut Gutachten einst als Schulgebäude errichtet worden. Die Experten gehen heute von einem Baujahr um 1950 aus. Später wurde das Gebäude, das über eine Teilunterkellerung, ein Erdgeschoss, ein Obergeschoss und ein nicht ausgebautes Dachgeschoss verfügt, zu Wohn- und Geschäftszwecken genutzt. Noch heute ist diese Aufteilung sichtbar. Im Erdgeschoss führen laut Gutachten jeweils Eingänge in zwei ehemalige Gewerbeeinheiten, über die Treppe gelangt man in eine Drei-Raum- und eine Vier-Raum-Wohnung im Obergeschoss. „Der nichtausgebaute Dachboden diente Abstell- und Lagerzwecken“, so die Experten. Im Zeitraum zwischen 2005 und 2010 „erfolgten augenscheinlich im Innenbereich Modernisierungen“. Hier werden im Gutachten etwa der Heizungseinbau, die Erneuerung einiger Fenster und die Verbesserung der Sanitärbereiche aufgeführt.

Doch auch wenn in dem Gebäude viel zu tun ist, folgen die Gutachter hinsichtlich der Lage der Meinung von Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel. Sie beschreiben den Standort zwar als einfache Wohnlage mit einer sehr einfachen Geschäftslage, heben aber hervor, dass „Geschäfte des täglichen Bedarfs, Dienstleistungen und Ärzte“ in Zeithain, Röderau und Riesa vorhanden sind. Laut Auskunft der Gemeinde steht das Objekt zudem nicht unter Denkmalschutz.

Ob sich ein Interessent findet, wird wohl erst die Versteigerung Ende März zeigen. Ralf Hänsel hofft indes, „dass der Zuschlag auf ernst gemeinte Angebote erteilt wird und der Erwerber eine finanziell strukturierte und gesicherte Vision umsetzt.“ Dazu biete die Gemeinde gern auch ihre Unterstützung an, so Hänsel.

Im Inneren haben sich einige Schäden angesammelt.
Im Inneren haben sich einige Schäden angesammelt. © Screenshot/Gutachten