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Ein Söldner kämpft für Geld

Das Ritterspektakel lockt Gäste in Scharen ins Kloster Altzella. Dort sind neben Rittern andere historische Gestalten zu sehen.

© D. Thomas

Von Helene Krause

Nossen. In mittelalterlichen Kostümen, mit Helmen, Kettenhemd und Lederwams angetan, Schwerter und Schilde in den Händen zeigen drei Krieger einen Schaukampf. Mit gezielten Schwerthieben und von staunenden Zuschauern beobachtet, hauen zwei von ihnen auf den dritten ein. Immer wieder versucht der, die Hiebe mit seinem Schild abzufangen. Im Kloster Altzella bei Nossen ist Ritterspektakel.

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Objektleitung (m/w/d)
Objektleitung (m/w/d)

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Einer der drei Kämpfer ist der 53-jährige Erhard Hartmann aus Berlin. Seit sechs Jahren kämpft er zum Spaß. „Ich suchte damals etwas als Ausgleichssport“, sagt er. „Ich wollte nicht ins Fitnessstudio gehen.“ Durch Bekannte und das Internet fand er die Schaukämpfergruppe „Jacamart“ aus Berlin. Bei ihnen lernte er die Kampftechnik. Hartmann kämpft überwiegend mit dem langen Schwert. Auf Mittelaltermärkten ist er aber auch mit Schwert und Schild unterwegs. Wie er findet, ist die Verletzungsgefahr bei den Kämpfen, wenn man es richtig macht, geringer als beim Fußball oder Handball. Bei den Trainingseinheiten wird auf Sicherheit geachtet, vor allem auf die des Kopfes, der Arme und der Beine. Hartmanns Frau ist ebenfalls mit in der Kämpfergruppe. Seine Verwandten und Freunde finden es toll, dass er das macht. „Sie sagen, ich soll mit heilen Augen und Gliedern wieder nach Hause kommen“, so Hartmann. Wie er sagt, ist das Hobby teuer. Die Helme und die Kleidung der Kämpfer sind maßgefertigt. Der Helm besteht aus Stahl, der poliert wurde.

„Im Kampf greifen immer zwei einen dritten an“, schildert er den simulierten Ablauf. „Sie teilen sich im letzten Moment und bringen ihn um.“ Geschlagen wird auf Arme und Beine und an Körperstellen, an denen große Arterien entlang führen. Träfe einen dort ein Schwerthieb tatsächlich, wären entweder die Glieder ab oder die Arterie wäre verletzt. In beiden Fällen würde der Gegner sterben. Gefährlich seien auch Kämpfer, die Linkshänder sind. „Weil die meisten mit der rechten Hand zuschlagen, sind sie auf Schläge, die von links kommen, nicht eingestellt. Die Hiebe können sie dann nicht abwehren.“

Der feine Unterschied

„Wir sind keine Ritter“, sagt Erhart Hartmann. „Wir sind Söldner. Ein Söldner kämpft für Geld. Gibt ihm das sein Dienstherr nicht, sucht er sich einen anderen.“ Mit beim Showkampf von Erhart Hartmann dabei sind Maria Biermann und Christoph Kotschote aus Leipzig. Während Kotschote einen Helm und ein Kettenhemd trägt, hat Biermann außer dem Helm nur ein dickes Lederwams an. Ihre Rüstung weist sie als Räuber und Händler aus. „Ihre Rüstung ist schnell herzustellen und leicht zu verstecken“, sagt Hartmann. „Sie bietet guten Schutz.“ Doch nicht nur Ritterturniere und Söldnerkämpfe gibt es beim Ritterspektakel im Kloster Altzella zu sehen. An zahlreichen Verkaufsständen werden historischer Schmuck, mittelalterliche Kostüme, Speisen und Getränke und andere Dinge angeboten. Handwerker und Gaukler zeigen ihre Künste. Kinder können sich auf einem kleinen Riesenrad oder auf einem Karussell vergnügen. Beides wird, da es im Mittelalter noch keinen elektrischen Strom gab, per Hand und Muskelkraft angeschoben.

Roland und Christine Bär sowie Tochter Katharina kommen aus Oberbobritzsch. „Wir haben von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen“, sagt Roland Bär. „Es war ein Bild dabei, das uns angesprochen hat.“ Weil schönes Wetter ist und sich Christine Bär durch die Romane von Sabine Ebert für das Mittelalter interessiert, seien sie zu dem Spektakel gekommen. „Wir wollen die Ritterspiele sehen“, so Bär. Im Kloster Altzella war die Familie schon öfter.

Veranstaltet wird das Ritterspektakel von der Agentur „Sündenfrei“, die Mittelaltermärkte und andere historische Veranstaltungen organisiert. „Die Agentur fand das Klosterambiente für die mittelalterlichen Veranstaltungen ansprechend“, sagt Juliane Schikade vom Klosterpark Altzella. Seit dem findet immer im April in Klosterpark das Ritterspektakel statt. In diesem Jahr schon mindestens zum zwölften Mal.