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Ein totaler Volltreffer

Das Theaterstück „Volltreffer“ gespielt von der Jugendtheatergruppe Meißen feierte kürzlich Premiere.

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© Claudia Hübschmann (Archiv)

Von Peter Braukmann

Meißen. Wer die Geschichte und Entwicklung der Jugendtheatergruppe Meißen über die vergangenen Jahre beobachtet, weiß sehr wohl, dass sich der Regisseur Moutlak Osman gern an schwierige Stoffe wagt. So sieht es auf den ersten Blick auch in diesem Jahr aus.

Das Theaterstück „Volltreffer“ erzählt von der ungewollten Schwangerschaft einer Siebzehnjährigen und wie sie und ihre nächste Umgebung damit umgehen. Da scheint die Gefahr gegeben, dass die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, die ja zum Teil selber in diesem Alter sind, Schwierigkeiten bei der Darstellung bekommen, wenn Vorlage und ihre eigenes Erleben nah beieinander liegen.

Doch davon war aber auch gar nichts bei dieser Premiere zu spüren. Das liegt mit Sicherheit an der schauspielerischen Intelligenz, am persönlichen Umgang mit Rollenvorgaben, die sich die jungen Leute in den Jahren durch die sehr gute Anleitung von Moutlak Osman angeeignet haben. Auf der anderen Seite ist das Buch zum Stück, geschrieben von dem Berliner Theaterautoren und Regisseur Ferry Ettehad, eine Steilvorlage. Etthad, der leider viel zu früh verstorbene Mitbegründer des Theaters Strahl in Berlin, erzählt die Geschichte vom ersten Sex über die Auseinandersetzung mit der ungewollten Schwangerschaft bis hin zu einem unerwarteten Ende mit ganz leichter Hand und sehr viel Humor. Dass er sich dabei an großen Vorbildern anlehnt, tut dem Ganzen keinen Abbruch. Da sehen wir vier Spermien auf der Suche nach dem einen Ei und erinnern uns sofort an die herrliche Filmsequenz aus Woody Allens „Was sie schon immer über Sex wissen wollten“.

Während bei Allen ein dunkelhäutiges Sperm aus der Reihe alle der weißen tanzt, ist es hier ein Sperm namens Rüdiger. Auch Monty Python stand Pate bei einigen Szenen, wie zum Beispiel dem Beratungsgespräch, dass die ungewollt werdende Mutter durchmachen muss. Das erinnerte schon sehr an den Klassiker „Arguments“ aus Monty Pythons Flying Circus.

Herrlich auch die Szene, in der die junge Mutter dem Erzeuger klar macht, dass er nun Vater wird. Im theoretischen Unterricht zur Fahrprüfung doziert der Fahrlehrer über die Folgen eines Auffahrunfalls, der passiert, wenn man nicht aufgepasst hat und kommentiert so zweideutig das doch eigentlich schwierige Gespräch der jungen Leute auf humorvolle Weise.

So wird durch das Buch an allen Stellen die tatsächliche Schwere des Sachverhaltes und der damit verbundenen Entscheidungen genommen. Genial. Der beste Aufklärungsunterricht, den man sich wünschen kann. Aus der Warte betrachtet, hätte ich mir wesentlich mehr junge Leute im Theater gewünscht. Vielleicht sollte man von der Seite des Marketings bei solchen Stoffen intensiver an die Schulen herantreten.

Es wäre einfach unfair, von den Darstellern einzelne besonders hervor zu heben. Alle spielten auf hohem Niveau. Schön fand ich auch, dass Manuel Süß (Gitarre) neben der Rolle des Andi auch noch in Begleitung von Virginia Hennig (Cajon) die Klassiker „Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael“ und „Über sieben Brücken musst Du gehen“ gekonnt auf die Bühne brachte.

Ein runder Abend, eben ein totaler Volltreffer.